Still Got Love

Eastcoast, HipHop, R'n'B No Comments

Wenn er sich nicht gerade der Liebe in diesem Club hingibt oder lustige bunte Substanzen aus dem diamantenbesetzten Kelch von Lil’ Jon schlürft, widmet sich Usher bekanntlich recht gerne der Schauspielerei. Nun steht mit dem am Dienstag erscheinenden Album “Here I Stand” aber tatsächlich wieder Musik an: Die bereits erwähnte Comebacksingle “Love In This Club” war zwar so ungefähr das Gegenteil eines guten Songs, konnte sich aber in den US Billboard Charts Platz 1 sichern. Ähnliches gilt für den ebenfalls als Single ausgekoppelten “Part II” und die designierte dritte Single “Moving Mountains”. Kürzlich ist jedoch ein Track im Netz aufgetaucht, der auch gewohnheitsmäßige Meckerziegen wie mich besänftigt: “Best Thing” featured den God MC, him, Jay Hova – und mit einem Jay-Z-Feature kann nun mal wenig schief gehen. So einfach ist das Business manchmal. Auch Jermaine Dupri bestätigt seine aufsteigende Form und lässt ein sommerliches Synthie-Instrumental heraus, das trotzdem ein starkes Live-Feeling hat und mich sehr an Curtis Mayfield erinnert. Aber auch hier gilt wieder: Das ist ein Kompliment. Usher? Ja, der macht natürlich auch mit. Aber ganz ehrlich: So pointiert, wie der frisch verheiratete Jigga im Intro und in der ersten Strophe voller Altersweisheit seine Sicht der Dinge bezüglich der Liebe darlegt, kann man nach 44 Sekunden eigentlich schon wieder ausmachen. Denn dann ist einfach alles gesagt. “Seeds become plants, boys become men. What you’re gonna do? Let’s lead the way.” Yessir.

Usher feat. Jay-Z – “Best Thing”

Was ist eigentlich mit diesen weiblichen Rappern los? Jean Grae tritt aus irgendeinem nichtigen Grund zurück (als ob sie die einzige wäre, die keine Platten mehr verkauft), Remy Ma heiratet Papoose fährt in den Knast ein, Charli Baltimore ist irgendwo, bloß nicht im Studio, und bei Foxxy und Kimmy will ich gar nicht erst anfangen. Erstere beglückt uns jetzt wenigstens mit einem neuen Video, das ich zwar nicht verstanden habe, aber einen großen Song mitliefert: “Love Thirst” aus dem neuem Album “Jeanius” gehört lyrisch zum Besten, was Jean Grae in ihrer Karriere abgeliefert hat – und das, obwohl sie eigentlich nur irgendwelche sexuellen Fantasien zum Besten gibt. Aber wo männliche Berufskollegen das Ding einfach nur beim Namen nennen, geht die 31-Jährige die Sache aus einer völlig anderen Perspektive an und schafft so einen sehr poetischen Song, untermalt von einem souligen, verträumten Beat mit ordentlich Wumms aus dem Chemielabor von 9th Wonder. Wo bleibt der Rücktritt vom Rücktritt?

Jean Grae – “Love Thirst” (Video)

(flo)