Thug Motivation
Mai 8, 2008 Dirty South, HipHop, R'n'B, Soul & Funk No Comments
In Interviews betont Young Jeezy bekanntlich recht gerne, dass es ihm in seinen Texten um die Message geht. Um Inspiration und Motivation für den Zuhörer, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen. Warum der Großteil seiner Songs jedoch von Drogen, Luxus-Autos und teurem Schmuck handelt? Keine Ahnung. Wer den Trappertoni aber kennt, der weiß, dass dieser solch paradoxe Sachverhalte mit einem nonchalanten, langgezogenen “Yeah” geschickt beiseite zu wischen weiß – zumal trotz allem verdammt unterhaltsame Musik dabei rum kommt. Sein im September erscheinendes drittes Majoralbum “I Am Trap” wird daran voraussichtlich nicht viel ändern, zumindest wenn man die erste offizielle Single “Put On” als Maßstab heranzieht. Der Track featured Kanye West, von dem Jeezy ja zuletzt zum bloßen Adlib-Lieferanten degradiert wurde und der als Vocoder-vergewaltigender Blues-Sänger auch eine überraschend gute Figur macht. Jeezy wird währenddessen nicht müde, sich auf eine beinahe schon karikative Art selbst zu inszenieren: “Send them pussy niggas runnin straight back to the dealership / Me I’m in my spaceship, that’s right I work for NASA.” Das Ganze weiß also durchaus zu unterhalten, und auch der Beat von Drumma Boy kann punkten, auch wenn der letzenendes nur auf Ideen beruht, die sogar den Runners und Cool & Dre bereits zu durchgenudelt sind. Und das will was heißen. Aber worin besteht jetzt die Message? Da sollten wir am Besten noch einmal Jeezy höchstselbst zitieren: “They know I got that broccoli, so I keep that glock with me”. Noch Fragen?
Young Jeezy feat. Kanye West – “Put On”
Dass Jive Records gerne mal Platten wahllos nach hinten verschiebt, weiß man spätestens seit Clipse‘s Meisterwerk “Hell Hath No Fury”. Auch R&B-Wunderknabe Raheem DeVaughn wüsste in dieser Hinsicht wohl einige Episoden zu erzählen. Der Songwriter aus Maryland schaffte es dennoch,mit seinem aktuellen Album “Love Behind The Melody” durch geschickte Eigenvermarktung auf Platz 1 der R&B/Soul-Billboard-Charts zu landen. Den ehrwürdigen Damen und Herren von Jive ist nun anscheinend schön langsam aufgefallen, was sie da eigentlich für ein Pferd im Stall haben, und spendierten dem sehr guten, drumlastigen, aber dennoch balladesken “Try Again” ein Video.
Auch die bezaubernde Algebra erteilte Lehrstunden im Fach “Selbstständige Promotion” und ließ die nächste Single ihres unterschätzten Debütalbums “Purpose” von ihren Fans im Internet bestimmen. Und die Wähler bewiesen Geschmack: “Run And Hide” ist ein guter Song mit Ohrwurmpotenzial und einem vertrackten Streichersample, verpackt im Gewand der Neunziger, jedoch beileibe nicht anachronistisch. Der junge Mann im Video mit der T-Shirt-Aufschrift “I Love Algebra” (guter Geschenktipp für die nächste nerdige Geburtstagsfete übrigens) ist also definitiv zu recht verliebt.
Raheem DeVaughn – “Try Again” (Video)
Algebra – “Run And Hide” (Video)
(flo)
