Review: Pete Rock – “NY’s Finest”

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Ich habe endlich das neue Pete Rock-Album “NY’s Finest” geschickt bekommen und nehme das gleich als Anlass für eine Review. Pete Rock ist unbestritten eine Legende, war an Klassikern wie Nas’ “Illmatic” beteiligt und hat den New Yorker Sound Mitte der Neunziger entscheidend geprägt. Aber was ist das heute wert? Betrachtet man die illustre Gästeliste, so wird tatsächlich deutlich, dass Pete immer noch einen hervorragenden Ruf genießt.

Los geht’s gleich mit Jim Jones und Max B., die auf einem frühlingshaften Beat vor sich hinrollen. Styles P. und Sheek Louch erledigen ihren Job ganz ordentlich, aber dann setzt Royal Flush unterstützt von der fettesten Baseline des Albums ein großes Ausrufezeichen hinter seinen Namen.

Auch im weiteren Verlauf des Albums merkt man “NY’s Finest” Petes exzellente Gästeauswahl an, besonders die Lords of the Underground wissen zu überzeugen. Raekwon und Masta Killa schicken den Hörer auf eine Reise in die “PJ’s” und der grandiose Papoose schließt auf einem Pianobeat, der wie gemacht für ihn scheint, ein sehr gutes Album ab. Sollte Pete Rock je weg gewesen sein, so ist er jetzt wieder da, und zwar mit einem Album, das mit seinen sehr souligen, sehr musikalischen Produktionen den Big Apple auf die Landkarte zurückbeamt. Truly N.Y’s Finest, oder wie man auf Jamaica sagen würde: “Booooombaaaaclaaaat!”

9/10

(Martin)

Team Invasion

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“Go buy the game, steal a car and listen to me while you tear shit up.” DJ Green Lantern möchte man glatt eine Karriere im Werbebusiness empfehlen, so kurz und dennoch prägnant weiß er seine Produkte zu bewerben. The Evil Genius wird es nun Kollegen wie Sean Price, Royce Da 5’9” oder Agallah gleich tun und den Radiosendern des vierten Teils des Actionkrachers “Grand Theft Auto” exklusives Material beisteuern – nur mit dem Unterschied, dass der New Yorker einen kompletten Sender für seine Produktionen bekommt. Als kleiner Appetizer ist nun der Track “I’m So Fly” aufgetaucht, der mit den Herren Akon, Fabolous und Fat Joe eine eher minder überraschende Gästeliste auffährt. Diese Kombination ist tatsächlich auch ähnlich inspiriert, wie sie sich anhört, aber immerhin schafft es Akon, im Refrain nicht zu nerven. Gerettet wird der Song allerdings durch das Instrumental, denn mit den sommerlichen Synthies und den knackigen Live-Drums schafft es Green Lantern, dem Braggen und Boasten der restlichen Protagonisten eine perfekte Unterlage zu bieten. Definitiv etwas, wozu ich in irgendwelchen europäischen Sportwagen cruisen könnte, und wenn sie nur virtuell sind.

DJ Green Lantern feat. Akon, Fabolous, Fat Joe – “I’m So Fly”

Dass das letzte Album des Wu-Tang Clan unverschämter Müll war, dürfte sich mittlerweile hinreichend herumgesprochen haben. Als eine Art Schadensbegrenzung hat man sich auf Shaolin Island nun dazu entschieden, den unbestritten stärksten Track aus “8 Diagrams” als Single auszukoppeln. “The Heart Gently Weeps” featured die “Priestess of HipHop” Erykah Badu und verwandelt “My Guitar Gently Weeps” von den Beatles in einen schiefen Soul-Schmachtfetzen der Extraklasse, auf dem Raekwon, Ghostface Killah und Method Man ihre patentiert dreckigen Drogendinger darlegen. Das Video featured mit dem RZA und dem GZA sogar zwei Mitglieder des zerstrittenen Clans live und in Farbe, was im Vergleich zum letzten Video “Take It Back” (siehe hier) einer Steigerung um unendlich viel Prozent entspricht. Trotz aller Begeisterung: Irgendwie ist es schon bezeichnend, dass Ghostface auf einem Mixtape-Track mit demselben Sample (“My Guitar”) mehr gerissen hat als alle drei Protagonisten auf der Album-Version zusammen.

