Wer erwartet hatte Dre Beats auf L.A.X. zu hören wird leider enttäuscht sein. Der Meister ist anscheinend mit Detox beschäftigt, nebenbei hat er noch die Single von Kardinall Offishal rausgelassen. Eines vorweg: Wer Documentary und Doctor’s Advocate mochte wird auch LAX nicht so verkehrt finden. Jayceon Taylor bleibt seinem alten Rezept treu einfach straighte Westcoast Mukke zu machen und das Name-Dropping kommt auch nicht zu kurz .
Die ersten zwei Songs sind von J.R. Rotem produziert, der zwei stilechte Westcoast-Banger auf den Hörer loslässt. Hier gefällt vor allem State of Emergency mit Ice Cube. Lil Waye ist natürlich wie auf jedem anderen Album auch dabei und fährt immer noch die Autotune Schiene. My Life ist trotzdem einer der stärksten Tracks. Im weiteren gefallen mir besonders Angel mit Common und das hier im Blog auch schon vorgestellte unglaublich gute Dope Boys mit Travis Parker an den Drums. Game’s Pain ist natürlich, wie Letter to the King mit Nas, auch absolut hörenswert. Insgesamt gibts auf diesem Album keine Ausfälle, daher würde ich eine klare Empfehlung aussprechen mal reinzuhören, dieses Album ist ein Muss für alle Westcoast Fans.
Goodvibes: Dope Boys ft. Travis Parker, Angel ft. Common, My Life ft. Weezy
Schwere Zeiten für die Internet-Kids. Chamillionaire legte mit dem grandiosen “Internet Nerd’s Revenge” vor, und nun zieht der Berliner Marteria nach. Auf “Jack Hate’s Todesliste” schlüpft der 25-Jährige in die Rolle eines Internet-Nerds, der seine Idole für sein gescheitertes Leben verantwortlich macht. Denn: “Rap durchlebt Todesqualen / Rap ist Untergrund und gehört nicht in die großen Hallen.” So ziemlich jeder deutsche Rapper – inklusive Marteria selbst sowie dessen Alter Ego Marsimoto – kriegt hier sein Fett weg, was natürlich die eigentlich angesprochenen Internet-Kids sofort dazu veranlasst, den Song für einen Rundumschlag, Diss-Track, Promostunt und was weiß ich zu halten. Ganz langsam nochmal zum Mitschreiben: Nein. Ansonsten bleibt eine interessante Themenwahl, viele gute Ideen und eine hervorragend gelungene, äußerst psychotische Umsetzung. Ein bisschen beleidigt bin ich trotzdem. Ich mein, im Internet Haten ist schließlich auch mein täglich Brot.
Marteria – “Jack Hate’s Todesliste” (Video)
“Sommerfeeling pur” versprechen uns die geschätzten Kollegen von hiphop.de bei Young Jeezy‘s neuem Video “Vacation”. Irgendjemand muss da mit kaputter Soundkarte arbeiten. Klar, bei der visuellen Umsetzung ging man streng nach Protokoll vor und arbeitete akribisch die Checkliste ab, was ein sommerliches HipHop-Video so braucht: Kühle Getränke. Titten. Sonne. Titten. Europäische Sportwägen. Titten. Strand. Ahja, und Titten wären auch nicht verkehrt. Aber abgesehen von diesen niedlichen Piano-Licks ist das Instrumental der Inkredibles ungefähr so sommerlich wie ein T-Shirt vom Snowman. Die Synthies wirken wie aus der Mottenkiste der Runners geklaut und überhaupt ziemlich beliebig. Ansonsten ist nicht viel los in dem Song. Am Besten ist natürlich wieder Jeezy, ganz der Lyricist: “See me standin here / like a chandelier / gangsta of da year / sippin’ Belvedere”. Darauf einen Wodka O. Oder was auch immer die jungen Leute heutzutage so trinken.
Diese Künstler sind ja allesamt sensible Seelchen, und gerade Rapper machen da keine Ausnahme. Das gilt natürlich auch für Common, der anscheinend letztens bei einem nächtlichen Streifzug festgestellt hat, dass der DJ gar keine Songs von ihm spielt, sondern lieber zum lustigen Schnipsen und Crunken aufruft. Also hat sich der Rapper aus Chicago dazu entschlossen, ein clubtaugliches Sommeralbum namens “Invincible Summer” aufzunehmen. Nun gibt es da zwei Unstimmigkeiten. Zum einen haben einige Plattendreher – mich eingeschlossen – durchaus den ein oder anderen Common-Song auf Parties gespielt: “Go!”, “Southside”, “The People”, ihr kennt sie alle. Zum anderen erscheint das vermeintliche Sommeralbum am 23. September. Aber was soll’s, denn der 36-Jährige hat jüngst zugegeben, dass “barbecues and strippers” zu seinen vorrangigsten Inspirationsquellen während der Albumproduktion gezählt haben – und diese beiden Musen waren bereits in der Vergangenheit wiederholt für ganz große Musik verantwortlich.
So verwundert es nicht, dass die erste offizielle Single “Announcement” zumindest nicht völlig verkehrt ist, denn wo am Anfang die Skepsis überwiegt, fühlt man sich doch mit jedem Durchlauf immer mehr zum pflichtschuldigen Mitbouncen animiert. Das von den Neptunes produzierte Instrumental schafft gleichzeitig den Spagat zwischen Minimalismus und Detailverliebtheit und strahlt trotz seines elektronischen Gewandes noch genug Wärme aus. Einzig der Gastpart von Pharrell ist dank der extra-nervigen Intonation nicht auszuhalten. Lieber bei Common bleiben, der auch sogleich anmerkt: “This is HipHop, baby.” Und die Hände zum Himmel.
Common feat. Pharrell – “Announcement” (Video)
Weniger radikal geht es bei Mos Def zu, der für dieses Jahr noch ein Album namens “The Ecstatic” anstehen hat. Hätte man den 34-Jährigen für das Vorgänger-Machwerk “True Magic” am Liebsten noch dahin geschossen, wohin all die anderen bornierten HipHop-Vögel sich längst zurückgezogen haben, macht der erste geleakte Song namens “The Glow” Lust auf mehr. Der Track featured neben dem extra süßen circa-Ende-der-Sechziger-Soul und dem gesunden Nineties-Vibe nämlich auch einen hungrigen und motivierten Mos, wie er seinen Fans seit den glorreichen Black Star-Tagen nicht mehr untergekommen ist. Gefällt. Das Album soll übrigens Produktionen von Madlib und Kanye West auffahren. Heißer Scheiß, ich rieche dich…