Tua – Grau

Deutschland, Electro, HipHop, Review 1 Comment

Tua - Grau

Ich muss zugeben, dass ich meinen ersten Kontakt mit Tua währen dem Orsons Projekt mit Maeckes & PlanB, sowie Kaas hatte. War das ganze doch eine eher fröhliche Sache, so hatte er aber immer die Rolle des Gegenspielers zu all der Heiterkeit der anderen inne.
Sein neues, komplett selbst produziertes Album Grau ist auch eher dunkler Natur. Die Instrumentalisierung ist relativ elektronisch gehalten, aber sehr eigen und das ist, was dieses Album ausmacht. Interessant sind auch die zwischendurch eingestreuten instrumental Songs, welche die einzelnen Lieder verknüpfen. Im Gegensatz zu vielen aktuelleren Releases denkt man bei keinem Track „Hey das hab ich schonma gehört“. Ein gutes Beispiel wäre der zweite Teil des Intros „Es regnet“, der komplett vom Instrumental und einer Mädchenstimme, die „Man fühlt gar nichts mehr, man wird ganz gleichgültig und grau“ wiederholt getragen.
Neben einigen gesungenen Parts, kommen natürlich die Raps nicht zu kurz. Hier überzeugt Tua mit, gewohnt solider Technik, die sich angesichts der Themen und der grandiosen Instrumentals aber nicht total in den Vordergrund drängt.
Die Storys sind erstaunlich reell, geht es mal um Einzelschicksale „Bilder“,  um Gott „Kyrie Eleison“,  oder um eine Abtreibung „Ohne Titel“.
Letzterer Titel ist so real, dass man danach ein wenig verstört ist, wie bei Curses „Lila“.
Features braucht Tua eigentlich nicht, es findet sich nur „Vasee“ auf Bruder und Savas auf „Kein Problem“. Diese tragen aber zur Atmospäre des Gesamtkunstwerks bei und liefern solide Ware ab.
Insgesamt kann man festhalten, dass Tua Anfang 2009 schon für einen der Höhepunkte des Jahres gesorgt hat.  Den lang erwarteten Nachfolger zu „Nacht“ kann man in kein Genre einteilen, es handelt sich viel mehr um ein abstraktes Gebilde aus Klangkonstruktionen. Wird sicherlich nicht jedem Gefallen, aber ist so frei von allen Zwängen wie ein Album nur sein kann.
Ganz großes Kino
9/10
(Martin)

Still Dreamin’

Deutschland, HipHop, R'n'B 2 Comments

Auch wenn mir die selbsternannten Gralshüter des deutschen HipHops gleich ordentlich aufs New Era-Käppi geben werden: Mit Tone konnte ich noch nie so recht etwas anfangen. Klar, die Technik des Frankfurters ist nach beinahe 20 Jahren im Spiel scharf wie ein Katana-Schwert, aber leider hat der 34-Jährige genau einen Flow und denkt gar nicht erst an so etwas wie Variation. Es hat schon einen Grund, warum man ihn den “Reimroboter” nennt. Trotz allem ist Anthony Wolz natürlich vollkommen zu Recht eine Legende des deutschen HipHops, die eine treue Fanbase um sich gescharrt hat. Die musste beinahe vier Jahre auf ein neues Lebenszeichen von Tone warten, doch nun meldet sich der Frankfurter zurück. “Deutschrap” heißt die erste Single aus dem am dritten April erscheinenden Album “Phantom”, und darauf liefert Tone seinen Fans genau das, was sie von ihm hören wollen: Aggressive, technisch versierte Battle-Raps auf schweren, elektronischen Beats. Ziel der Tone’schen Verbalattacken ist vor allem die (mittlerweile auch nicht mehr so junge) Deutschrap-Generation von der Straße, die bisweilen bekanntlich etwas zu wenig Augenmerk auf Technik und Liebe zur Kultur legt: “Du musst nur sagen, dass du von der Straße bist / auch wenn die Wahrheit ist, dass du eigentlich von der Sesamstraße sprichst”. Dabei klingt der 34-Jährige durchaus etwas verbittert, aber wenn sich das einer erlauben darf, dann Tone. Immerhin hat er auch durchaus wertvolle Ratschläge parat: “Wenn du nicht rappen kannst, halt die verdammte Fresse”. Das sollten sich wirklich einige Leute zu Herzen nehmen.

