Back in 2001 war das Disposable Arts Album des Monats in der Juice. Ich als musikbegeisterter Jugendlicher musste das umbedingt haben. Man sollte vielleicht anmerken, dass mp3 damals noch quasi keine Rolle gespielt hat und mit “haben wollen” ein physkalischer Datenträger gemeint war. Treibt mal ein independent vertriebenes Album eines nicht dem Mainstream bekannten Künstlers auf. Gar nicht so einfach sage ich euch, denn als CD war das quasi gar nicht zu haben und auf Vinyl hatte ich das dann auch erst im dritten und letzten mir bekannten Plattenladen(keine Ahnung mehr wie der hiess, war in der Blumenstrasse am Isartor) in der Hand. Freudig nach Hause gefahren und reingehört… 3 Mal am Stück oder so, bevor es dann Abendessen gab.
Das erste wirkliche Konzeptalbum, das ich besitze. Für jene, die Disposable Arts nicht kennen: Ace ist ein Knasti, der im Intro entlassen wird, wieder nach Hause kommt und sich dann ins Institute of Disposable Arts einschreibt, nachdem er feststellt wie schlimm die Situation in Brooklyn is t(“Block Episode”). Das Album ist leider kommerziell total gescheitert und wurde von vielen total unterbewertet. Für mich ist es immer noch eins der besten Konzeptalben ever und daher ein super Einstiegspunkt in die Serie.
Reinhören: “Acknowledge”, “Don’t understand”, “Unfriendly game”, “Take a walk”
Weiter geht es die Tage mit Jaylib – Champion Sound. Ich würde mich über Feedback zu der Serie freuen, sollte überhaupt irgendwer reinschaun.
Servus aus dem schönen München,
Ich hab mal wieder Bock ein bisschen zu bloggen. Das Konzept der nächsten Einträge sieht vor Schmankerl(für die nicht Bayern am besten vllt. mit Perlen zu übersetzen) aus der Plattenkiste/iTunes Library rauszusuchen und vorzustellen. Ihr kennt das sicherlich: Stellt erst x Jahre später fest, dass Album xyz total geil war und ärgert euch, das ned früher entdeckt zu haben. Das war bei mir z.b. der Fall bei der Weatherman LP von Evidence. Das ganze wird mit Anekdoten zu den Alben geschmückt und herauskommt hoffentlich eine unterhaltsame Mischung.
Capone N Noreaga – The War Report 2: Report the War
Bewertung: 5 von 6
Label: Iceh2o (Soulfood Music)
Nachdem Raekwon 2009 mit Only Built for Cuban Linx 2 schon für Furore gesorgt hat und den Vibe des Vorgängers perfekt eingefangen und damit eine Art retro Sound ins Jahr 2009 transportiert hat, legte dieses Jahr schon Roc Marciano mit Marcberg ein ebenfalls sehr raw gehaltenes Album nach. Dieser Soundentwurf ist ein klarer Gegenstrom zu den so erfolgreichen Drakes, Weezys und anderen, die den Mainstream dominieren.
Eben genannter Raekwon ist auch executive Producer des kürzlich veröffentlichten War Report 2 von Capone and Noreaga. Nach Raes Erfolg waren die Erwartungen hoch, dass sich auch CNN zusammenreissen und wieder einen Kracher raushauen. Das ist gelungen, denn The War Report 2: Report the war kann über größere Strecken an den Vorgänger mit Klassikerstatus anknüpfen, was ich nach Channel 10 mit zwar einigen guten Nummern, aber auch totalen Gurken wie dem Autotunetrack Rotate, nicht mehr für möglich gehalten hätte. Vermutlich hat da der Erfolg Raekwons die Einsicht gebracht, dass man nicht immer eine kommerzielle Single braucht.
Nach der kurzen Intro Sequenz über den Krieg geht direkt der erste, von Alchemist produzierte, Banger “Pain” los. Hier kommt direkt 90er Vibe auf, denn das Instrumental wird von einem Sample, einer Snare, einer Basedrum und nicht viel mehr getragen, gewissermaßen minimalistisch. Nore und Pone schreiben sich den Schmerz von der Seele und erzählen sehr authentisch aus ihrem Leben. Für die nächsten Hoodtales werden die Experten Jada, Sheek und Styles aka. The Lox ins Boot geholt. Bodega stories ist auch von einer simplen Klaviersequenz getragen und es geht, wer hätte es erwartet, ums Dope-Biz. Klingt simpel gestrickt, ist es auch, aber funktioniert nicht zuletzt dank der Strophen von Lox.
Die weiteren Tracks stellen auch keine grosse Überraschung dar, denn es geht immer um die Hood, Verbrechen, Drogen und Selbstdarstellung. Etwas anderes erwartet man von dem Album auch nicht und dass Nore und Pone darüber etwas zu erzählen haben ist nicht erst seit War Report bekannt.