Wu-Tang Clan feat. Erykah Badu – “The Heart Gently Weeps” (Video)

(flo)

Love In Love Out

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Verständlicherweise haben die meisten Paare nach einer Trennung bessere Dinge zu tun, als gemeinsam ein Album aufzunehmen. Maeckes & Celina jedoch stellen “Kunst Über Vernunft” und arbeiten auf LP-Länge die Ursachen ihrer gescheiterten Beziehung auf. Das Album ist bereits seit Freitag draußen, jedoch wird es kein Video dazu geben – dennoch sind zwei Tracks daraus im Internet aufgetaucht, die einen sehr guten Eindruck vom Album vermitteln. Sowohl der Titeltrack als auch “Schade Arschloch” gehen dort hin, wo es weh tut: “Und ja ich mag dich, wir hätten beide glücklich werden können bis zum Tag X, schade dass du so ein Arschloch bist.” So einen Seelenstriptease wird der ein oder andere zu anstrengend finden, Maeckes’ Produktionen sind außerdem sehr sperrig geraten. Aber nach einer gescheiterten Beziehung ist eben überhaupt nichts einfach, und irgendwo zwischen den Stolperdrums, den Piano-Loops und den melodiösen Flächen gehen die Produktionen von “Kunst über Vernunft” und “Schade Arschloch” von Beginn an unter die Haut. Unzweifelhaft haben die Berliner R&B-Prinzessin und der Stuttgarter Chimperator-Rapper also eines der bislang interessantesten Projekte des Jahres in der Pipeline. Und wenn deutsche Radiostationen nicht nur Scheiße im Kopf hätten, würden sie sogar ein, zwei Tracks daraus spielen.

Maeckes & Celina – “Schade Arschloch”

Maeckes & Celina – “Kunst Über Vernunft”

“I really missed you, each and every night I kissed you / In my dreams, ‘fore I went to sleep, to La-La land to count them sheep.” Lupe Fiasco war schon immer bekannt dafür, gewisse Sachverhalte anders auszudrücken als es your favorite Straßenrapper tun würde. Vor allem in Amerika wurde sein aktuelles Album “The Cool” daher zur Zielscheibe scharfer Kritik. Auf einen Song konnten sich jedoch alle Schreiberlinge irgendwie einigen, da ist es nur naheliegend, genau diesen Track dann auch als Single zu releasen. In “Paris, Tokyo” gibt Lupe den weit gereisten Mann von Welt, der seine daheim wartende Traumfrau immer wieder vertrösten muss. Das Ganze geschieht auf einem sehr laid back angelegten, verspielten Instrumental, was den Song zu einer richtig netten Pop-Nummer macht – viel mehr allerdings auch nicht, weswegen mich die Gütesiegel der Kollegen aus Übersee angesichts weitaus ambitionierterer Bomben auf “The Cool” etwas verwundern. Wie es so um die Geographie-Kenntnisse des 25-Jährigen bestellt ist, ist ebenfalls nicht überliefert. Ich stell es mir jedenfalls etwas schwierig vor, die Route Chicago- Paris – Ägypten – Tokio mit dem Zug zu absolvieren, wie es im Video geschieht. Aber was weiß ich schon.

Lupe Fiasco – “Paris, Tokyo” (Video)

(flo)

Show Me What You Got

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Dieses Metal-Album wird natürlich nie erscheinen, genau so wenig wie das Kollabo-Album mit Jonesmann. Dennoch gehört Olli Banjo zweifelsohne zu den kreativsten MC’s Deutschlands und paart diese Eigenschaft mit einem gehörigen Output. Für den 25. April steht nun Teil 3 der erfolgreichen “Sparring”-Reihe an, auf welchem der gebürtige Heidelberger sich wieder mit Veteranen (Curse, Tone, Lisi) wie Newcomern (K.I.Z., Marteria, Huss & Hodn) HipHop-Deutschlands messen wird. Für die erste Single “Denkmal” hat sich der 31-Jährige die Hilfe von Kool Savas, Caput, Moe Mitchell und Melbeatz gesichert, was dem Song musikalisch zwar den klassischen Optik Records-Einheitsbrei überstülpt, aber lyrisch den erwarteten Sureshot aus ihm macht. Tatsächlich überbieten Banjo und Savas sich gegenseitig so beharrlich mit abrupten Flow-Wechseln, als hätten sie gerade die Green Card für Weezyiana beantragt. Oder um es mit KKS persönlich zu sagen: “Was sagt er da nur?” Dagegen wirkt Caputs Suche nach der Einfachheit direkt beruhigend. Schließlich zählt es zu den größten Stärken des Berliners, Dinge genau auf den Punkt zu bringen: “Denn wenn ihr Spinner rappt, werd ich abweisend wie Sympatex”. Gewohnt gut gemacht.