Tone – “Deutschrap” (Video)

Auf der anderen Seite des großen Teichs werkelt derweil The-Dream ganz eifrig daran, sein neues, heute erschienenes Album “Love Vs. Money” unter die Leute zu bringen. Was liegt da als Promo-Maßnahme näher als ein Video zum Remix einer zum Superhit avancierten Single mit vier Superstars des US-HipHop? Vermutlich so einiges, außer natürlich, man hat das entsprechende Budget. So oder so hat es Terius Nash geschafft, auf dem Remix von “Rockin’ That Shit” Fabolous, Juelz Santana, Rick Ross und Ludacris zu versammeln. Da fehlt eigentlich nur noch Weezy. Auch so ist das ein starkes Team, und so ist es natürlich nicht überraschend, dass der Remix der ohnehin schon starken Original-Version einiges hinzuzufügen weiß. Die beste Strophe gehört natürlich Luda, der einfach so mal den lyrischsten Verse abliefert, den man je auf einem R&B-Remix zu hören bekam: “Melt your imagination and mold it into reality / Your heart’s my art gallery, girl / Can you feel the pictures that I painted / ‘Cause all of them are related like a mother and a son / But none of them overrated / There no others, you the one / Our destiny is to make it.” Der alte Frauenversteher.

The-Dream feat. Fabolous, Juelz Santana, Rick Ross, Ludacris – “Rockin’ That Shit” (RMX) (Video)

(flo)

Kopfsport – Hart aber Herzlich

Deutschland, HipHop, Review 1 Comment

Ich weiß nicht ob man Kopfsport noch als Newcomer bezeichnen sollte, sind die Jungs Daster, Menace und First Strike schon seit ’98 unterwegs. Zunächst war jeder noch in unterschiedlichen lokalen Crews in Raum Augsburg/Landsberg (für die Unwissenden: ca. 80km von München entfernt)  tätig. Nach der Mitarbeit Dasters auf einer Ep von Menace beginnt man zusammenzuarbeiten und sind seit 2007 unter dem Namen Kopfsport bekannt.
Letztes Jahr waren sie unter anderem am genreübergreifenden Augsburger Stadtsampler “11-Tausend – Deine Stadt Dein Ding“ beteiligt. Außerdem gab es Auftritte im BR und auf lokalen Festivals.
So weit zur Geschichte, hier liegt nun das Debütalbum „Hart aber Herzlich“ vor mir, es finden sich 10 Tracks und 3 Remixe auf der Scheibe.
Was einem beim ersten Durchhören sofort auffällt ist, dass die Beats sehr melodisch sind und die Texte sehr lyrisch und inhaltvoll. Mir gefallen auch die zahlreichen Cuts von First Strike, man fühlt sich wieder so ans Ende der 90er Jahre zurückversetzt.

Mit „Heiliger Rasen“ beginnt das Album gleich mit einem netten Burner konstruiert aus einem straight nach vorne gehenden Beat garniert mit Fußballmetaphern. Nach „Hart aber Herzlich“ ist das Album benannt. Zwar hat man das Sample schon das ein oder andere Mal gehört, aber es ist trotzdem ein ganz netter Representer herausgekommen. „Schiffschaukel“ ist dann wieder ein eher nachdenklicher Track und genau dieser Typ von Song gefällt mir bei Kopfsport. Lyrisch ausgefeilte Texte mit Niveau auf samplebasiertem Boom-Bap. Das ganze Album ist sehr kohärent, es macht daher wenig Sinn auf weitere Tracks einzugehen, dennoch hat jeder Song ein eigenes Konzept und transportiert einen eigenen Vibe.

Der einzige Kritikpunkt ist, dass der Flow gelegentlich etwas holprig ist („Mamacita“) und man die Remixe nicht unbedingt gebraucht hätte.
Meine Empfehlung ist aber dennoch: Supportet den Nachwuchsact und kauft euch die Scheibe, hier steckt echt Herzblut drin, ihr werdets nicht bereuen. Man kann das ganze direkt auf www.kopfsport.com bestellen, der Preis von 10 Euro ist sehr fair, zudem gibt’s dort auch den Free Track „Mamacita“. Demnächst gibts das ganze auch auf ITunes, sowie in eurem Plattenladen.

8/10

Party Life

Clubsounds, Deutschland, Eastcoast, HipHop 1 Comment

Unsereins hat noch einen Brummschädel von den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel, da hat Harris schon den Soundtrack für alle Parties parat, die dieses Jahr auf die Feiermeier dieser Erde zukommen werden. Der Berliner hat sich nämlich mit den Schweizer Plattendrehern DJ Sweap und Pfund 500 zusammen getan und das “Ab In Club”-Mixtape aufgenommen, das bereits seit dem 19. Dezember erhältlich ist. Ein Video gibt’s jetzt auch, und die gleichnamige Single “Ab in Club” ist natürlich ein abartiges, wenn auch relativ konventionelles Club-Brett geworden. Harris verteilt dabei Liebe an die Ladies, den Barkeeper, den DJ und deine Mama aunomma – das heißt, wenn er nicht gerade im Dadaisten-Style unterwegs ist. Selten hat ein “Nanananana” so den Beat gekillt. Hater und sonstige hässliche Vögel mögen an dieser Stelle einwerfen, dass die ganze Angelegenheit schon arg von der anderen Seite des großen Teiches inspiriert ist, aber solche Debatten haben in Harrys Welt voller Gras, Becks und Zärtlichkeit natürlich überhaupt keinen Platz. Wir brauchen mehr Menschen mit Visionen.

