Spring Break

Clubsounds, Eastcoast, HipHop No Comments

Es sieht so aus, als würde 2008 ein recht geschäftiges Jahr für Pharrell Williams werden. Nicht nur ist ein Kollabo-Album mit Kanye West und Lupe Fiasco angekündigt, auch die “Alternative Rock-Gruppe” (Wikipedia) N.E.R.D. erhält dieses Jahr ihr wohlverdientes Revival. Und nach dem zu urteilen, was Pharrell und seine beiden Kollegen Chad Hugo sowie Shay Haley auf dem absichtlich geleakten “Everyone Nose” abziehen, wird das Album “N.3.R.D.” die Tanzböden dieses Erdballs abermals schwer beschäftigen. Das Instrumental pendelt stets zwischen hitzigem Samba und gepflegtem Lounge-Feeling, während Skateboard P die Attraktivität schöner, feierwütiger Frauen besingt und das Ganze mit unverschämt unsubtiler Verherrlichung des Kokain-Konsums verbindet. Unterbrochen wird das Ganze dann von einer simplen, runtergepitchten Dirty South-Hook: “All the girls standing in the line for the bathroom.” Nichts für hässliche Menschen mit schlechter Laune.

N.E.R.D. – “Everyone Nose”

An der Amsterdam Ave in Harlem hält man es da noch etwas traditioneller, was im Falle von Cam’ron allerdings auch nur so viel heisst wie: Man sucht sich das unmöglichste Sample raus und lässt Killa Cam den Rest erledigen. So ungefähr muss der Entstehungsprozess zu “Pass Tha Dutchie” verlaufen sein, wovon noch nicht so ganz bekannt ist, ob das nun ein weiterer Mixtape-Cut, gar ein Vorgeschmack auf ein eventuelles Solo-Album oder einfach nur ein neues Lebenszeichen des Dipset-Mitglieds sein soll. Wie man jedenfalls ernsthaft auf die Idee kommen kann, – vor allem derart dreist! – den gleichnamigen Hit von Musical Youth zu samplen, ist mir schleierhaft, aber Props dafür. Cam’ron spuckt hier wie gewohnt eine ignorante Punchline nach der anderen und becirct ebenfalls eine nicht näher genannte Lady, mir ist das alles jedoch ein bisschen zu Ragga. Da gehe ich lieber für den Ex-Jive-Angestellten Papoose, der in einem vor Soul triefenden Biest namens “Like What You Love” den Date Doctor gibt und wertvolle Beziehungstipps rauslässt. Aber ob Virginia Beach, Harlem oder Bedford-Stuyvesant: Da ist Frühling in der Luft.

Cam’ron – “Pass Tha Dutchie”

Papoose – “Like What You Love”

(flo)

Hamburger Freiheit

Clubsounds, Deutschland, HipHop No Comments

Der aufgeschlossene, bisweilen fast schon zu weltoffene Hörer in Feierlaune wird sagen: Geil, er hat seinen Style weiterentwickelt. Der verbitterte, ewiggestrige True-School-Stalinist wird darauf erwidern: Traurig, der Fall einer Legende. Und ganz ehrlich, was die erste Single von Das Bo angeht, muss ich fast letzterem Statement zustimmen. Es braucht nämlich schon leidensfähige, respektive betrunkene Hörer, um wirklich feiern zu können, was der Hamburger auf seiner neuen Single “Ohne Bo” abliefert, mit der er übrigens auch auf dem “Bundesvision Song Contest” auftreten wird. Anstatt nämlich an die durchaus Mut machenden Vorstellungen auf der letzten JUICE-CD oder dem “80′s Flashback”-Sampler anzuknüpfen, bedient sich Bo lieber Styles, die schon bei der DJ Tomekk-Kollabo “Eey Yo” oder dieser Alex Christensen-Nummer nur noch eines waren: Ausgelutscht. Gekrönt wird das Ganze dann allen Ernstes mit einem von der Münchener Freiheit geklauten Refrain. Klar, Deichkind haben auch trashige Electro-Beats am Start, und K.I.Z. haben auch schon mal einen Wolfgang Petry-Refrain recyclet. Aber die kombinieren das Ganze mit Ideen, während bei “Ohne Bo” einfach gar nichts passiert. Wäre das nicht HipHop, ich müsste glatt befürchten, dass irgendwelche Tanten von mir in der nächsten Bierzeltsaison überkrass darauf abgehen. Aber, das muss natürlich auch gesagt werden: Mad Props für die Frisur im Video.