Bei der weiteren Produzentenauswahl fehlen, vielleicht mit Ausnahme von Buckshot und Green Lantern, die großen Namen. Das tut dem Vibe und der Frische des Albums aber nur gut. Gerade die Instrumentals von Neo Da Matrix (“Hood Pride” (featuring Faith Evans)) und Hazardis Soundz (“The Oath” (featuring Raekwon & Busta Rhymes)) und Buckshot(With me feat. Nas) gefallen mir besonders, wobei letzterer trotz eines verkorksten Nas Part vom Instrumental gerettet wird.
The Oath hingegen ist etwas besonderes. Er dreht sich um den Mafia Eid “The family is the family/
this oath is this oath/and I will die before I break it/and when we grow, we grow as one”, jeweils als
Chorus in verschiedenen Sprachen mit englischer Wiederholung vorgeschlagen. Wenn ihr den Track noch nicht gehört habt glaubt mir, dass das einer der atmosphärischten Tracks in letzter Zeit ist. Absoluter Knaller, der natürlich von der super Feature Auswahl noch abgerundet wird.
Abschliessend kann man sagen, dass ich das Album jedem uneingeschränkt empfehlen kann. Nore und Pone besinnen sich auf ihre Stärken und so kommt ein Album heraus, dessen Kohärenz locker mit OBCL 2, Thank me Later, Marcberg und vielen anderen großen Alben seit “The War Report” mithalten kann. Die etwas schwächeren Tracks Scarface und Favor for a favor zerstören aber nicht das Gesamtbild und man muss auch nicht unbedingt skippen.
Alles in allem eine sehr runde Sache, daher spreche ich eine klar Kaufempfehlung aus.
Über Drake kann man denken, was man will, aber der Typ macht irgendwas richtig. Dropt erst letztes Jahr mit ‘So Far Gone’ seine debut EP und verkauft davon, trotz free Download, noch Einheiten im sechsstelligen Bereich. Hat mit ‘Forever’ mit munterer Featureliste einen der großen Songs des vergangenen Jahres publiziert und nun legt der Kanadier seine Debut LP ‘Thank me later’ vor.
Der erste Track, ‘Fireworks ft. Alicia Keys’ ist vom Frankfurter Crada produziert und war schon vor dem Release auf Youtube zu finden. Die Album Version gefaellt mir sogar noch besser und ist ein guter Einstieg in den Vibe des Albums. Viele Tracks sind von Synthieflächen getragen, sodass ein runder Gesamteindruck entsteht. Andererseits trifft der Track auch genau den Pop Appeal, den das Album hat. Es ist sicherlich kein klassisches Rap Album, weil sich auch Tracks vorfinden, wo die Hälfte gesungen ist(‘Karaoke’), dennoch zeigt Drizzy, dass er auch rappen kann. ‘Over’ ist der erste Track, der ein bisschen aus dem Synthie-Schema fällt und wurde auch schon vorab als Single releast. Mochten manche nicht, fuer mich aber ein klarer Banger. Bei ‘Up all night ft. Nicki Minaj’ muss ich mir schon wieder ueberlegen was ich von ihr halten soll, komme aber zum Schluss, dass sie gar ned so schlecht ist und der Beat weiß auch zu ueberzeugen. ‘Fancy ft. T.I. und Swizzy’ ist dann fuer mich ein kleines Meisterwerk, denn mittem im Track switcht der Beat zu low-fi mit hyptnotischen Synthies. Wirklich groß. ‘Shut it down ft. The-Dream’ ist dann wieder ein langsamer Track und mit knapp 7 Minuten auch relativ lang. Wirkt im Albumkontext aber sehr berechnet und passt irgendwie auch rein. Denn danach kommen wieder drei Rap Banger, die Young Jeezy, Jigga und Lil Wayne auffahren. Man merkt schon, dass bei den Features nicht gekleckert sondern geklotzt wird, denn welcher Artist hat schon auf seinem Debut derartige Hochkaräter? Da merkt man schon die Stellung des Young Money Camps, zu welchem auch Drake gehoert, im Game. Die drei Tracks sind natuerlich absolute Kracher und stellen fuer mich neben ‘Fireworks’ die Highlights des Albums dar. ‘Find your love’ im Anschluss ist die von Kanye und No ID produzierte Hitsingle fuer die Ladies, die aber auch bei mir gut rein geht.
Man bekommt ein sehr rundes, stimmiges und wohldurchdachtes Album. Fuer mich sicherlich eines der besten Anno 2010, Drakes Hype voellig gerecht werdend.
I thank him now!
9/10
Auf Grime bin ich seit Boy in da Corner hängen geblieben. Das nächste große Ding ist wohl Tinie Tempah, aktuell auf Nummer 1 der UK Charts mit der Single Passout. Er ist als 12 jähriger zum ersten Mal mit Grime, damals noch in Form der So solid Crew in Berührung gekommen und wollte seitdem nichts anderes als MC werden. 6 Jahre später war er dann auf Playtime is Over von Wiley gefeatured. Nun hat er seinen ersten Nummer 1 hit. Der Junge wird seinen Weg gehn, ziehts euch mal rein.