DJ Sweap & Pfund 500 feat. Harris – “Ab in Club” (Video)

Pünktlich wie die Maurer liefert Skillz auch 2008 wieder seinen “Rap-Up” ab, auf dem er das vergangene Jahr nochmals in Reimform Revue passieren lässt. Die ganz offensichtlichen Themen sind diesmal unter anderem die New England Patriots, die Finanzkrise, und natürlich: Obama. First black president, please believe it / I’m just happy that my Granny got a chance to see it / [...] / Let’s act right and show these kids / We can turn ‘Yes, we can’ into ‘Yes, we did’”. Daneben gilt es natürlich wieder mehr Seitenhiebe auf das amerikanische Rapgeschäft, als ich zählen kann, unter anderem auf Young Buck, 50 Cent oder R. Kelly. Man weiß ja auch, was dieser Typ drauf hat, seit er mal den Boden mit Shaquille O’Neal aufgewischt hat.

Skillz – “Rap Up 2008″

Zum Abschluss noch ein paar Mixtapes, in die ich noch nicht reinhören konnte, die aber sicher super sind. Sind ja auch alles gute Jungs.

DJ Whoo Kid & Lloyd Banks – “The Cold Corner” Mixtape (Download)

Termanology – “If Heaven Was A Mile Away – A Tribute To Dilla” Mixtape (Download)

DJ Kitsune – “A New Winter Affair” Mixtape (Infos + Download)

Frohes Neues!

(flo)

2030 Radical Man

Deutschland, HipHop No Comments

Also, dieses “Neopunk” ist schon eine Bitch, alles was recht ist. Selten hat mich ein Album so lange genervt, bis ich mir dann doch eingestehen musste, dass es eigentlich ein kleines Meisterwerk ist. Ähnlich wie bei “808 & Heartbreak” funktionieren die meisten Songs auf dem jüngsten Streich von Prinz Pi nur im Kontext zueinander, entfalten aber dann eine umso größere Wirkung. Eine der wenigen Ausnahmen hierbei ist “2030″, welches der Berliner nun auch als Single ausgekoppelt hat. Neben dem verträumten Instrumental von Biztram hat mich vor allem das liebenswerte Songkonzept sofort überzeugt. Auf dem Track skippt Pi ein paar Jahrzehnte vor, entwirft ein Szenario vom Leben im Jahr 2030 und erzählt davon, wie sich seine (imaginären) Kinder über all die seltsamen antiquitierten Sachen wundern, die ihr Vater noch auf dem Speicher liegen hat: CD’s, Musikzeitschriften, Kopfhörer, iPhones. “Die Kinder fragen / ‘Warum habt ihr weite Jeans getragen?’ / Sie belächeln mein altes iPhone als wäre es ‘ne Schiefertafel / [...] ‘Warum waren die Fernseher so dick, wie konnt’ man die zusammen falten / Wer waren damals die Firmen, die unser Land verwalten?’” Eine nicht ganz so furchteinflößende Zukunftsvision wie Robocop, aber trotzdem: Schöne Scheiße. Leider bringt das Video aufgrund der unglaublich schlechten Soundqualität den Charme des Songs nicht ansatzweise herüber, daher habe ich hier noch den Stream beigefügt. Service-Gedanke und so.

Prinz Pi – “2030″ (Stream)

Prinz Pi – “2030″ (Video)

Außerdem Pflichtprogramm: Die neue 12-Inch von Royce Da 5’9”. Der Detroiter wird den meisten noch von der Killersingle mit Eminem von vor ein paar Jahren bekannt sein, deren Namen ich allerdings schon längst wieder vergessen habe. Seitdem hat sich der 31-Jährige eher dünn gemacht, sich mit Ghostwriting-Auftragsarbeiten für Branchengrößen wie Diddy über Wasser gehalten, sein eigenes Label “M.I.C. Records” gegründet und zwischendrin ist er auch mal in den Knast eingefahren. Zuletzt hat sich Ryan Montgomery jedoch mit DJ Premier im Studio eingeschlossen. Good News, definitiv, was “Shake This” auch eindrucksvoll bestätigt. Selten hatte ein HipHop-Song so viel Blues, so viel Liebe, so viel Melancholie. “Now picture me falling / all the way to the bottom and I’m laying and calling / ‘Somebody come help me!’ / Found my strift to stop drinking, it’s poison / ‘fore I try my gift, and yeah it’s propably unhealthy / ’cause I went so hard and woke up sober / I lost my good friend and broke up soldiers.” Krass.

Royce Da 5’9” – “Shake This” (Video)

(flo)

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