Olli Banjo feat. Kool Savas, Caput, Moe Mitchell – “Denkmal” (Video)

The Roots vermitteln in letzter Zeit nicht selten den Eindruck, in Wahrheit so richtig auf dieses ganze Promo-Ding zu scheißen. Die jüngste Episode zum nächsten Album “Rising Down geht so: Zuerst landen zwei Songs vom Album (“Black’s Reconstruction”, “Get Busy”) mitsamt Video im Internet, die erste offizielle Single wiederum heißt allerdings “Birthday Girl” – und ist nicht auf “Rising Down”. Tatsächlich bekommt man den Song nur über iTunes oder als Maxi. In Fanforen und den einschlägigen Blogs wurde der Track schnell als “the worst thing The Roots have ever done” (Village Voice) gegeißelt, was vor allem an Featuregast Patrick Stump liegen dürfte, der in seiner Funktion als Sänger von Fall Out Boy ähnlich beliebt im HipHop-Lager ist wie Luca Toni in einem gewissen Vorort von Madrid. Ich für meinen Teil bin für eine Runde sommerlichen Feel-Good-Pop jedoch immer zu haben, und auch wie Black Thought von einer schwierigen Beziehung zu einem weiblichen 17-jährigen Fan erzählt, ist wirklich rührend. Das Video featured mit der bezaubernden Sasha Grey außerdem einen waschechten Pornostar. Wie soll ich das bitte nicht mögen?

The Roots feat. Patrick Stump – “Birthday Girl” (Video)

(flo)

Politics As Usual

Deutschland, Eastcoast, HipHop No Comments

So richtig positiv fiel mir Alpa Gun erstmals mit einem Killerpart auf Sido‘s “Strassenjunge”-Remix auf, und mit seiner sozialkritischen Single “Ausländer” konnte der Sektenmuzik-Imprint sogar die Top 10 der MTV TRL-Charts klarmachen. Nun widmet der Berliner der gewohnt hysterisch geführten Diskussion rund um kriminelle Ausländer, Immigration und Jugendgewalt eine ganze EP namens “Aufstand auf den billigen Plätzen”, die am zweiten Mai erscheinen soll. Damit ist Alpa zwar ziemlich genau drei Monate zu spät dran, das soll aber nicht den Wert dieses Projekts schmälern. Das erste Video zur EP heißt “Mein Weg” und ist wohl beispielhaft für den Weg, den Alpa einschlagen will: Reflexionen über das Leben des so genannten “abgehängten Prekariats”, ohne erhobenen Zeigefinger, aber gerne mit selbigem in der Wunde. Unterlegt wird das Ganze mit melancholischen Synthie-Instrumentals der heißesten Beatschmieden Berlins, was zwar ein nicht besonders überraschendes Konzept ist, aber trotzdem immer wieder für den ein oder anderen Kopfnicker gut ist. Ab und an bedient sich der Sektenmuziker allerdings eines arg klassenkämpferischen Vokabulars, so dass man fast meinen könnte, den jungen Marx höchstpersönlich vor sich zu haben: “Sie haben uns hier vergessen, doch wir haben uns daran gewöhnt / hoffentlich ist bei denen und deren Kindern alles schön.” Dennoch ist und bleibt “Mein Weg” ein würdiger Vorbote für eine EP, die schon längst jemand hätte machen müssen.

Alpa Gun – “Mein Weg” (Video)

Auch die alten New Yorker Geröllheimer von Smif’n Wessun widmen sich auf ihrer neuen, insgesamt dritten Single aus “The Album” dem politischen Zeitgeschehen. Wer des Englischen nicht mächtig ist, könnte “Who Gonna Save Us” ebenso gut für eine Hymne über grüne Brillen statt eine Abrechnung mit dem Weißen Haus halten, so relaxt flowen hier Tek und Steele über Tommy Tee‘s minimalistisches Instrumental. Lyrisch werden hier zwar nicht die allerneuesten Erkenntnisse verbreitet, aber für einen soliden Crashkurs zum Thema “Die politischen Verfehlungen George W. Bushs” taugt’s allemal – und es soll ja immer noch Leute geben, denen solch wichtige Fakten nicht bekannt sind. Immer noch dringend nötig also, solche Songs, aber wenn man ehrlich ist, ist “Who Gonna Save Us” auch ein kleines bisschen langweilig, was vor allem an der anachronistischen Produktion liegt. Bemerkenswert ist allerdings Steele’s Shoutout an Barack Obama und sein Bekunden, ihn notfalls mit Waffengewalt zu beschützen, denn das ruft in Erinnerung, dass so etwas erschreckenderweise wirklich nötig sein dürfte.

Smif’n Wessun – “Who Gonna Save Us” (Video)

(flo)

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