Till I Retire

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Unerwartete Comebacks in 2008, Teil 347: Die New Yorker Old-School-Helden von D.I.T.C. haben tatsächlich ein neues Album in der Pipeline. Das etwas plakativ betitelte “The Movement” soll am 18.November erscheinen, doch bereits jetzt wird der ein oder andere True Yorker sicherlich etwas feucht im Schritt. Ob die beiden prominentesten Diggin’ In The Crates-Mitglieder Fat Joe und Lord Finesse bei der lustigen Wiedervereinigung der Klasse von ’93 ebenfalls mit am Start sein werden, ist zwar noch unklar, aber der Rest des Kollektivs scheint das Kind zur Not auch alleine geschaukelt zu kriegen. Zeugnis dessen ist der erste geleakte Song “Hard Hit”, der seinem Namen alle Ehre macht: Lyrische Ohrfeigen der beteiligten Protagonisten D-Flow, A.G., OC und Boss Money setzt es hier zur Genüge, und der Beat ist ohnehin ein schweres Problem. Ich dachte schon, solche Drums würden auf immer und ewig in den hintersten Pro-Tools-Archiven verschimmeln… Bleibt nur zu hoffen, dass der Rest des Albums genauso frisch und hungrig klingen wird. Mit Comebacks ist es eben so eine Sache – wir alle wissen noch, was sich die Fugees vor drei Jahren geleistet haben, und wir alle ahnen, was die G-Unit in zehn Jahren machen wird.

D.I.T.C. – “Hard Hit”

Im Gegensatz zur gesamten New Yorker True School scheint Seeed-Frontmann Peter Fox seinen Ruhestand gar nicht mehr erwarten zu können. Den Eindruck erweckt der Berliner zumindest in seiner neuen Single “Haus am See” aus dem gerade eben veröffentlichten Album “Stadtaffe”. Darin preist er nämlich das Dolce Vita auf dem Land als Gegenentwurf zum hektischen Großstadtleben: “Und am Ende der Straße steht ein Haus am See / Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg / ich hab 20 Kinder, meine Frau ist schön / alle kommen vorbei, ich brauch’ nie rauszugehen”. So ist das also. Nunja, Peter Fox ist ja seit jeher dafür bekannt, ungewöhnliche Songkonzepte zu erschaffen, für die der Großteil der deutschen Musiklandschaft schlichtweg zu dämlich wäre. Auch musikalisch ist die ganze Angelegenheit richtig nett umgesetzt. Wenn gewohnt grenzdebile YouTube-Comments einem Song attestieren, “übelst gechillt!” zu sein, ist zwar in der Regel Vorsicht geboten, aber “Haus am See” swingt so eingängig vor sich hin, dass man sich bisweilen selbst beim Mitschunkeln ertappt. Wird bestimmt noch als “Chill-Out Mucke!” für’s Oktoberfest missbraucht, ich seh’s kommen.

Peter Fox – “Haus am See” (Video)

(flo)

Louder Than A Bomb

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Seit er sein Amt des inoffiziellen Bürgermeisters von München-Neuperlach zugunsten eines Deals bei den Hamburger Jungs von Deluxe Records aufgegeben hat, ist es still um Ali A$ geworden. Zwar droppte Ali noch zwei von der Kritik gefeierte Mixtapes, doch das bereits seit über einem Jahr angekündigte Album war weit und breit nicht in Sicht. Bis jetzt, denn das schlicht “Bombe” betitelte Werk ist tatsächlich für den 17.10. angekündigt. Eine Single dazu gibt’s auch schon: “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” vereint die gewohnt humorvollen Punchlines des 29-Jährigen mit exzessivem Namedropping von Persönlichkeiten aus dem deutschen Showbiz. Alis Agenda ist dabei schnell auf den Punkt gebracht: “Denn ich will, dass ihr euch an meine Fresse erinnert / und wenn es sein muss, koch ich Crack beim perfekten Dinner.” Dazu gibt’s ein classy Instrumental samt 80′s-Anleihen, womit man mich natürlich immer kriegt. In kurz: Ein Sureshot (nein, keine Wortwitze mit dem Albumtitel an dieser Stelle). Vom Vibe her ist die ganze Angelegenheit zwar eher P1 als Neuperlach, aber mir, der selbstverständlich beiderorts zu Hause ist, kann das fett egal sein.

