Money Cash Hose

Soul & Funk No Comments

2008 hatte ich ja nach den grandiosen Alben von Erykah Badu, Al Green und Raphael Saadiq kurz die Hoffnung gehabt, dieser alte Sack Soul könnte die Kurve doch noch kriegen. Mittlerweile sind diese kühnen Gedanken wieder verflogen, denn an die Stelle eines neuen, frischen Windes sind dann doch nur wieder Iterationen des immergleichen Themas getreten. Zum Glück gibt es jedoch noch Ausnahmen. Da wäre zum Beispiel Jesse Boykins III, dessen Debütalbum “The Beauty Created” zu den größten Überraschungen der vergangenen Spielzeit zählt. Bestes Beispiel ist Jesses neue Single “Pantyhose”, die natürlich prinzipiell auch eine Soul-Ballade mit den üblichen Schweinereien ist, aber auf der trotzdem vieles besser gemacht wird als bei den einschlägigen Genre-Kollegen. Denn bei denen trieft traditionell alles, was nur im entferntesten balladesk daher kommt, vor Kitsch und ist dementsprechend unhörbar. Der 23-Jährige wiederum ist einer der derzeit wenigen Künstler, die ihre zweifelsohne vorhandenen Skills auch mit den nötigen Eiern in der Hose kombinieren: “Baby, I don’t wanna bother, don’t wanna stress / I just wanna watch you get undressed / You’re a hard worker, I’m so impressed / But I wanna see you in your pantyhose.” Da geht was.

Jesse Boykins III – “Pantyhose” (Video)

(flo)

Get ‘em Girls

Clubsounds, Eastcoast, HipHop, Mixtapes No Comments

Also, mal sehen. Was hab ich da vor acht Monaten gleich nochmal geschrieben? “Es gibt Dinge, die sind in jedem Jahr gleich: “Last Christmas” landet in den Charts, der TSV 1860 spielt eine sensationell schlechte Rückrunde, und 50 Cent versucht bei jedem Album, an dem er beteiligt ist, zuerst einen für die Ladies raus zu hauen.” Korrekt. Zugegeben, der Wham!-Evergreen scheint langsam, aber tatsächlich seinen schon längst überfälligen Tod zu sterben, und was die Münchner Löwen so in der Rückrunde treiben werden, ist auch noch nicht abzusehen. Auf den ollen Fifty ist aber wie immer Verlass. Im Zuge der nahenden Veröffentlichung von “Before I Self Destruct” ist nämlich die erste Single des G-Unit-Vorstehers ins Netz durchgesickert, und “I Get It In” ist eigentlich genau der Song geworden, den man von Curtis Jackson erwarten konnte. “Look, as soon as I step in the club I swear my nigga you can feel the attention shift / Started around twelve ended up around two I better leave with more hoes than i came here with.” Etc. pp. Leider oder zum Glück – je nach Betrachtungsweise – ist der Song nicht so versaut und pornös geworden, wie der Songtitel suggeriert. Was bleibt, ist ein hypnotisch vor sich hinflötender Beat aus den Maschinen von Dr. Dre und ein interessanter Flow von Fifty, aber mehr irgendwie auch nicht. Mehr vom Gleichen halt. Aber Fifty hat ja schon bei “Curtis” ein paar Singles zum Aufwärmen gebraucht…

50 Cent – “I Get It In”

Rechtzeitig zur Premiere des Notorious B.I.G.-Biopics in den USA haut DJ Parler ein Tribute-Mixtape raus. Wer die vergangenen Arbeiten des New Yorker DJs kennt, der weiß, was er hier geboten bekommt: Die größten Hits von B.I.G., jeweils clever kombiniert mit den ursprünglichen Sample-Quellen. 59 Minuten reichen natürlich niemals aus, um einen angemessenen Überblick über das Schaffen von Big Poppa zu geben, aber von “Juicy” zu “Ten Crack Commandments”, von “Kick In The Door” zu “Hypnotize” – die großen Hits sind drauf. Insgesamt also eine gewohnt vergnügliche und des großen B.I.G. voll und ganz würdige Veranstaltung. Brooklyn we go hard.

DJ Parler – “Samplology: The Notorious Chapter” Mixtape (Infos + Download)

(flo)

Bring The Noise

Eastcoast, HipHop, Sonstiges, Westcoast 2 Comments

Seit der zurecht gehypten Santogold fällt der Scheinwerfer der Industrie stärker auf Künstler, die ahnungslose Musikjournalisten gerne unter dem unsäglichen Begriff “Afro-Punk” zusammenfassen. Zugegeben, The Noisettes sind eher unverdächtig, nur im Fahrwasser von Santi White nach oben gespült worden zu sein, denn dafür ist das Trio aus London schon zu lange im Geschäft unterwegs. So droppten die Noisettes bereits 2007 ein von der Kritik gefeiertes Album über Universal. Nun gibt es wieder neues Material von den Briten zu hören, und “Wild Young Hearts” (aus dem gleichnamigen Album) ist definitiv eine spaßige Nummer geworden. Ebenso wild wie der Song sind auch die Vergleiche zu The Raconteurs, die von fachkundigeren Kommentatoren als mir gezogen wurden – aber ich kann definitiv sehen, wo die herkommen. Mal sehen, was 2009 mit den Dreien so geht. Bis dahin kann man sich wunderbar die Wartezeit auf der MySpace-Page der drei Londoner vertreiben.

