Live: Petey Pablo @ Bali, Eggenfelden (19.07.08)

HipHop, Live No Comments

OK, eines gilt es vorauszuschicken: Ich hatte keine Ahnung. Wirklich nicht. Denn ursprünglich war der letzte Samstag so konzipiert, dass man sich als Neu-Münchner mal wieder in der alten Heimat blicken lässt, ein wenig representet und der alten Zeiten willen in einen dieser Clubs geht, in denen man früher ständig abgehangen ist. Nun muss man zur örtlichen Club-Szene wissen, dass es eigentlich nur zwei erträgliche Läden im Umkreis von 30 Kilometern gibt: Das “C4″ in Mühldorf, auch bekannt als “Der Nazi-Laden” (TM) – ernsthaft, so komplett mit restriktiver “Keine Ausländer!”-Türpolitik und meterhohen Statuen, die den rechten Arm ausstrecken – oder eben das unaufregendere, aber politisch korrektere “Bali” in Eggenfelden. Ich ging ohne jedes Vorwissen und ohne jede Erwartungshaltung an den Abend heran, meine Mitstreiter taten es mir gleich, so dass uns erst vorm Eingang bewusst wurde, dass wir da in ein waschechtes Halb-Westcoast-Halb-Dirty-South-Gangsta-Rap-Konzert mit Petey Pablo geraten sind. Naja, “waschecht” dürfen wir hierbei eigentlich gleich wieder relativieren, denn der ganze Abend wurde von der HipHop-“BRAVO” gesponsert, die ihrer Suche nach der “HipHop-Bitch” dem “HipHop Babe ’08″ offensichtlich noch ein wenig Street Credibility verleihen wollte und in den 18- bis 25-Jährigen wohl eine lukrative Zielgruppe sieht. Warum auch immer, denkt man sich und schweigt vornehm, angesichts der Aufmachung des Magazins.

Zu Petey Pablo gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, auch wenn es nach dem Signing zu Timbaland‘s Mosley Music Group gut möglich ist, dass der 28-Jährige seine beste Zeit erst noch vor sich hat. An sich hat Petey immer zu den Rappern der Kategorie “Meh” gehört: Zu gut, um sie scheiße zu finden, aber nicht gut genug, um größere Aufmerksamkeit zu erregen. Ein, zwei Hits hat der in North Carolina geborene Rapper natürlich schon im Gepäck, “Raise Up” von 2001 zum Beispiel oder das drei Jahre ältere, äußerst explizite “Freek-a-Leek”. Nicht vergessen darf man natürlich seinen Gastbeitrag auf “Goodies”, der Debütsingle der damals 19-jährigen Ciara, die sieben Wochen lang an der Spitze der amerikanischen Billboard Charts verweilte.

An sich hätte die HipHop-BRAVO also durchaus einen schlechteren Fang machen können, auch wenn sicherlich hilfreich war, dass Petey Pablo sich bereits seit über zwei Monaten auf einer Tingeltangel-Tour durch bundesdeutsche Tanzlokale befindet. Ein Problem bleibt aber bestehen, denn trotz seiner unbestrittenen Verdienste kennt den Typen in Niederbayern nun mal kein Schwein. Für dieses Dilemma fand der 28-Jährige einen durchaus kreativen Lösungsansatz: Er verwendete einfach durch die Bank weg bekannte Fremdbeats. Ob Lil’ Wayne oder Rick Ross, Soulja Boy oder Eurythmics – dem Typen war nichts zu blöd. Überhaupt hob sich Petey’s engagierte Performance von den lustlosen, uninspirierten Auftritten vieler amerikanischer Rapper-Kollegen auf deutschem Boden wohltuend ab. Auf der Bühne war es ihm sichtlich zu langweilig, also performte Petey auch mal vom Tanzboden oder der VIP-Lounge im ersten Stock aus. Dazu gab es Tequila-Eskapaden, Rumknutschen mit fremden Frauen und Tanzeinlagen im Strip-Cage – was man eben so macht als waschechter Gangsta-Rapper. Dass sich beim letzten Song “Raise Up” plötzlich Dutzende männlicher Clubgäste von der nicht hundertprozentig heterosexuellen Beleuchtung dazu animiert fühlten, ihr Shirt auszuziehen, passte nur zu gut in die verquere Logik dieses Abends. Trotzdem, oder vielmehr gerade deswegen: Spaß gemacht hat die ganze Veranstaltung auf alle Fälle, auch wenn die Realness-Polizei wohl die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hätte. Und als sich nach der Show links und rechts von der provisorischen Bühnen-Absperrung bereits die Bitches “HipHop-Babes” vordrängelten, stellte sich ein wohliges Gefühl ein. Denn es gibt eben doch Dinge, die sind überall gleich. Sogar in Niederbayern.