Das Bo – “Ohne Bo” (Video)

(flo)

Guilty Conscience

HipHop No Comments

Irgendwie habe ich das Gefühl, diese Stones Throw-Jungs haben das Weihnachtsgeschäft verpennt und wollen jetzt alles eiligst nachholen, bei so viel neuem Material, das momentan aus Oxnard ins Netz gepustet wird. Seit heute ist nämlich auf der offiziellen Seite der kalifornischen Indie-Lieblinge ein erster Track aus dem langerwarteten Debüt-Album “Ode To The Ghetto” von Guilty Simpson zu hören, der -  ich gebe es zu – nach einem Wahnsinnskonzert im Münchner “Atomic Cafe” zusammen mit Sean Pee und Black Milk zu meinen Privathelden zählt. Klar, wer Überraschungen mag, der ist momentan auf Pressekonferenzen des FCB weitaus besser aufgehoben als hier. Im von Denaun Porter produzierten “Gettin’ Bitches” beschränkt sich der 31-Jährige nämlich auf das, was er am Besten kann: Langsame Stakkato-Beats mit Punch um Punch auseinandernehmen. Insofern ist die ganze Veranstaltung natürlich nicht der allerheißeste Scheiß, aber dennoch ein würdiger Auftakt für das Album, das am 25. März erscheinen soll und laut Mr. Simpson “only real shit” enthält. Wollen wir ihm mal glauben.

Guilty Simpson feat. Mr. Porter – Gettin’ Bitches

(flo)

The Kidz Are Alright

Eastcoast, HipHop No Comments

Der Legende nach trafen sich Double O und Naledge von Kidz in the Hall erstmals bei einem MC-Battle an der University of Pennslyvania, und “treffen” wäre hier beinahe wörtlich zu nehmen gewesen. Double-O zog bei besagtem Battle nämlich seine Waffe und feuerte fünf Schüsse auf seinen jetzigen Bandkollegen ab, die ihn jedoch alle verfehlten. Klingt nach einer Basis für eine wundervolle Freundschaft. Das dachten sich die beiden wohl auch, nahmen erste Songs zusammen auf und firmierten bald unter ihrem heutigen Namen. Das Debütalbum “School Was My Hustle” erschien über Rawkus und wurde zu einem respektablen Untergrund-Hit. Eineinhalb Jahre ließen sich die Kidz mit neuem Material Zeit, doch jetzt ist die erste Single aus dem kommenden Album “The In Crowd” aufgetaucht, das jedoch über die New Yorker Jungs von Duck Down Records erscheint, unter anderem Labelheimat von Sean Price. Und eines muss man “Drivin’ Down The Block” lassen: Engagierter ist das sinnlose Umherfahren im Cadillac nie beschrieben worden – selbstverständlich mit “two miles an hour, so that everybody sees me”. Über ein böses Bass-Monster von Double-O mit ein wenig, aber wirklich nur ein wenig an “Das Boot” erinnerndem Synthie-Echolot legt Naledge gewitzt und gängiger Plattitüden unverdächtig sämtliche Vorzüge dar, die Luxuskarossen mit Frauen, Drogen und Alkohol auf dem Rücksitz so zu bieten haben. Immerhin ist ja auch Samstag Abend, “what else should a brother do.” Trotzdem: Wenn das die Umwelt-Lobby wüsste.

Kidz In The Hall – “Drivin’ Down The Block”

GLC ist ebenfalls bekannt dafür, das Ohr näher an der Straße zu haben als eine umgekippte Oma, was ihm oftmals den Ruf eines Exoten im sonst so Rucksack tragenden G.O.O.D. Music-Camp eingebracht hat. Und auch wenn Kanye West der JUICE vor einigen Monaten noch in den Schreibblock diktierte, er habe einfach keine Zeit mehr, Beats für “MC Doo-Die-Wap” zu bauen, hat GLC für “Honor Me” dennoch einen vom Labelboss spendiert bekommen. Das Betteln hat sich gelohnt, denn seit “The Game” klang kein Kanye-Beat mehr so böse und dreckig, was der Forderung Gangsta L. Crisis’ nach mehr R.E.S.T.E.C.P nur noch mehr Nachdruck verleiht. Das Album wird vermutlich wieder verzichtbar, aber das hier? Brett.

