Like A Boss

Deutschland, HipHop, Sonstiges No Comments

Endlich hat’s mal jemand erkannt: La Martina-Trenchcoats, Leopardenfellteppiche und Entenbrust mit French Dressing sind voll super. Ob das Kollegah wirklich so meint oder ob das alles nur ein unbedeutender Teil seiner wie gewohnt wahnsinnigen Punchline-Abfahrt ist, weiß natürlich niemand so genau. Seit heute nämlich ist das neue Video des Mainzers namens “Big Boss” draußen, das den Vorboten für das am 29. August erscheinende Album “Kollegah” darstellen soll. Der 24-Jährige gibt sich darin keine besondere Mühe, sich neu zu definieren, denn während man noch das Paradoxon verarbeiten möchte, dass ausgerechnet derjenige deutsche Rapper mit dem größten Milchbubigesicht sich als Pimp-Schrägstrich-Drogenpate inszeniert, hat man bereits das erste Dutzend Punchlines und kunstvolle Beleidigungen verpasst: “Die Zähne deiner graubärtigen, Bierflaschen / ausleerenden Hartz IV Atzen / ähneln nach ein paar Faustschlägen Klaviertasten.” Wie gewohnt ist der Beat auch bemüht böse und der Refrain schwer scheiße, aber Kollegah’s wahnwitzige Punchlines und technisch versierte Flow-Wechsel lassen den Hörer – wie gewohnt – darüber hinweg sehen. Einen hab ich noch: “Und du sagst, du machst konsequent Muskeltraining? / Warum ist dann ihre Konsistenz Pudding-ähnlich?”

Kollegah – “Big Boss” (Video)


Wem das alles zu heavy ist, für den bleiben noch Consequence und GLC, die Straßen-Backpack-Rapper von Kanye West‘s Label G.O.O.D. Music. Ersterer hat zwar noch für 2008 ein neues Album anstehen, aber dennoch gibt erst mal es ein weiteres neues Video zum 2007er-Album “Don’t Quit You Day Job!”. Die Wahl fiel hierbei auf “Disperse”, auf dem neben Gangsta L. Crisis noch der Labelkolleger Really Doe einen Gastauftritt hat. Die Nummer ist somit zwar ein recht alter Hut, aber dennoch schwer in Ordnung. Auf einem souligen, zurückhaltenden Instrumental mit ordentlich harten Claps berichten die drei Protagonisten über Liebschaften, die sie aus den unterschiedlichen Gründen auflösen mussten: “What made me say to myself, I need to drop this chick off / ‘Fore the police at the door and they locking me off / Cause you know she’s testifying like a Christian in church / So I ain’t have no other choice but tell the chick disperse”. Solides iPod-Futter.

Consequence feat. GLC & Really Doe – “Disperse” (Video)

Last but not least: Rest in Peace Optik Records.

(flo)

Real Playalistic

HipHop, Sonstiges, Westcoast No Comments

’70er Jahre-Disco-Outfit? Check. Cowboymontur? Check. Dagegen wirkt der Pimp-Anzug, den Snoop Dogg in seinem neuen Video “Those Gurlz” rockt, beinahe schon etwas fantasielos. Der Song an sich erfindet das Rad auch nicht gerade neu, denn “Those Gurlz” ist ein smoother Soulschmeichler, wie ihn Calvin Broadus bereits 2004 im Verbund mit den Neptunes bis zur Perfektion durchdekliniert hat. Auf der lyrischen Seite ist auch eher wenig zu verbuchen, ergeht sich der Doggfather doch beinahe die gesamte Distanz über in der Aneinanderreihung von Haus-Maus-Reimen: “I got a call from this hoe the other day / She say she just move down from the bay / To L.A. / Well that’s great.” Ich dachte immer, genau damit so etwas nicht passiert, gibt es Ghostwriter? Abgesehen von diesen ganz und gar unwesentlichen Dingen ist “Those Gurlz” natürlich trotz allem Vollprofi-Scheiß par excellence und somit brauchbar für jede Schäferstündchen-Playlist. Ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun muss.

