Walkin’ Large

Eastcoast, HipHop, R'n'B No Comments

Im HipHop-Altersheim flüstert man sich ja seit längerem, dass all die Legenden, die dieses Jahr mal wieder ein Comeback versuchen, sich in erstaunlich guter Form befinden. Pete Rock hat eines der bislang stärksten Alben des Jahres released, die neue Single von LL Cool J ist auch nicht ganz verkehrt, und sogar die letzte Platte von KRS-One war zumindest besser als alles, was er dieses Jahrzehnt sonst so fabriziert hat. Nun versucht auch Large Professor, seines Zeichens Mitglied und Produzent der legendären New Yorker Old School-Crew Main Source, mal wieder an die begehrten, wenn auch immer kleiner werdenden Fleischtöpfe der Industrie heranzukommen. Der 36-Jährige New Yorker, dem oft die Entdeckung von Nas zugeschrieben wird, wird diesen Sommer sein neues Album “Main Source” releasen – ich nehme an, der Professor hat nur deswegen diesen Titel gewählt, damit ihn niemand versehentlich für einen Newcomer hält. Tatsächlich klingt der erste geleakte Track “The Intro” nämlich frisch und überraschend spaßig. Ein gelooptes Gitarren-Sample, treibende Drums und eine hungrige Performance – hier passt alles.

Large Professor – “The Intro”

Vor einigen Monaten war ich ja noch am Rätselraten, warum die Verantwortlichen bei Def Jam Records plötzlich so einen Müll wie “Take A Bow” als Rihanna-Single auskoppeln, wo doch jeder vorherige Release der 20-Jährigen eine echte Bombe war. Nun hab ich die Antwort: Die hauen jetzt einfach alles als Single raus. “Rehab” wird die sage und schreibe achte Single aus “Good Girl Gone Bad” sein (wenn auch nur UK-exklusiv), und langsam nimmt die ganze Sache ja echt dreiste Züge an. Klar, “Rehab” ist ein guter, radiotauglicher Popsong mit balladeskem Einschlag, auch wenn er leider nichts mit den gleichnamigen Großtaten der Winehouse gemeinsam hat – aber so viele gute Songs waren wirklich nicht auf dem Album, als dass man die jetzt alle als Singe auskoppeln müsste. Aber solange jeder Release Top 20 macht, würde ich genauso handeln. Ich werde einem Kapitalisten bestimmt nicht vorschreiben, wie er seine Arbeit zu machen hat. On that note: Ich würde ja wirklich gerne mal die Menschen kennen lernen, die 50 Euro für acht Rihanna-Maxis ausgeben, anstatt sich einfach für einen Zehner das Album bei Amazon zu holen.

Rihanna – “Rehab”

(flo)