Too Many Felonies

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Zuvor “Fremd im eigenen Land”, und nun “Südberlin Maskulin”. Schon bei seinem letzten Solo-Album ist Fler mit der Wahl seines Albumtitels auf herbe Kritik gestoßen, nachdem er ihn ausgerechnet von Advanced Chemistry ausborgte und den Kontext auch noch um 180 Grad wendete. Für sein nächstes, im August anstehendes Projekt hat Fler nun auch seinen eigenen Namen geändert, denn für sein neues Kollabo-Projekt zusammen mit Godsilla wird der 26-Jährige wieder als Frank White firmieren – ein Pseudonym, dass er als letztes auf “Carlo, Cokxxx, Nutten” mit Bushido verwendete (und ebenso geklaut ist, diesmal von Notorious B.I.G.). Verwirrend? Stimmt, aber es wird noch besser: “Südberlin Maskulin” ist nämlich eine Anlehnung an Westberlin Maskulin, die legendäre Berliner Rap-Formation, die aus Kool Savas und Taktlo$$ bestand und die um die Jahrtausendwende den Grundstein für das Genre des Berliner Battle-Rap legte. Nun weckt ein solcher Titel natürlich unweigerlich Erwartungshaltungen, die Fler und Silla kaum erfüllen können – auch, weil die beiden aus der mittlerweile recht ausgelutschten Straßenrap-Kiste weder ausbrechen können noch wollen. Die erste Single “Wenn der Beat nicht mehr läuft” zeigt dieses Dilemma deutlich auf: Aus diesem gewohnt böse rollenden Instrumental mit Walküren-Sample könnten Erstliga-Rapper garantiert einiges machen, aber die beiden Protagonisten kommen leider nicht über die Aneinanderreihung bloßer Plattitüden hinaus. “Ich bin wie ich bin und verstell mich nicht / Deutschrap ist eine Nutte und ich schell die Bitch”. Äh ja, super. Speziell Fler hat ja seit einiger Zeit das Problem, nur noch krampfhaft in Doppelreimen zu flexen, im Versuch, somit aufzuzeigen, dass er technisch nicht so sehr limitiert ist, wie es ihm immer wieder vorgeworfen wird. Doch leider werden dadurch viele Zeilen einfach nur holprig und konfus: “Ich hab so oft einfach sinnlos gedisst / und wenn ich nicht mehr disse, merkst du dann wie sinnlos du bist.” Genau fünf Jahre nach “Vom Bordstein bis zur Skyline” scheint deutscher Straßenrap in einer Sackgasse angekommen zu sein. Und Fler und Godsilla sind leider nicht diejenigen, die ihn in eine neue Richtung führen können. Ihr dürft mich jetzt hassen.

Frank White & Godsilla – “Wenn der Beat nicht mehr läuft”

Dann doch lieber Mariah Carey, die bei jedem neuen Video vor dem Problem steht, ein noch kürzeres Outfit auftreiben zu müssen. Nun, für die neue Single “I’ll Be Lovin’ U Long Time” hat das ja gerade nochmal geklappt, aber langsam wird es wirklich eng. Die Outfits sind es schon längst. Die Musik? Äh ja, der Song ist eine nette sommerliche Feel-Good-Nummer, die vor allem durch die für DJ Toomp so typischen Synthie-Flächen und harten Snares hervorsticht. Wo sich der Tomper herumtreibt, da ist T.I. natürlich nicht weit – so ein bisschen Promo kann im Angesicht des kommenden “Paper Trail”-Releases auch nicht schaden. Im Video wirkt der Trapmuziker zwar etwas verloren zwischen all dem Dschungel-Gewächs, aber Clifford Harris ist gewohnt souverän, wenn es darum geht, eine Portion Asphaltgeruch in eine R&B-Nummer einzubringen. Natürlich ist das kein Vergleich zu seinem letzten großen Genre-Ausflug namens “My Love” – aber der Song ist auch nicht zu toppen.

Mariah Carey feat. T.I. – “I’ll Be Lovin’ U Long Time” (Video)

(flo)