Big Dreams Poppin’
März 18, 2008 Dirty South, HipHop, Westcoast No Comments
Wie sich diese Sache mit the The Game und seinen Knastgeschichten der letzten Wochen wirklich verhielt, gehört wohl zu den größten Mysterien der jüngeren Zeitgeschichte. Überaus sicher ist jedoch, dass Jayceon Taylor es immer wieder schaffte, seinen Alben Killersingles vorauszuschicken – “How We Do” und “It’s OK (One Blood)” waren beide dreckige Hits, die ihrer Zeit weit voraus waren. Nun ist vor kurzem ein Track namens “Big Dreams” aufgetaucht, von dem kolportiert wird, er wäre die erste Single aus dem kommenden Album “L.A.X.”, und nach erstem Hineinhören bleibt alten Fanboys wie mir nur ein Fazit übrig: Bitte nicht. Der Song ist nicht viel mehr als eine Anbiederung an den Dirty South-Hype, der seit mindestens zwei Jahren keiner mehr ist, und fährt auch ansonsten circa null Ideen auf. “Big cars, big wheels, big chains, yeaaaaah, big pimpin’, big money, big dreams, yeaaaah.” Das ist übrigens der Refrain. Auch in den Strophen kann Game mit seiner verkniffen ernsten Selbstbeweihräucherung und den mittlerweile komplett überflüssigen Jigga- und Fifty-Disses geschickt verbergen, was für ein grandioser Lyricist er eigentlich ist. Der Beat stammt von jedermann’s Lieblingsbeatbastlern aus dem Sunshine State, Cool & Dre, ist aber auch nicht mehr als ein so halb interessanter Bastard aus “Chevy Ridin’ High” und “Flashing Lights”. Ja, ich weiß, wahrscheinlich bin ich unfair. Aber von meinem erklärten Westcoast-Lieblingsrapper erwarte ich nun mal mehr als von Your Favorite Weedcarrier aus Oakland. Bleibt zu hoffen, dass “Big Dreams” nur irgendein Cut von einem Mixtape zur Promotion von “L.A.X.” ist und nicht vom Album selbst – damit könnte ich noch gut leben.
The Game – “Big Dreams”
Die erste, echte Single von Lil’ Wayne aus “Tha Carter III”fährt mir da schon viel besser ein. Dass Weezy schon längst nicht mehr in weltlichen Maßstäben denkt, wurde spätestens bei der Streetsingle “The Only Reason” deutlich, als Weezy einfach seine komplett eigene Sprache erfand. “Lollipop” befindet sich in der Wahnsinns-Skala auf einem ähnlichen Level: Bereits das Video fährt mit überdimensionalen Hummer-Limousinen samt futuristischer Innenausstattung, Trips nach Las Vegas, Armeen schöner Frauen und, ähm, Lollipops all das auf, womit ich mir auch gerne das Wochenende vertreibe. Dazu gibt der selbst ernannte “Best Rapper Alive” den Blues-Sänger in Anzug und schief hängender Krawatte und garniert das Ganze mit Vocoder-Spielereien sowie einer kitschigen E-Gitarre im Refrain, die gerade aufgrund ihrer Deplatziertheit im sonst so technoid wabernden Instrumental irgendwie schlüssig und logisch wirkt. Wahnsinn mit Methode sozusagen. Und der Track mit preußischem Akzent kommt schon noch.
Lil’ Wayne – “Lollipop” (Video)
(flo)