(flo)

Nas – Untitled

Eastcoast, HipHop, Review 1 Comment

Eineinhalb Jahre nach “HipHop is dead” erscheint nun enlich das neue Nas Album “Untitled”. Warum untitled? Der ursprünglich vorgesehene Name war Nigger, aber die davon ausgelöste Kontroverse hat das Label veranlasst das Album umzubenennen.
Meine persönliche Erwartungshaltung an das Album, als Nas Fan, war relativ hoch und sie sollte erfüllt werden.
Nach der ganzen HipHop Thematik von HipHop is dead stellt man inhaltlich eine deutliche Wendung in Richtung politischer Themen fest, so wirkt z.B. das von Green Lantern produzierte Black President, eine Betrachtung der Kampagne und des Erfolgs von Barrack Obama erstaunlich fresh.

“What must think the black President on election night/is it how can I protect my life/protect my wife/protect my rights/evry other president was nothin less then white”

Das von DJ Toomp produzierte Nigger gefällt mir auch sehr gut. Pathetische Aussagen getragen von Streichern, sowas geht unter die Haut. In dem ganzen politischen Zusammenhang fällt auch “Sly Fox” auf: Eine Abrechnung mit dem ganzen Medienzirkus um Mogul Rupert Murdoch und dessen Fernsehsender Fox, der in den Nachrichten sich mit der Bild Zeitung vergleichen lassen:
Watch what you’re watching
Fox keeps feeding us toxins
Stop sleeping
Start thinking outside of the box
And unplugged from the Matrix stopped you
But watch what you say, Big Brother is watching

Das Video dazu ist ebenfalls sehr gelungen, siehe der Post von vor ein paar Tagen.
Produktiontechnisch wurde hier auch alles richtig gemacht Jay Electronica, Salaam Remi, Cool&Dre, Polow da Don, DJ Toomp, Green Lantern und stic man von Dead Prez liefern die perfekte musikalische Untermalung von Nas’ eingängigen Verses.
Das beste Nas Album seit langem, präzisiert seit It was written und das kam 1996 raus.
Für mich ist Untitled aka Nigger also eines der besten Nas Alben und damit auch eines der besten, wenn nicht DAS BESTE Album dieses Jahr. Ein intelligentes Mainstream HipHop Album mit Message gab es lange nicht mehr, vermutlich wird in 5 Jahren dieses Album als Classic gehandelt, zum einen weil es New York so fett auf die Karte zurückbringt, wie es keiner erwartet hatte, zum anderen, weil sich mal jemand neue Themen überlegt hat, die man in lyrischer Form auf Beats packen kann. Wie auch hierzulande ist es mit der Gangster Rap schiene langsam wieder vorbei und dieses Album kann eines sein, dass eine neue Ära einleitet. Ich wünsche mir dafür hohe Verkaufszahlen, dass die Leute mal sehen, dass man keinen sinnfreien Soulja Boy Tanz braucht um Platten zu verkaufen.

Classic.

Go Get it!

Good Vibes: Sly Fox, Black President, Nigger, America, Hero

10/10

(martin)

Time Out!

Allgemein, Eastcoast, HipHop No Comments

OK, ich geb’s zu, eigentlich brauche ich nur einen Vorwand, um dieses Bild posten zu können. Aber Tatsache ist: Diese Woche stehen Uniklausuren an, das heißt weniger Frauen, Drinks, XBox-Sessions, Parties, weiche Drogen, Internet, harte Drogen etc. und stattdessen mehr Power Point-Präsentationen, Berechnungen und Jahreszahlen. Ah, das süße Studentenleben.

Am Wochenende sind wir aber wieder Back in Business, bis dahin, hmmm… Nas vielleicht?

Nas – “Sly Fox” (Video)

(flo)

Walkin’ Large

Eastcoast, HipHop, R'n'B No Comments

Im HipHop-Altersheim flüstert man sich ja seit längerem, dass all die Legenden, die dieses Jahr mal wieder ein Comeback versuchen, sich in erstaunlich guter Form befinden. Pete Rock hat eines der bislang stärksten Alben des Jahres released, die neue Single von LL Cool J ist auch nicht ganz verkehrt, und sogar die letzte Platte von KRS-One war zumindest besser als alles, was er dieses Jahrzehnt sonst so fabriziert hat. Nun versucht auch Large Professor, seines Zeichens Mitglied und Produzent der legendären New Yorker Old School-Crew Main Source, mal wieder an die begehrten, wenn auch immer kleiner werdenden Fleischtöpfe der Industrie heranzukommen. Der 36-Jährige New Yorker, dem oft die Entdeckung von Nas zugeschrieben wird, wird diesen Sommer sein neues Album “Main Source” releasen – ich nehme an, der Professor hat nur deswegen diesen Titel gewählt, damit ihn niemand versehentlich für einen Newcomer hält. Tatsächlich klingt der erste geleakte Track “The Intro” nämlich frisch und überraschend spaßig. Ein gelooptes Gitarren-Sample, treibende Drums und eine hungrige Performance – hier passt alles.

