Die “We The Best”-Blase aus Miami rund um den unermüdlichen DJ Khaled spuckt ja momentan im Minutentakt neue Künstler aus. Der frischeste Hype hört auf den Namen Ace Hood und konnte bereits eine Menge Buzz in den USA generieren. Das Debütalbum “Gutta” wird am 23. September erscheinen, bis wohin man sich die Zeit wunderbar mit der mittlerweile dritten Single “Get ‘Em” vertreiben kann, zu der es seit kurzem auch ein Video gibt. Der Track verschafft einen guten Eindruck darüber, wo denn Aces Stärken auszumachen sind: In der hungrigen Performance, in der generellen Angrifflust, in der technischen Versiertheit. Währenddessen muss man natürlich aufpassen, nicht vom gewohnt überbordenden Instrumental überfahren zu werden. Aber wen wundert’s? Immerhin steckt Khaled dahinter! Eine unterhaltsame Angelegenheit ist das Ganze trotzdem.
Ace Hood – “Get ‘Em” (Video)
Es ist gar nicht so lange her, da hat man in Berlin auf die Frage nach künstlerischen Inspirationsquellen immer nur streng auf das eigene Camp verwiesen. Nun, Tony D. war in dieser Hinsicht schon immer ein wenig die vielzitierte Ausnahme von der Regel, aber mit seiner neuen Single geht auch der Aggroberliner noch einen Schritt weiter. “Der Mann mit dem Klang” (jep) ist nämlich eine astreine Hommage an die lebendige Berliner House-Szene und gleichzeitig verdammt lustig. Denn lyrische Perlen aus der Schreibfeder von Tony Disko gibt’s auch zur Genüge: “Du brauchst diesen Bass / und ich brauch diesen Bass”. Um es mit dem Video zu sagen: “Nix für Hurensöhne!”
Noch trashiger ist da nur das neue Video von Frauenarzt & Manny Marc. Die beiden Berliner haben sich nämlich mit dem berüchtigten House-Schrägstrich-Volksmusiksänger Alexander Marcus zusammen getan, und das Ergebnis klingt genauso, wie man es erwartet. “Florida Lady” heißt dieser Trash-HipHop-Electro-Bastard, und ich kann mir gut vorstellen, dass der Song in den einschlägigen Sündenpfuhlen rund um den Münchner Hauptbahnhof eifrig gefeiert werden wird. Hat schon eine klein wenig eklige Ästhetik, das Ganze. Kenner halten übrigens Ausschau nach der Ab 18-Version des Videos, die in den nächsten Tagen auf YouTube auftauchen soll. Drei Tage wach!
Tony D. – “Der Mann mit dem Klang” (Video)
Frauenarzt & Manny Marc feat. Alexander Marcus – “Florida Lady”
Wow, ich hätte das nie gedacht. Aber es ist passiert: Ich mag tatsächlich die neue Ne-Yo-Single! Bisher konnte ich mich für die Heularien des 25-Jährigen nie so recht erwärmen, aber mit “Miss Independent”, der zweiten Single aus dem am zwölften September erscheinenden Album “Year of the Gentleman”, hat N zu dem O tatsächlich einen großen Wurf gelandet. Textlich gesehen ist der Song natürlich der übliche Schmeichelschmu, aber das trancige Instrumental und die interessanten Drums halten “Miss Independent” stets interessant und verhindern einen allzu balladesken Einschlag. Und singen kann dieser Ne-Yo ohnehin wie ein Mutterficker. Fairerweise muss ich allerdings dazu sagen: Das großartige Video, in dem unter anderem Keri Hilson sowie die beiden Schauspielerinnen Lauren London und Gabrielle Union mitwirken (für die Ladies: Trey Songz macht auch mit), trägt sicherlich seinen Teil dazu bei, dass ich diese ganze Sache so super finde. Wenn in einer von Frauen dominierten Berufswelt tatsächlich alle Kollegen und Vorgesetzten von heißen Fegern mit endlos langen Beinen ersetzt werden, dann brauchen wir ganz dringend neue Quotenregelungen.