Snoop Dogg – “Those Gurlz” (Video)

Wo wir gerade bei chilligen Tunes sind: Mit Avenue To hat Washington D.C. eine weitere interessante Gruppe ausgespuckt. Die Band, bestehend aus dem Stadtgewächs Unknown, dem Franzosen Kolai und dem gebürtigen Sudanesen Oddisee, macht Instrumentalmusik an der Schnittstelle zwischen HipHop, Jazz und Electro – und die Jungs machen ihre Sache richtig gut. Checkt zum Beispiel ihr neues (und erstes) Video “Sand To The Beach”, in dem die drei einen treibenden HipHop-Groove immer wieder so variieren, dass es nie langweilig wird. Auf der MySpace-Page des Trios gibt es noch zwei weitere Songs zu hören. Weltmusik im besten Sinne.

Avenue To @ MySpace

Avenue To – “Sand To The Beach” (Video)

(flo)

Life Aid

HipHop, Westcoast No Comments

So ein bisschen Sommerloch haben wir momentan ja schon im lustigen HipHop-Musikantenstadl. Die ganze Aufregung um Nas war letztenendes doch nur heiße Luft um nichts, “T.O.S.” ist so schlecht geworden, wie es sich alle G-G-G-G-G-Unot-Fundamentalisten gewünscht haben, und das Lil’ Wayne-Album hielt den Erwartungen stand, ist aber auch schon wieder einige Wochen her. Wenigstens The Game gibt es noch, denn Jayceon Taylor ist immer für aberwitzige Geschichten gut – aber eben auch für gute Songs. Das kürzlich geleakte “My Life” aus dem kommenden Album “L.A.X.” ist wieder so einer und bietet ehrliche Einblicke in das Befinden des 28-Jährigen: “Take me away from the hood like a state penitentiary / Take me away from the hood in the casket or a Bentley / Take me away like I overdose from cocaine / Take me away like a bullet from Kurt Cobain”. Selten war so deutlich, dass wir es längst nicht mehr mit dem krassen Rapfan mit dem noch krasseren Talent und Hunger zu tun haben, dessen einziges Ziel es war, Compton auf die Landkarte zurückzubringen, sondern mit einem um einige Erfahrungen reicheren Künstler, auf die er wohl lieber verzichtet hätte. “Walk through the gates of Hell, see my Impala parked in front.” Der Refrain featured dann noch Lil’ Wayne, der sich diesmal ausschließlich als Bluessänger mit Vocoder-Support betätigt – und seinen Job überraschend gut macht. Rappen? Pfff, das ist sowas von frühe Neunziger!

Als Super Special Happy Bonus Feature gibt es hier noch das offizielle Video zum stetig wachsenden “Dope Boys” mit Ex-Blink 182-Drummer Travis Barker. Aber ganz ehrlich, ich finde die inoffizielle Version so lustig, dass ich mir die neue noch nicht mal angeschaut habe.

The Game feat. Lil’ Wayne – “My Life”

The Game feat. Travis Barker – “Dope Boys” (Official Video)

(flo)

Window Shopper

Deutschland, HipHop, R'n'B No Comments

Heute nur ganz kurz:

Jazmine Sullivan hat zwar immer noch kein Album, aber lebt immerhin noch. Auf der MySpace-Page der 20-Jährigen aus Philadelphia ist bereits seit geraumer Zeit ein Snippet zum Song “Bust Your Windows” zu hören, und jetzt ist der Track endlich in voller Länge im Netz aufgetaucht. Das Verdikt lautet weiterhin: Großartig. Auf einem klassisch bis jazzig angehauchten, zurückhaltenden Instrumental informiert Jazmine ihren imaginären Ex-Lover darüber, dass sie ein wenig Sachbeschädigung an seinem Auto betrieben hat, wegen verletzten Gefühlen und so: “I must admit it helped a little bit / to think of how you feel when you saw it.” Stimmlich agiert Jazmine längst in einer Liga mit den ganz Großen des Geschäfts, so dass die Vergleiche mit Künstlern wie Jill Scott zwangsläufig irgendwann kommen mussten. Nur das mit den zerschmetterten Scheiben ist nicht nett. Aber so sind Frauen eben: Erst Steine werfen, dann Fragen stellen.

