Rappin’ Is My Hobby

Deutschland, Eastcoast, HipHop No Comments

Er ist ja im Moment echt unbeliebt, der RZA. Aber alle Indizien sprechen nun mal gegen ihn, denn vieles deutet darauf hin, dass Robert Digges der Hauptverantwortliche für das jüngste Wu-Tang-Disaster namens “8 Diagrams” ist; dass er in letzter Sekunde kurz vorm Mastern ohne Rücksprache Beats abgeändert haben soll, haben ihm die restlichen Klan-Mitglieder verständlicherweise übel genommen. In der Gestalt seines Alter Egos Bobby Digital ist RZA’s Ruf allerdings noch weitestgehend unangetastet. “Bobby Digital In Stereo” und “Digital Bullet” waren beide respektable Erfolge, die auch heute noch in irgendwelchen All-Time-Greatest-Top Ten die ein oder andere Erwähnung finden. Für den 24. Juni steht nun der dritte Solowurf namens “Digi Snax” an, und eine erste Single gibt’s auch schon – “You Can’t Stop Me Now” ist ein laaaangsamer, schiefer Soul-Fetzen, der “Message From A Black Man” von The Spinners featured. Klingt also schon mal nach einer super Sache. Lyrisch geht es um Frauen, Geld, Drogen, Alkohol, Waffen: Die üblichen Bobby Digital-Themen eben. Wie Quasimoto halt, nur ohne Helium.

RZA As Bobby Digital – “You Can’t Stop Me Now” (Video)

OldSchool-Legende Torch beschränkt sich mittlerweile zumeist darauf, als DJ Haitian Star bundesdeutsche Clubs in Schutt und Asche zu legen. Nun gibt es aber tatsächlich wieder ein paar Strophen vom Torchmann zu hören, denn zusammen mit den Kumpanen Toni L, Sick und Manü wird er das simpel betitelte “Heidelberg Mixtape” unter die Leute bringen, das eine Ode an eines der frühesten Epizentren deutschen HipHops darstellen soll. Ein Video gibt es auch, und zwar zu dem Song “Wunderschön”, und an dieser Stelle müssen wir gleich eine kleine Einschränkung vornehmen: “Rap” ist das Ganze nämlich nur so halb. Denn der Torchmann geht die ganze Sache äußerst gemütlich an und ist auch nicht unbedingt auf der Suche nach dem allerfreshesten Doppelreim: “Ich geh hinaus und atme tief ein / Diese Stadt inspiriert einen”. Wenn dann wenig später auch noch Goethe, Schiller und Heine geshoutet werden, weiß man, dass die massenkonformen Veranstaltungen heute woanders statt finden. Beatwise wird hier natürlich nichts falsch gemacht, Masta Ace‘s “Beautiful” ist und bleibt nun mal einer der besten Rapsongs aller Zeiten. Ansonsten bleibt Skepsis. Andererseits ist mir ja schon glaubhaft versichert worden, dass Spoken Word das nächste große Ding sein soll. Aber das glaub ich erst, wenn Bushido einen Gedichtband herausbringt.

Torch – “Wunderschön” (Video)

(flo)

Keys Open Doors

Dirty South, HipHop No Comments

Aus einer vertrauenswürdigen Quelle weiß ich, dass Washington D.C. gemeinhin als eine der langweiligsten Großstädte der USA gesehen wird. Auch musikalisch hat man seit Marvin Gaye nicht mehr viel aus der Hauptstadt gehört – wie groß ist also die Chance, dass einer der interessantesten Newcomer des Jahres ausgerechnet aus dem District kommt? Auftritt Wale. Die gewohnt unaufgeregte Musikpresse hat in dem 23-Jährigen bereits das nächste große Ding entdeckt und stellt ihn schon wie selbstverständlich in eine Reihe mit Kanye West und Lupe Fiasco. Wale selbst jedoch betrachtet sich in erster Linie mal als Wale und macht weiter Musik – die ihm von Amy Winehouse über Jay-Z bis hin zu ?uestlove und Lil’ Wayne eine Menge Fans und noch mehr Features eingebracht hat. Nach einem ordentlichen Internet-Hype ist Olubowale Folarin über Amy’s Produzent Mark Ronson auch über einen Major-Deal bei Interscope Records heran gekommen, das dieses Jahr sein viel erwartetes Debütalbum releasen wird. Zunächst steht allerdings das “Mixtape About Nothing” an, das ab dem 30. Mai über www.elitaste.com kostenlos zu beziehen sein wird. Dieses enthält laut Wale zwar eigentlich nur Ausschuß aus der Albumproduktion, den bereits geleakten Tracks nach zu urteilen, ist es aber durchaus ein Reinhören wert. Sowohl “The Hacksaw Jim Duggan” (feat. Skyzoo) als auch “The Crazy” zeigen auf, wie wahnsinnig gut Wale dieser Spagat zwischen beinahe kindlichem Spaß an der Sache und gesunder Arroganz gelingt. Als kleinen Bonus gibt es hier nochmal seinen Remix von Justice‘s Hitsingle “D.A.N.C.E.”, der ebenfalls eine sehr unterhaltsame Angelegenheit ist. Also auch für Leute, die nicht wie ich die allerhärtesten Groupies französischer Elektrobands sind.

