Independence Day
August 25, 2008 Deutschland, Dirty South, Eastcoast, HipHop, R'n'B No Comments
Wow, ich hätte das nie gedacht. Aber es ist passiert: Ich mag tatsächlich die neue Ne-Yo-Single! Bisher konnte ich mich für die Heularien des 25-Jährigen nie so recht erwärmen, aber mit “Miss Independent”, der zweiten Single aus dem am zwölften September erscheinenden Album “Year of the Gentleman”, hat N zu dem O tatsächlich einen großen Wurf gelandet. Textlich gesehen ist der Song natürlich der übliche Schmeichelschmu, aber das trancige Instrumental und die interessanten Drums halten “Miss Independent” stets interessant und verhindern einen allzu balladesken Einschlag. Und singen kann dieser Ne-Yo ohnehin wie ein Mutterficker. Fairerweise muss ich allerdings dazu sagen: Das großartige Video, in dem unter anderem Keri Hilson sowie die beiden Schauspielerinnen Lauren London und Gabrielle Union mitwirken (für die Ladies: Trey Songz macht auch mit), trägt sicherlich seinen Teil dazu bei, dass ich diese ganze Sache so super finde. Wenn in einer von Frauen dominierten Berufswelt tatsächlich alle Kollegen und Vorgesetzten von heißen Fegern mit endlos langen Beinen ersetzt werden, dann brauchen wir ganz dringend neue Quotenregelungen.
Ne-Yo – “Miss Independent” (Video)
Scharfe Geschütze werden auch in Atlanta aufgefahren, wo T.I. gerade fieberhaft an der Promotion seines am 30. September erscheinenden Albums “Paper Trail” werkelt. Clifford Harris kann dabei mit einigen Pfunden wuchern: Nicht nur hat der 27-Jährige Gäste wie Justin Timberlake oder Rihanna auf dem Album, er kann auch mit einer Super-Kollabo aufwarten, die am Wochenende ins Internet durchsickerte. “Swagger Like Us” heißt der Song und featured Kanye West, Jay-Z sowie Lil’ Wayne. Oder um es mit T.I.P. persönlich zu sagen: “You go see Weezy for the wordplay / Jeezy for the birdplay / Kanyeezy for diversity and me for controversy”. Der Beat – produziert von Mr. West – enthält außerdem ein ziemlich sickes M.I.A.-Sample und interessante Military Drums. All good also? Nicht ganz, denn das Instrumental wird von ziemlich billigen MIDI-Synthies komplettiert, was den Gesamteindruck nicht unerheblich schmälert. Lyrisch liefern die vier beteiligten Interpreten jeweils eine solide, aber keine überragende Performance ab. Geht schon durch, das Ganze – aber man hätte sich schon mehr erhofft. Noch kurz eine Nachhilfestunde vom ollen Grey Hova: “But I can’t teach you my swag / you can pay for school but you can’t buy class.” So sieht’s aus.
T.I. feat. Kanye West, Jay-Z, Lil’ Wayne – “Swagger Like Us”
Mir ist aufgefallen: Anstatt immer wieder Kollegah‘s herausragende Punchlines zu loben, könnte ich sie auch einfach für sich selbst sprechen lassen. Hier also ein Best-Of seines neuen Freetracks auf dem Beat von Nas‘ “Hero”: “An jedem x-beliebigen Tag trinkt er drei Coffee 2 Go / und treibt vier Mütter deutscher Rapper in die Prostitution.” – “Und die Außentasche meiner La-Martina-Daunenjacke / enthält eine Walther wie der Frauenknast / dein Leben hängt am seidenen Faden wie der halbkanadische Deutsche / beim allabendlichen Säubern seiner Zahnzwischenräume.” – “Kid, mein Rap hat keine Botschaft wie die Nordkoreaner.” – “Anderes Thema: Neulich bekam ich mehrere Sozialstunden. / Und, um ehrlich zu sein: ein rundum angebrachtes Urteil / wie meine Rolexlünette: Ein rundum angebrachtes Uhrteil”. Was soll man da noch sagen. Grandios, anhören.
(flo)