The Noisettes – “Wild Young Hearts” (Video)

Ebenso schwer angesagt derzeit ist Asher Roth, wobei ich den Hype um den 22-Jährigen aus Pennsylvania überhaupt nicht nachvollziehen kann. Dieses aufgesetzte College-Boy-Image sowie seine Songthemen sind vollkommen uninteressant, rappen kann er sowieso nicht und ein hässlicher Vogel ist Asher obendrein. Rapmusik für BWL-Studenten. Seine derzeitige Radio-Single “I Love College” ist daher eigentlich auch ein Fall für den Ordner mit verzichtbarem MP3-Restmüll, aber sobald Jim Jones auf den Remix hüpft, ändert sich die Lage natürlich schlagartig. Denn mit dem Harlemiten bekommt der Song plötzlich alles, was man braucht: Swagger und Punchlines. Oder genereller gesprochen: Eier. “I can’t lie, I did a semester / just to get fresh and i was gonna get sexed up.” Poppin’ Champagne kommt eben doch besser als jede Studentenparty.

Asher Roth feat. Jim Jones – “I Love College” (RMX)

Sehr beeindruckt hat mich derweil der neue MySpace-Track von Blu, gewissermaßen dem Meister für Grown-Ass Rap Music. “TilWeDie” ist ein melancholischer, wunderschöner Track, der ein an sich schon ausgelutschtes Sample intelligent zu flippen weiß. Besser kriegt man seinen BoomBap derzeit wohl kaum serviert.

Blu – “TilWeDie”

(flo)

Party Life

Clubsounds, Deutschland, Eastcoast, HipHop 1 Comment

Unsereins hat noch einen Brummschädel von den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel, da hat Harris schon den Soundtrack für alle Parties parat, die dieses Jahr auf die Feiermeier dieser Erde zukommen werden. Der Berliner hat sich nämlich mit den Schweizer Plattendrehern DJ Sweap und Pfund 500 zusammen getan und das “Ab In Club”-Mixtape aufgenommen, das bereits seit dem 19. Dezember erhältlich ist. Ein Video gibt’s jetzt auch, und die gleichnamige Single “Ab in Club” ist natürlich ein abartiges, wenn auch relativ konventionelles Club-Brett geworden. Harris verteilt dabei Liebe an die Ladies, den Barkeeper, den DJ und deine Mama aunomma – das heißt, wenn er nicht gerade im Dadaisten-Style unterwegs ist. Selten hat ein “Nanananana” so den Beat gekillt. Hater und sonstige hässliche Vögel mögen an dieser Stelle einwerfen, dass die ganze Angelegenheit schon arg von der anderen Seite des großen Teiches inspiriert ist, aber solche Debatten haben in Harrys Welt voller Gras, Becks und Zärtlichkeit natürlich überhaupt keinen Platz. Wir brauchen mehr Menschen mit Visionen.

DJ Sweap & Pfund 500 feat. Harris – “Ab in Club” (Video)

Pünktlich wie die Maurer liefert Skillz auch 2008 wieder seinen “Rap-Up” ab, auf dem er das vergangene Jahr nochmals in Reimform Revue passieren lässt. Die ganz offensichtlichen Themen sind diesmal unter anderem die New England Patriots, die Finanzkrise, und natürlich: Obama. First black president, please believe it / I’m just happy that my Granny got a chance to see it / [...] / Let’s act right and show these kids / We can turn ‘Yes, we can’ into ‘Yes, we did’”. Daneben gilt es natürlich wieder mehr Seitenhiebe auf das amerikanische Rapgeschäft, als ich zählen kann, unter anderem auf Young Buck, 50 Cent oder R. Kelly. Man weiß ja auch, was dieser Typ drauf hat, seit er mal den Boden mit Shaquille O’Neal aufgewischt hat.

Skillz – “Rap Up 2008″

Zum Abschluss noch ein paar Mixtapes, in die ich noch nicht reinhören konnte, die aber sicher super sind. Sind ja auch alles gute Jungs.

DJ Whoo Kid & Lloyd Banks – “The Cold Corner” Mixtape (Download)

Termanology – “If Heaven Was A Mile Away – A Tribute To Dilla” Mixtape (Download)

DJ Kitsune – “A New Winter Affair” Mixtape (Infos + Download)

Frohes Neues!

(flo)