Ich hab ja bereits an der ein oder anderen Stelle zugegeben, dass ich ein klein wenig verknallt in Keyshia Cole bin. Ihr aktuelles Album “Just Like You” ist zwar eine ziemliche Frechheit, doch das hindert die 26-Jährige nicht daran, trotzdem ab und an eine echte Perle rauszuhauen. “Heaven Sent” ist so eine, und die mittlerweile auch schon ein paar Monate alte Single hat nun eine Veredelung per Remix mit Mario Winans erfahren. The GhostWriters demonstrieren dabei, wie man eine Ballade gefälligst musikalisch zu unterlegen hat: Ein organisches, harmonisches, aber dennoch interessantes Instrumental mit vielen kleinen guten Ideen bildet hier die hervorragende Untermalung für die Performance der beiden Protagonisten. Der gesangliche Part ist dank der Fähigkeiten von Keyshia und Mario dabei nur noch Formsache – die Lyrics sind von diesen Lobhudeleien natürlich explizit ausgenommen, aber auf die achtet ja zum Glück keiner. Trotzdem: So und nicht anders hat sich eine Ballade anzuhören, dann hör sogar ich mir das an. Vielleicht bin ich aber auch einfach bloß ein größeres Weichei geworden.
Keyshia Cole feat. Mario Winans – “Heaven Sent” (RMX)
Auch The Game hat sich beim jüngsten, aus “L.A.X.” geleakten Streich mit einem waschechten Schmusesänger zusammengetan. “Camera Phone” featured nämlich Ne-Yo, ist aber dank der gewissenhaften Arbeit von J.R. Rotem mehr in Compton als auf dem “Save The Last Dance 2″-Soundtrack zu verorten. J zu dem R hat nämlich einen ultra-reduzierten Drum-Stomper zusammengeschraubt, der nur von einer ziemlich fiesen Bassline im Refrain komplementiert wird. Währenddessen diskutieren Game und Ne-Yo über Frauen, Kamerahandys sowie über Möglichkeiten, wie sich Frauen und Kamerahandys am besten kombinieren lassen. Also, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Dope Boys sind im Gebäude.
Der Soul ist ja wieder schwer im Kommen neuerdings. Das lässt sich nicht nur an den Charterfolgen der Winehouse ablesen, man erkennt es auch an der verblüffend hohen Anzahl qualitativ hochwertiger Alben, die dieses Jahr bereits von so verschiedenen Künstlern wie Erykah Badu, Al Green oder Gnarls Barkley released wurden. Ja, sogar Veteranen wie Usher sind in letzter Zeit immer öfter dabei gesehen worden, wie sie die glitzernde Welt des Plastik-R&B zugunsten eines erwachseneren, erdigeren, aber nichtsdestotrotz immer noch urbanen Sound verließen. Einer, der dem Soul immer die Stange gehalten hat wie ein Curtis Mayfield-Groupie, ist Raphael Saadiq. Der 42-Jährige hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Geschäfts durchgemacht, seit er 1995 mit “Ask Of You” seinen ersten (und bis dato größten) Hit hatte. In diesem Jahrzehnt folgten verschiedene Ritterschläge wie fünf Grammy-Nominierungen für “Instant Vintage” von 2002 und Kollaborationen mit Künstlern wie Whitney Houston, Mary J. Blige, Earth, Wind & Fire oder Ludacris. Für den 16. September steht nun das insgesamt vierte Soloalbum des Kaliforniers namens “The Way I See It” an. Die vier bislang aus dem Projekt geleakten Songs zeigen bereits ganz deutlich an, in welche Richtung die Platte gehen wird: Während “Oh Girl” ein wenig lahm und cheesy klingt, sind “100 Yard Dash”, “Big Easy” und “Staying In Love” absolute Sureshots. Alle vier Songs sind retro, aber nicht rückwärtsgewandt, und erwachsen, aber nicht verkniffen ernst. Denn für eine kleine Prise Ironie ganz im Sinne der neuen Schule hat auch Raphael einiges übrig: “I feel your love / like a monkey on my back.” Gut auf den Punkt gebracht.
True Story: Gestern hatte ich noch das fantastische “Fit But You Know It” gehört und mich gefragt, wann denn Mike Skinner a.k.a. The Streets endlich mal wieder neues Material rüberwachsen lässt. Und heute erfahre ich von der neuen Single zum neuen Album, das schon am 15. September erscheinen soll! Wenn das nur immer klappen würde. “Everything Is Borrowed” wird das vierte erscheinende Studioalbum heißen, das nach Aussage des Briten “a peaceful, positive vibe” versprühen soll. Ein Video gibt’s auch schon, und so, wie’s aussieht, ist “The Escapist” ein würdiger Vorbote für das Album, wenn Skinner sein Wort hält. Zwar pfeift der 29-Jährige wie gewohnt aufs fachgerechte Flowen, gewitzte Reimen und neuerdings sogar aufs Rappen, aber der typische Streets-Sound ist ohnehin am stärksten, wenn die großen melancholischen Momente, gepaart mit einigen ironischen Spitzen, den Hörer in ihren Bann ziehen: “I’ll not feel no fear / Cause I’m not really here / I’m nowhere near here.” Selten hat Skinner das so gut hinbekommen wie bei diesem Song. Für Freunde von: Schööööööööön.
The Streets – “The Escapist” (Video)
Wo wir gerade beim Thema sind: Auch Will.I.Am hat bekanntlich einiges für schöne Dinge übrig, und das gilt besonders, wenn besagte Dinge auf High Heels angestöckelt kommen und mindestens über Brustgröße 75 C verfügen. Immerhin hat der 33-Jährige im Sommer letzten Jahres ein komplettes Album mit “Songs About Girls” veröffentlicht, und dieser Tage folgt mit “One More Chance” das dritte Video daraus. Als ich den Song das erste Mal hörte, hatte ich nach dem starken Depeche Mode-Gedächtnis-Intro echt Hoffnung, aber leider biegt der Track nach genau 26 Sekunden in Richtung Cheesyhausen ab, wo Will ja auch mit den Black Eyed Peas die meisten Singles der jüngeren Vergangenheit geparkt hatte. In kurz: Klingt alles ganz nett, ist aber unterm Strich ziemlich langweilig und belanglos. Bevor ich das Video poste, muss ich allerdings noch einen Warnhinweis loswerden: Der Refrain ist einer der nervigsten Ohrwürmer, die mir in diesem Jahr untergekommen sind. Reinhören auf eigene Gefahr.
Was kann es pünktlich zum Beginn der Woche Schöneres geben als wütende Todesdrohungen? Das dachte sich wohl auch Ex-Floetry-Chanteuse Marsha Ambrosius, deren frisch geleakter Song “RIP, It’s Over” der Vorbote für das noch dieses Jahr erscheinende Soloalbum sein könnte. Auf einem Sample, über das schon der große Notorious B.I.G. auf “What’s Beef” (wie passend) spuckte, macht Marsha ihrem Ex-Lover klar, dass er für sie gestorben ist: “Better hit the floor / before I make the evening news.” Wow, da ist jemand angepisst. Großartige Nummer auf jeden Fall, die allerdings auch ein wenig dazu beiträgt, dass ich so langsam ernsthafte Angst vor Frauen bekomme. Ich mein, zuerst schmeisst Jazmine Sullivan Scheiben ein, und jetzt wetzt auch noch Marsha die Messer – was geht da? Ich lass meine Freundin jedensfalls nicht mehr in die Wohnung, so viel steht fest.