An dieser Stelle sei auch noch kurz auf das neue Video von Alis Labelkollege Tua hingewiesen. Der Reutlinger hat zusammen mit Vasee eine hochinteressante Single namens “Soll das alles sein?” eingespielt, die der Vorbote zu irgendeinem Kollabo-Projekt sein soll, wenn ich das richtig verstanden habe. Müsste ich das Teil in irgendwelche Schubladen stopfen, würde ich es wohl zwischen Gnarls Barkley, Grönemeyer und dem jungen Clueso verorten. Aber hört einfach selbst rein.

Ali A$ – “Ich bin ein Star, holt mich hier raus” (Video)

Vasee & Tua – “Soll das alles sein?” (Video)

In den letzten Tagen habe ich mir tatsächlich die neuen Alben von Amon Amarth und Metallica angehört, und ich fand beide sogar ziemlich cool. Ernsthaft, ich bin kurz davor, mir eine Eric-Adams-Gedächtnismatte zuzulegen. Glücklicherweise gibt es jedoch Sean Price und Rock alias Heltah Skeltah, die mir den Übergang zurück ins Tagesgeschäft ein wenig erleichtern. Die beiden New Yorker geben sich nämlich auf ihrer zweiten Single “Ruck N Roll” aus dem aktuellen Album “D.I.R.T. (Da Incredible Rap Team)” ebenfalls der Welt der langen Gitarrensoli und noch längeren Frisuren hin, komplett mit persiflierenden Publikum-Shoutouts im Outro sowie Langhaar-Perücken im Video. Das ist genauso herrlich absurd, wie sie sich anhört. Ich werde jetzt nicht die Geschichtsbücher bemühen, aber: Ich bin mir ziemlich sicher, dass das hier die erste Stadionrock-Single ist, die aus Brooklyn stammt.

Heltah Skeltah – “Ruck N Roll” (Video)

Ein paar Kilometer weiter nördlich in der Amsterdam Ave ist dagegen wieder “Killa Season”, denn Cam’ron‘s neues Album “Crime Pays” hat endlich ein Release-Date. Cams erstes Soloalbum nach dem Diplomats-Split soll zwar erst im ersten Quartal 2009 erscheinen, jedoch gibt es als Vorgeschmack schon einmal einen ersten Track namens “Still The Reason”. Der Beat ist gewohnt wahnsinnig, die Rhymes sind nochmal ein Stückchen extra-ignorant: Der Mann ist in Form. Watch out.

Cam’ron – “Still The Reason”

Zu guter Letzt: Ich kann nicht glauben, wie langweilig die neue Prinz Pi-Single ist.

Prinz Pi – “Gib dem Affen Zucker” (Video)

(flo)

Don’t Sweat The Technique

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Hach, Immortal Technique. Für die einen ist der 30-Jährige einer der wenigen MC’s, die es noch echt halten im Musikgeschäft. Für die anderen ist IT ein nerviger Polit-Öko-Rapper mit zunehmend uninteressanter werdenden Verschwörungstheorien. Egal, welchem Lager man angehört, zwei Eigenschaften des gebürtigen Peruaners sind und bleiben bewundernswert. Zum einen seine Verweigerung vor der Major-Industrie, die IT nicht nur einmal mit lukrativen Verträgen ködern wollte. Und zum anderen natürlich sein steter Zorn. Ja, der 30-Jährige hat Spaß am Granteln, wie man in Bayern sagen würde. Bestes Beispiel ist “Golpe De Estado”, IT’s neue Single aus seinem aktuellen Album “The 3rd World”. Meine äußerst beschränkten Spanisch-Kenntnisse reichen zwar hinten und vorne nicht aus, um die Message in ihrer Gesamtheit zu verstehen, aber auch so wird ersichtlich, auf wen der New Yorker gerade einen richtig dicken Hals hat: Auf den “presidente” nämlich, der ziemlich “corrupto” ist, nur auf die “industria” hört und deswegen mittels einer “revolucion” gestürzt werden muss. Oder wie der Bienenmann bei den “Simpsons” sagen würde: “Ay ay ay, el mundo es loco!” Classic Stuff eben. Auch beatwise wurde nichts falsch gemacht, bedient sich “Golpe Des Estado” doch desselben Samples wie “Black Republican” von Nas und Jay-Z“Marcia Religiosa” von Carmina Coppola & Nino Rota nämlich, auch bekannt aus dem zweiten Teil des “Godfather”. Fazit: Wenn ein politischer Track so knallt, dann hat wohl niemand etwas gegen ihn einzuwenden. Außer der “presidente” vielleicht.