Wale feat. Skyzoo – “The Hacksaw Jim Duggan”

Wale – “The Crazy”

Wale – W.A.L.E.D.A.N.C.E. (Video)

Auch Rick Ross hat weiterhin sein Ding am Laufen, wie es so schön heißt, und steckt nach dem zufriedenstellenden Erfolg seines Albums “Trilla” bereits mitten in den Aufnahmen zum Nachfolger “Deeper Than Rap”, der noch dieses Jahr erscheinen soll. Mit “Get Down” ist nun sogar schon ein Track von der Platte im Internet geleakt, auf dem sich Raus die Hilfe von Pharrell gesichert hat. In dem Song zählt Ross all seine Besitztümer auf, um die Dame seines Herzens für sich zu gewinnen – man kann über den Mann sagen, was man will, aber er weiß nun mal, wie’s geht. Wer den Ricky nicht erst seit gestern kennt, der weiß natürlich, dass Überraschungen hier eher nicht zu erwarten sind, aber genau dafür gibt es ja Typen wie Pharrell, die noch einen unterhaltsamen und interessanten Song daraus machen. Und spaßig ist es ohnehin immer, dem alten Rauschebart zuzuhören.

Rick Ross feat. Pharrell – “Get Down”

(flo)

Electric Relaxation

HipHop No Comments

Glaubt man Kanye West, dann ist Common recht wählerisch, was das Picken von Beats angeht – einige Instrumentals haben es nur deswegen auf West’s Soloalben geschafft, weil sein Partner in Crime aus Chi-City sie nicht haben wollte. Dieser Konservatismus des Lonnie Lynn dürfte sicherlich auch mit der lauwarmen Rezeption seines 2002er-Albums “Electric Circus” zusammenhängen, denn während die beiden klassizistischen Nachfolgerwerke “Be” und “Finding Forever” gemeinhin als Klassiker gelten, musste Common für seine experimentellen Gehversuche mit elektronischen Einflüssen eine Menge Kritik einstecken. Aber ein gebranntes Kind ist der 36-Jährige deswegen mitnichten, denn sein nächstes, im Juli erscheinendes Album “Invincible Summer” soll genau den Erfolg einfahren, der “Electric Circus” verwehrt blieb. Das Album wird komplett produziert von den Neptunes und Mr. DJ, Kanye West war wegen seiner “Glow In The Dark”-Tour ohnehin nicht verfügbar. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit heißt “Universal Mind Control (U.M.C.)” und ist seit Kurzem im Netz zu hören. Der Track featured Pharrell und ist eine spaßige Reminiszenz an Künstler wie Arabian Prince oder Afrika Bambaataa, die bereits in den 1980er Jahren an der Schnittstelle zwischen HipHop und Elektro experimentiert haben. Lyrisch ist der Track für Common’s Verhältnisse ungewohnt nichtssagend, aber meine Erwartungen sind ohnehin immer völlig überzogen, Fanboy, der ich bin. Der Mann muss ja nicht mit jedem Track gleich einen kompletten Roman vorlegen.

Common feat. Pharrell – “Universal Mind Control (U.M.C.)”

(flo)