Ne-Yo – “Miss Independent” (Video)
Scharfe Geschütze werden auch in Atlanta aufgefahren, wo T.I. gerade fieberhaft an der Promotion seines am 30. September erscheinenden Albums “Paper Trail” werkelt. Clifford Harris kann dabei mit einigen Pfunden wuchern: Nicht nur hat der 27-Jährige Gäste wie Justin Timberlake oder Rihanna auf dem Album, er kann auch mit einer Super-Kollabo aufwarten, die am Wochenende ins Internet durchsickerte. “Swagger Like Us” heißt der Song und featured Kanye West, Jay-Z sowie Lil’ Wayne. Oder um es mit T.I.P. persönlich zu sagen: “You go see Weezy for the wordplay / Jeezy for the birdplay / Kanyeezy for diversity and me for controversy”. Der Beat – produziert von Mr. West – enthält außerdem ein ziemlich sickes M.I.A.-Sample und interessante Military Drums. All good also? Nicht ganz, denn das Instrumental wird von ziemlich billigen MIDI-Synthies komplettiert, was den Gesamteindruck nicht unerheblich schmälert. Lyrisch liefern die vier beteiligten Interpreten jeweils eine solide, aber keine überragende Performance ab. Geht schon durch, das Ganze – aber man hätte sich schon mehr erhofft. Noch kurz eine Nachhilfestunde vom ollen Grey Hova: “But I can’t teach you my swag / you can pay for school but you can’t buy class.” So sieht’s aus.
T.I. feat. Kanye West, Jay-Z, Lil’ Wayne – “Swagger Like Us”
Mir ist aufgefallen: Anstatt immer wieder Kollegah‘s herausragende Punchlines zu loben, könnte ich sie auch einfach für sich selbst sprechen lassen. Hier also ein Best-Of seines neuen Freetracks auf dem Beat von Nas‘ “Hero”: “An jedem x-beliebigen Tag trinkt er drei Coffee 2 Go / und treibt vier Mütter deutscher Rapper in die Prostitution.” – “Und die Außentasche meiner La-Martina-Daunenjacke / enthält eine Walther wie der Frauenknast / dein Leben hängt am seidenen Faden wie der halbkanadische Deutsche / beim allabendlichen Säubern seiner Zahnzwischenräume.” – “Kid, mein Rap hat keine Botschaft wie die Nordkoreaner.” – “Anderes Thema: Neulich bekam ich mehrere Sozialstunden. / Und, um ehrlich zu sein: ein rundum angebrachtes Urteil / wie meine Rolexlünette: Ein rundum angebrachtes Uhrteil”. Was soll man da noch sagen. Grandios, anhören.
Curse ist zurück! Und zwar mit einem Song, der vermutlich wieder äußerst kontrovers aufgenommen werden wird. “Freiheit” heißt die erste Single aus dem am 26. September erscheinenden Album gleichen Namens, und sie featured niemand geringeren als den großen Marius Müller-Westernhagen. Wie unschwer zu erkennen, baut der Track auch stark auf einem gleichnamigen Song Westernhagens aus dem Jahr 1989 auf. Nun gibt es zu dieser ganzen Causa natürlich zweierlei zu sagen: Zum einen ist das Original nur so lange ein wirklich großartiger Song, wie man den zeitgeschichtlichen Kontext mit in Betrachtung zieht. Und zum anderen hat Produzent Claud zwar das Sample gut eingebaut, aber leider klappt der Transfer der Stadion-Atmosphäre des Originals nicht wirklich; genauso wenig passen diese plötzlichen Rock-Passagen in das Bild. Abgesehen davon ist Freiheit ein guter Song, vor allem natürlich, weil Curse gewohnt kluge Sachen sagt: “Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen”. Dieser Typ ist weiterhin ein dringend nötiger Kontrapunkt im deutschen Rapgeschehen.
Curse feat. Marius Müller-Westernhagen – “Freiheit” (Video)
Auch Estelle geht in ihrem neuen Video “way back, back into time”, wenn man so will. Die Britin lud sich für “Pretty Please” nämlich einen bezaubernden Sixties-Flair sowie einen gewissen Cee-Lo Green (of Gnarls Barkley-Fame) ins Studio, und diese Mixtur geht voll auf. Diesen Song nicht mögen ist wie kleine Hunde treten. Cee-Lo taucht im Video übrigens nicht auf, aber macht ja nichts. Fest steht auf jeden Fall eines: Diese Frau braucht ganz dringend viel mehr Fame.