Large Professor – “The Intro”

Vor einigen Monaten war ich ja noch am Rätselraten, warum die Verantwortlichen bei Def Jam Records plötzlich so einen Müll wie “Take A Bow” als Rihanna-Single auskoppeln, wo doch jeder vorherige Release der 20-Jährigen eine echte Bombe war. Nun hab ich die Antwort: Die hauen jetzt einfach alles als Single raus. “Rehab” wird die sage und schreibe achte Single aus “Good Girl Gone Bad” sein (wenn auch nur UK-exklusiv), und langsam nimmt die ganze Sache ja echt dreiste Züge an. Klar, “Rehab” ist ein guter, radiotauglicher Popsong mit balladeskem Einschlag, auch wenn er leider nichts mit den gleichnamigen Großtaten der Winehouse gemeinsam hat – aber so viele gute Songs waren wirklich nicht auf dem Album, als dass man die jetzt alle als Singe auskoppeln müsste. Aber solange jeder Release Top 20 macht, würde ich genauso handeln. Ich werde einem Kapitalisten bestimmt nicht vorschreiben, wie er seine Arbeit zu machen hat. On that note: Ich würde ja wirklich gerne mal die Menschen kennen lernen, die 50 Euro für acht Rihanna-Maxis ausgeben, anstatt sich einfach für einen Zehner das Album bei Amazon zu holen.

Rihanna – “Rehab”

(flo)

The Last Poet

Clubsounds, HipHop No Comments

Ein bisschen Lyrik gefällig? “He said he got a Porsche, got a Benz, got a Rover / He shinin’ in the club but his Jacob watch over”. Oder, mein persönlicher Favorit: “Que pasa, no English, man / My casa big like New England, man”. Freunde der Poesie wissen sofort, wem diese ausdrucksstarken, beinahe schon dadaistischen Zeilen gehören: Swizz Beatz natürlich, seines Zeichens schlechtester Rapper der Welt und bester Produzent der Welt in Personalunion. Wozu so eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung führen kann, zeigt uns die neue Single “Where The Cash At? (Part 1)” aus dem für Swizzy’s Verhältnisse richtig nachdenklich betitelten neuen Album “Life After The Party”, das im Oktober erscheinen soll. Seit dem Vorgänger “One Man Band Man” hat sich das Erfolgsrezept natürlich nicht sonderlich verändert – immer noch regieren geklaute Refrains sowie uninspiriertes Rah Rah über Geld und Hater, und immer noch wird das Ganze von einem Monster-Instrumental untermalt, bei dem es dem Hörer vollkommen egal ist, von wem jetzt der Refrain geklaut ist und wie uninspiriert sich Swizzy’s Rah Rah über Geld und Hater gestaltet. Daher ist auch der neueste Streich des 29-Jährigen wieder einmal zwingend notwendig für dreckige Parties, Streetball-Nachmittage oder Spritztouren in Papis Cabriolet. Und wir wollen ja niemandem Unrecht tun, daher gibt es hier noch den politischen Swizzy: “Get the fuck out of my face / Shouldn’t y’all worry ’bout that Sean Bell case?” Da soll nochmal jemand sagen, Rap wäre nicht mehr “Black CNN”.

Swizz Beatz – “Where The Cash At? (Part 1)” (Video)

Einfach, weil ich es kann, gibt es hier noch Kram, den niemand außer mir gut findet: Lady GaGa borgt sich ihren Namen von einem Queen-Song, gibt Peggy Bundy als ihr erklärtes Mode-Vorbild an und legt bei ihren Auftritten gerne mal einen Striptease hin. Noch dazu macht sie quietschbunte Disco-Musik und versucht sich ab und an auch mal an “weiblichen Versionen” von Motley Crue-Songs. Das alles ist selbstverständlich genau so super, wie es sich anhört, daher gibt es hier ohne Umschweife die zweite Single der 22-Jährigen aus ihrem im Sommer erscheinenden Debütalbum “The Fame”. Nachdem der erste Streich “Just Dance” auf den amerikanischen Tanzböden bereits ordentlich einschlug, soll ähnliches nun auch mit “Disco Heaven” glücken, bei dem viele Kritiker einen Vergleich zu Cindy Lauper gezogen haben. Was da allerdings dran ist – keine Ahnung. Ich hab jedoch auch einige Lücken in Bezug auf das Gesamtwerk von der Lauper.

Lady GaGa – “Disco Heaven”

(flo)

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