Believe The Hype

Eastcoast, HipHop No Comments

Die Mühlen der Musikindustrie arbeiten ja bisweilen etwas langsam. Kaum jemand hat das so sehr zu spüren bekommen wie Saigon. Der mittlerweile 30-Jährige wurde bereits wiederholt als das nächste große Ding aus dem Big Apple gerühmt und gilt gemeinhin als der einzige Rapper, der das einstige HipHop-Mekka New York zurück auf die Landkarte bringen kann. Solche Lobpreisungen sind spätestens seit der Erfindung des Internets natürlich allgegenwärtig, der Unterschied bei Sai-Giddi ist nur: Der Hype ist von vorne bis hinten gerechtfertigt. Egal, ob bezogen auf Flow, Inhalte, Ideen, Stimme, Intensität – hier haben wir definitiv eines der krassesten Talente der letzten zehn Jahre vor uns. Es hat schon seinen Grund, warum Saigon von Q-Tip als einer der “five best rappers of all time” bezeichnet wurde, und das nur auf der Basis mehr oder weniger offizieller Mixtape-Releases. Und genau das ist das Problem: Der Typ hat immer noch kein Album! Das Debütwerk mit dem Namen “The Greatest Story Never Told” avancierte aufgrund so undurchsichtiger wie zahlreicher Streitereien mit dem Label Atlantic Records bereits zu einem der größten Treppenwitze der HipHop-Geschichte. Nun jedoch hat Saigon es geschafft, aus seinem Vertrag mit Atlantic auszusteigen und dabei die Rechte an den Master-Bändern zu behalten, so dass das Album bald erscheinen könne, berichtet Beatbastler und Executive Producer Just Blaze in seinem Blog. Als kleines Geschenk ließ dieser auch noch gleich die Bombe aus dem Sack und leakte die nach offizieller Zählung zweite Single “Believe It”. Der Track ist all das, wofür das Duo Carenard/Smith so gehyped wird: Niemand paart Wut und Intensität dermaßen beeindruckend mit lyrischer Finesse wie Saigon. Und Just Blaze baut immer noch bessere Beats als der Rest der Welt. “They’d rather me pretend to be something I’m not / I’m the new Public Enemy, I’m different than Yung Joc”. All good.

Saigon feat. Red 5ive- “Believe It”

(flo)

Still Got Love

Eastcoast, HipHop, R'n'B No Comments

Wenn er sich nicht gerade der Liebe in diesem Club hingibt oder lustige bunte Substanzen aus dem diamantenbesetzten Kelch von Lil’ Jon schlürft, widmet sich Usher bekanntlich recht gerne der Schauspielerei. Nun steht mit dem am Dienstag erscheinenden Album “Here I Stand” aber tatsächlich wieder Musik an: Die bereits erwähnte Comebacksingle “Love In This Club” war zwar so ungefähr das Gegenteil eines guten Songs, konnte sich aber in den US Billboard Charts Platz 1 sichern. Ähnliches gilt für den ebenfalls als Single ausgekoppelten “Part II” und die designierte dritte Single “Moving Mountains”. Kürzlich ist jedoch ein Track im Netz aufgetaucht, der auch gewohnheitsmäßige Meckerziegen wie mich besänftigt: “Best Thing” featured den God MC, him, Jay Hova – und mit einem Jay-Z-Feature kann nun mal wenig schief gehen. So einfach ist das Business manchmal. Auch Jermaine Dupri bestätigt seine aufsteigende Form und lässt ein sommerliches Synthie-Instrumental heraus, das trotzdem ein starkes Live-Feeling hat und mich sehr an Curtis Mayfield erinnert. Aber auch hier gilt wieder: Das ist ein Kompliment. Usher? Ja, der macht natürlich auch mit. Aber ganz ehrlich: So pointiert, wie der frisch verheiratete Jigga im Intro und in der ersten Strophe voller Altersweisheit seine Sicht der Dinge bezüglich der Liebe darlegt, kann man nach 44 Sekunden eigentlich schon wieder ausmachen. Denn dann ist einfach alles gesagt. “Seeds become plants, boys become men. What you’re gonna do? Let’s lead the way.” Yessir.

Usher feat. Jay-Z – “Best Thing”

Was ist eigentlich mit diesen weiblichen Rappern los? Jean Grae tritt aus irgendeinem nichtigen Grund zurück (als ob sie die einzige wäre, die keine Platten mehr verkauft), Remy Ma heiratet Papoose fährt in den Knast ein, Charli Baltimore ist irgendwo, bloß nicht im Studio, und bei Foxxy und Kimmy will ich gar nicht erst anfangen. Erstere beglückt uns jetzt wenigstens mit einem neuen Video, das ich zwar nicht verstanden habe, aber einen großen Song mitliefert: “Love Thirst” aus dem neuem Album “Jeanius” gehört lyrisch zum Besten, was Jean Grae in ihrer Karriere abgeliefert hat – und das, obwohl sie eigentlich nur irgendwelche sexuellen Fantasien zum Besten gibt. Aber wo männliche Berufskollegen das Ding einfach nur beim Namen nennen, geht die 31-Jährige die Sache aus einer völlig anderen Perspektive an und schafft so einen sehr poetischen Song, untermalt von einem souligen, verträumten Beat mit ordentlich Wumms aus dem Chemielabor von 9th Wonder. Wo bleibt der Rücktritt vom Rücktritt?

Jean Grae – “Love Thirst” (Video)

(flo)

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