GLC – “Honor Me” (Video)

Ich wünschte, ähnliche Lobeshymnen könnte ich auch auf 9th Wonder loslassen, doch es bleibt dabei: Der Mann scheint seinen Zenit überschritten zu haben. Wenigstens seine Produktivität ist aller Ehren wert, denn neben dem Kollabo-Album mit Buckshot wird das neunte Wunder Ende Januar auch ein Producer-Album namens “The Wonder Years” raushauen. Die Kollegen von nahright.com haben einen ersten Song namens “Only Knew” feat. Styles P und Tyler Woods aufgetrieben, und das Teil ist auch ein guter, eingängiger R&B-Track mit gar nicht mal so wenig Wumms und gewohnt stimmigem Beitrag von Paniro The Ghost geworden, der sich wirklich in jedem Revier zu Hause zu fühlen scheint. Aber 9th kann definitiv mehr.

9th Wonder feat. Styles P & Tyler Woods – “Only Knew”

Übrigens hat ein aufmerksamer Leser endlich meine Wissenslücke bezüglich Michael Gray’s “The Weekend” gestopft. Das Ding ist selbstverständlich ein Cover von Oliver Cheatham‘s großartigem “Get Down Saturday Night” aus dem Jahr 1983. Einigen ist der Song vielleicht vom “GTA: Vice City”-Soundtrack bekannt. Peinlich, peinlich.

(flo)

Indie.Are We

HipHop No Comments

MF Doom hat sich seit seinem 2004er-Studioalbum “MM…FOOD” eher rar gemacht, von seltsamen Live-Alben und Instrumentalprojekten, die nach Pflanzen benannt wurden, mal abgesehen. Ja, nicht mal auf’s Konzerte geben hatte Daniel Dumile Gerüchten zufolge mehr Bock, und ließ sich folgerichtig lieber von irgendeinem Weedcarrier doublen. Und da sag noch mal einer, diese Maske wäre unnütz. Jetzt aber ist neues Material vom Maskenmann aufgetaucht, und als wäre das allein noch nicht erfreulich genug, ist Bomb Shelter-Bewohner Madlib ebenfalls mit von der Partie. Wir erinnern uns: Das bislang einzige Madvillain-Album “Madvillainy” ist einer der großen Klassiker amerikanischen Indie-Raps, und die bis dato letzte Kollabo namens “Monkey Suite” gehörte zu den Höhepunkten des “Chrome Children”-Samplers. Der neue Song “Accordion” knüpft soundästhetisch auch direkt an die “Funky Flute” an: Über einen reduzierten Akkordeon-Banger (yes, i said it) des Beat Konducta spuckt Doom wieder kryptische Ansagen im Sekundentakt, während im Video genau eine Frau tanzt und Mr. Dumile ein bisschen verlassen in Häusergängen herumsteht. Aber ich war noch nie so der Typ, der ausgefeilte visuelle Konzepte durchschaut. Nichtsdestotrotz ist “Accordion” straight fire und genau der richtige Appetitanreger für die am zwölften Februar erscheinende “Stones Throw 102″-DVD, auf der alle Stone Throw-Videos seit 2005 zu finden sind. Perfektes Valentinstags-Geschenk für sich selbst.

Madvillain – “Accordion”

Von einem Indie-Heldenduo zum Nächsten. Buckshot & 9th Wonder‘s erstes Album “Chemistry” gehörte bekanntlich zu den ganz großen Würfen des Sommers 2005, und seitdem ist viel passiert: Nas durfte auf “Where Are They Now” ganz ungeniert, aber dennoch leicht besorgt nachfragen, wo denn Buckshot abgeblieben sei, während 9th sich von seiner eigentlichen Band Little Brother trennte und überhaupt nicht mehr ganz so heiß gefunden wird wie noch vor zweieinhalb Jahren. Nun ist die erste Single “Go All Out” aus dem nächsten Album “The Formula” im Netz gelandet, und selbst ich als treudoofer 9th Wonder-Fanboy kann leider nicht anders, als mich dem Common Sense anzuschließen: Das klang schon mal geiler. Das Problem des Produzenten aus Carolina ist und bleibt, dass er seinen Soundentwurf seit den glorreichen Tagen von “The Minstrel Show” (dem damals schon das Prädikat “Retro” anhaftete) null komma nada variiert oder weiterentwickelt hat. Irgendwann muss einfach mal gut sein. Und Buckshot ist leider auch nicht mehr die heißeste Katze im Spiel. Aber vielleicht springt ja auf dem Album in CD-Quality und/oder mit vielen Sean Price-Features der Funke noch einmal über.

Buckshot & 9th Wonder – “Go All Out”

Ahja: Bizarre von D-12 vertickt jetzt Verses für 750 Dollar. Falls jemand Interesse hat…

(flo)

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