Immortal Technique feat. Veneno & Temperamento – “Golpe Des Estado” (Video)

(flo)

Week In Review

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Ein kurzer Recap der letzten Tage:

Mir egal, was die ganzen selbsternannten HipHop-Heads so sagen, Deichkind sind für mich immer noch Helden. Dieser ganze “Remmidemmi”-Hype ging mir zwar ein bisschen zu weit, aber “Arbeit Nervt” find ich super. Das ist nämlich die erste Single aus dem neuen Album, das am 17. Oktober erscheinen soll. Der Song ist auch alles, was ich an Deichkind so mag: Intelligent, aber knallt dennoch wie Sau. Und wie viele HipHop-Acts können das schon von sich behaupten? Kein Wunder, dass da sogar Ferris MC den Rücktritt vom Rücktritt hinlegt.

Deichkind – “Arbeit Nervt” (Video)

In eine verblüffend ähnliche Richtung geht Prinz Pi, von dem ja mit seinem kommenden Album “Neopunk” nicht weniger erwartet wird, als den deutschen HipHop wenigstens ein bisschen aufzumischen. Mit “Schädelficken” dürfte das dem Berliner gelungen sein: Der Song hat einen latenten N.E.R.D.-Vibe, gemischt mit Industrial-Elementen. Das klingt genauso seltsam, wie es sich anhört. Momentan nervt es mich noch, aber wie ich mich kenne, feiere ich den Song in spätestens einer Woche. “Schädelficken” ist übrigens nicht die erste offizielle Single aus “Neopunk”; die wird “Gib dem Affen Zucker” heißen und am 17. Oktober erscheinen.

Prinz Pi – “Schädelficken” (Download)

Prinz Pi – “Schädelficken” (Video)

Genau anders herum wird es mir bei “Fix Your Face”, dieser neuen Single von Travis Barker & DJ AM gehen, das weiß ich jetzt schon. Im Moment feiere ich noch diese anarchistische Herangehensweise der beiden an das “Rocky Theme” oder “Ring of Fire”, aber in Wahrheit ist das natürlich Stylerscheiße, die man sich unmöglich öfter als dreimal anhören kann. Ich hab meine drei Durchläufe schon hinter mir – man soll aufhören, wenn’s am Schönsten ist.

Travis Barker & DJ AM – “Fix Your Face” (Video)

Ebenfalls seltsam: Die neue Single von Kanye West. Die Kritiken zu “Love Lockdown” schwanken ja zwischen zwei Extremen. Die einen halten den Song für unglaublich schwul, die anderen finden ihn super. Ich persönlich glaube ehrlich gesagt, dass beides zutrifft. Klar, das x-te Mal Yeezy auf Auto-Tune will sich eigentlich niemand mehr geben müssen, und nicht jeder wird mit diesem rücksichtlos durchexerzierten Pop-Ansatz klar kommen. Aber die Drums sind einfach viel zu sick, als dass ich das hier nicht mögen könnte. Das Ding wird übrigens ein Hit. Mark my words.

Kanye West – “Love Lockdown”

Ansonsten gibt es noch das neue Video von Joell Ortiz, das ziemlich großartig geraten ist, aber das war eh jedem klar. ‘Nuff said.

Joell Ortiz – “Memories” (Video)

(flo)

The Cool Kids – The Bake Sale ep

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Wenn man sich so in der Blogosphäre nach dem neuesten Scheiss umsieht stolpert man erstaunlich oft über ein Chicago/Detroiter Duo, das sich selbst auch noch als The Cool Kids betitelt. Und tatsächlich der Sound ist erfrischend anders. Die Beats sind nicht bis ins letzte aufgeblasen, wie z.B. von JR Rotem gewohnt, sondern aufs Minimalste reduziert. Eine Baseline, eine Hi-Hat und ein Sample reichen doch vollkommen aus. Diese Reduktion ist ein logischer Schritt, geben doch Mikey Rocks und Chuck Inglish die 80er als ihre Hauptinspirationsquelle an.

Zunächst konnte man die Sachen nur auf Myspace und co. hören, sie betonten selbst nie einen physikalischen Tonträger veröffentlichen zu wollen, aber hat sie anscheinend die große Fanbase doch davon überzeugt dass etwas her muss und so habe ich jetzt die Bake Sale E.P. vor mir liegen. Man findet zwar wenn man alle Internet Tracks kennt nichts wahnsinnig neues mehr, aber das Zeug ist trotzdem sehr fresh. Schon alleine der erste Track What Up glänzt mit einem Acapella Instrumental. Tick tick tick clap Bass Bass Bass. Einfach unglaublich cool, wie auch die Fahrradhymne Black Mags. Auf sowas muss man erstmal kommen. Die ganze e.p strotzt nur so von coolen Ideen. Einfach kaufen und sich über einen guten Einkauf freuen.

9/10

Goodvibes: Black Mags, Jingling, What up

(Martin)

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