Jazmine Sullivan – “Bust Your Windows”

Außerdem super: Die erste Single von Joe Rilla aus seinem neuen Album “Deutschrap Hooligan”. “Fremder Bruder” ist eine düstere und pessimistische Abrechnung mit dem Rapgeschäft sowie sonstigen Mitmenschen und gleichzeitig ziemlich Gerät. Bemerkenswert ist bei dem Ostberliner ja seit jeher, wie er es trotz seiner unüberhörbaren technischen Limitiertheit schafft, eine derart eindringliche Stimmung zu schaffen und was für kluge Aussagen er in seinen ultra-simplen Reimen transportiert: “Hier in meiner Gegend hassen sie dich / denn hier in meiner Gegend hassen sie sich.” Ernsthaft, das ist ungefähr so wie Beats mit Holzlöffeln bauen.

Joe Rilla – “Fremder Bruder” (Video)

(flo)

Just A Memory

Clubsounds, Deutschland, Eastcoast, HipHop No Comments

“Remember that feeling y’all?” Wenn es eine Runde gepflegte Old School-Nostalgie sein soll, dann ist Joell Ortiz der richtige Mann dafür, und das nicht erst seit der von der Kritik hochgelobten Single “Hip Hop”. Viele vergleichbare Künstler, die sich auf das so genannte “Golden Age” (eine These, die ich immer noch für Quatsch halte) beziehen, haben ja das Problem, in all ihrer Retrospektive und Rückwartsgewandtheit den Spaß an der Sache zu vergessen. Das kann man Joell sicher nicht vorwerfen, denn dem New Yorker mit puertorikanischen Wurzeln ist nicht mal die gude Laune vergangen, als sein Ex-Label Interscope die mittlerweile leider branchenübliche Release-Verarsche mit ihm durchgezogen hat. Nun ist der 28-Jährige jedoch “Free Agent” und wird in Kürze ein gleichnamiges Mixtape veröffentlichen, um diesen Fakt gebührend zu feiern. Eine Single dazu gibt’s auch: “Memories” heißt der Song und ist eigentlich alles, was Joell Ortiz ausmacht, komprimiert auf zweieinhalb Minuten: Ein gesunder Old-School-Vibe. Ein organisches Instrumental. Ein hungriger, ideenreicher Rapper. Also, wenn dieser Typ kein Label findet…

Joell Ortiz – “Memories”

Die Jungs von Clipse sind da schon einen Schritt weiter, denn dort ist der Labelwechsel bekanntlich bereits vollzogen. Dementsprechend haben die Schneeschipper aus Virginia auch gut zu tun, denn mit dem dritten (oder vierten, je nach Zählung) Studio-Album sowie mit der am fünften August erscheinenden Re-Up Gang-Platte haben Pusha T und Malice gleich zwei vielversprechende Projekte in der Pipeline. Aus letzterem ist nun ein weiterer neuer Track aufgetaucht, und im Gegensatz zu den vorher geleakten Songs ist “Money” der ersehnte große Wurf geworden. Denn wie die Thornton-Brüder den brachialen, mit europäischen Electro-Elementen angereicherten Beat punktgenau auseinandernehmen, ist wieder einmal großer Sport. Ahja, Ab-Liva und Sandman machen natürlich auch mit.

Ansonsten sind die beiden Brüder auch noch im neuen Video von Kardinal Offishall zu sehen, auf dessen Single “Set It Off” aus dem am neunten September erscheinenden Album “Not 4 Sale” Pusha T und Malice ebenfalls zwei Verses platzieren konnten. Der Beat ist vom scheintoten Dr. Dre (dass ich das nochmal erleben darf) und klingt daher nicht umsonst wie “This Is How We Do It Over Here” vom letzten Busta Rhymes-Album, nur besser. Eine ziemlich offensichtliche, aber unterhaltsame Club-Bombe also.

Clipse Pres. Re-Up Gang – “Money”

Kardinal Offishall feat. Clipse – “Set It Off” (Video)

Wer noch händeringend einen deutschsprachigen Sommerhit für diese Saison sucht, der dürfte abermals in Berlin fündig werden. Diesmal werden jedoch keine Hamma geschwungen oder Dinger gedreht, stattdessen besingt David Battle, seines Zeichens eine Hälfte des Duos Battle Rapp, die Vorzüge von Gras, Becks und Zärtlichkeit. “Ein heißer Tag” besticht dabei durch technische Versiertheit, unaufgesetztes Sommer-Feeling und circa-Ende-der-70er-Bläser im Refrain. Das Soloalbum “Absolute Niceness” droppt im August.

David Battle – “Ein heißer Tag”

(flo)

« Previous Entries