Die Bunkertür geht zu
Dezember 28, 2007 6:54 pm Deutschland, HipHop, News
Das sind ja mal beschissene Weihnachten für Deutschrap-Fans - nachdem Eko Fresh und Separate das Mikro an den Nagel gehängt haben, weil sie keine Möglichkeit mehr sehen, mit Musik ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schliesst nun auch das legendäre Berliner Raplabel Royalbunker seine Pforten. Das verkündete zumindest Labelchef und -gründer Marcus Staiger in der Radioshow “Soundgarden” auf dem Berliner Sender Radio Fritz, welche ebenfalls zum letzten Mal über den Äther lief. Mittlerweile ist auf der Website des Bunkers eine offizielle Bestätigung der Schließung zu finden, die viele zuerst für einen schlechten Witz hielten. Demnach sollen 2008 noch ein neues K.I.Z.-Album und ein Best-Of-Sampler erscheinen, und das war’s dann. Im Gegensatz zu Eko und Seppo hat der Rückzug von Marcus Staiger aber vermutlich keinen finanziellen Hintergrund: Zumindest wäre es doch gelacht gewesen, wenn vom K.I.Z.-Hype des Spätsommers nicht wenigstens ein bisschen Hartgeld hängen geblieben wäre. Vielmehr seien zehn Jahre Labelbusiness “einfach genug”, und, wie Staiger gewohnt elaboriert weiter ausführt: “Ich habe keine Lust mehr. Es war schön. Es war großartig. Es war richtig klazze. Jetzt reichts.”
Was aus den auf Royalbunker gesignten Artists wird, ist momentan noch ungewiss. Die einzige Ausnahme stellt der Reutlinger Doubletime-Reimer Tua dar, dessen Signing bereits seit Längerem stolz auf der Website von Deluxe Records vermeldet wird.
Während man sich also im laut.de-Forum gewohnt grenzdebil vor Freude über den Tod eines weiteren “HipHop-Gangsta-Labels” bepisst, bedauern wir die Schließung eine der einflussreichsten Institutionen der Deutschrapgeschichte, durch die so unterschiedliche Künstler wie Kool Savas, Prinz Pi oder K.I.Z. groß wurden. Wir hoffen auf eine Abschiedsparty.
(flo)