Estelle feat. Cee-Lo Green – “Pretty Please” (Video)
Es ist ja nicht nur deswegen, weil Isaac Hayes erwiesenermaßen ein Genie war: Man muss auch einfach mal einem Mann Respekt zollen, der das Wort “dick” ungefähr zwanzig Jahre, bevor es cool war, bereits mit Freuden in seinen Songs verwendete. Am zehnten August starb der neben James Brown vielleicht einflußreichste schwarze Musiker des 20. Jahrhunderts, und die zahlreichen Trauerbekundungen werden langsam durch hörenswerte Tribute-Projekte abgelöst. Am meisten beeindruckt hat mich dabei “SAMPLOLOGY – The Isaac Hayes Chapter” von DJ Parler aus New York City, hauptberuflich ziemlich hohes Tier bei Koch Records. Der reiht in diesem Mixtape Rap-Klassiker, die sich in Form von Samples an Hayes bedient haben, an die Originalquellen und zeigt damit die enorme Wirkung auf, die vom Schaffen des Stax Records-Musikers auf die HipHop-Kultur ausging. Da Songs wie Jay-Z‘s “Can I Live”, “My Mind Playing Tricks On Me” der Geto Boys oder Public Enemy‘s “Black Steel In The Hour Of Chaos” auch für sich genommen absolute Classics sind, ergibt das Ganze nicht nur einen äußerst aufschlussreichen, sondern auch vergnüglichen Ritt durch beinahe 50 Jahre Musikgeschichte. Parler hält sich außerdem vornehm mit Scratches sowie Name-Drops zurück und lässt einzig und allein die Artists scheinen. (On that note: Wenn DJ Premier ein ähnliches Projekt plant, will ich es gar nicht wissen.) Kurz zusammengefasst: Ein großer Musiker hat hier einen würdigen Tribut erhalten, und sobald die ersten Takte von “Theme From Shaft” erklingen, ist alles super. Black Moses, rest in peace.
Sieht so aus, als bekäme die darbende HipHop-Gemeinde in 2008 doch noch ein weiteres Großereignis. “Blueprint 3″ steht nämlich an, meine Damen und Herren, und auch wenn das Album für Jay-Z wohl nur wenig mehr als die bloße Erfüllung seines Vertrages bei Def Jam darstellen wird, bevor er neue Wege mit dem aufstrebenden kalifornischen Label Live Nation gehen wird: Die Musik wird sicher trotzdem super. Immerhin weiß Shawn Carter ja auch, was für ihn auf dem Spiel steht, wenn er einen dritten Part der “Blueprint”-Reihe aufnimmt, von der mindestens ein Teil als Klassiker und der andere zumindest als verdammt gutes Album gilt. Einen ersten Hinweis auf “Blueprint 3″ liefert uns die erste geleakte Single “Jockin’ Jay-Z”, in der “the only rapper still making money” (O-Ton) ein crispes Old-School-Brett mitsamt MIDI-Gitarrenriffs und Run DMC-Cut im Chorus zerlegen darf, auf das wohl sogar Arabian Prince stolz wäre. Der Produzent? Kanye West. Wenn da mal nicht einige Leute ihre Schubladen neu sortieren müssen.
Jay-Z – “Jockin’ Jay-Z”
Auch aus dem G-Unit-Camp erreicht uns ein neuer Beitrag. Wie offiziell dieses Doppel-”Video” zu “Close To Me/Get Down” ist, weiß dabei keiner, aber es ist gut möglich, dass 50 Cent nach dem grausamen Flop von “T.O.S.” einfach keinen Bock mehr darauf hat, Geld in Promotion zu stecken. “Close To Me” ignorieren wir einfach trotz (oder wegen?) des animierten Videos und wenden uns lieber “Get Down” zu, das zwar nur mit ein paar verwackelten Live-Bildern, dafür aber auch einem standesgemäßen Banger aus dem Hause Swizz Beatz aufwartet. Geht durch.
G-Unit – “Close To Me/Get Down” (Video)
Last but not least gäbe es noch DJ Kayslay, der sich für die erste Single “Don’t Take It There” aus seinem kommendem Album “More Than Just A DJ” bekanntlich die Hilfe von Papoose und Junior Reid gesichert hat. Der Track an sich hat schon ein paar Wochen auf dem Buckel, aber das Video ist neu – eine willkommene Gelegenheit, nochmal auf die Güte des Tracks hinzuweisen. Kayslay schraubt ein böses Brett von Beat zusammen, Junior Reid macht sein Ding, und Papoose liefert eine hungrige Performance: Hier stimmt alles. “Why would I tell a man ‘Gimme work’ on a arm / When I can just stick his ass and take the work out of his palms.” New York stand the fuck up.
DJ Kayslay feat. Papoose & Junior Reid – “Don’t Take It There” (Video)