When You Were Young

Deutschland, Dirty South, HipHop, R'n'B, Sonstiges No Comments

Bushido. Karel Gott. Alphaville. Was zunächst wie die fürchterliche Idee eines verpickelten Mash-Up-Sesselpupsers klingt, ist nun tatsächlich die zweite Single aus Bushidos Album “Heavy Metal Payback” geworden. “Für immer jung” covert (zumindest im Refrain) den 80′er-Klassiker “Forever Young” der Münsteraner Synthpop-Typen von Alphaville, und Karel Gott (of Biene Maja-Fame) liefert den Chorus. Diese Mischung gestaltet sich dank einer erfreulich kitschfreien Umsetzung und der starken Delivery Bushidos überraschend schmerzfrei. Der 30-Jährige schlüpft hier in die Rolle eines Familienvaters und beleuchtet dessen Probleme: Aufmüpfige Kinder, unterkühltes Verhältnis zur Frau, kranke Eltern. Besonders Letzteres bringt Bushido authentisch und eindringlich herüber – hier gibt es auch die größten Überschneidungen mit der eigenen Biographie: “Genieß den Augenblick, wenn du mit deinen Freunden bist / diesen Moment mit deiner Mutter, denn dann freut sie sich / irgendwann wird sie gehen / genieß den Augenblick, den du gerade mit ihr teilst, alles andere braucht sie nicht”. File under: Gute, eigenständige deutsche Popmusik. Und Karel Gott ist auch ein echt guter Sänger. Da, jetzt hab ichs gesagt.

Bushido feat. Karel Gott – “Für immer jung” (Video)

Ich hab nicht mehr viel Zeit, daher hier nur ein kurzer Verweis auf das neue Lil’ Wayne-Video zusammen mit Bobby Valentino. File under: Irgendwie dämlich, aber auch irgendwie großartig.

Lil’ Wayne feat. Bobby Valentino – “Mrs. Officer / Comfortable” (Video)

(flo)

Everything Is Cool

Dirty South, Eastcoast, HipHop, Sonstiges, Soul & Funk No Comments

Immer noch der Go-To-Guy für geschmackssichere Soul-Schmeichler: Anthony Hamilton. Nach den vergangenen Großtaten auf dem “American Gangster”-Soundtrack sowie auf dem Al Green-Album legt der 37-Jährige nun ein neues Soloalbum namens “The Point Of It All” vor. Die Sinnfrage scheint sich Anthony auch im neuen Video namens “Cool” zu stellen, denn egal, was er anfasst: Es geht schief. Der Kaffee schmeckt nicht, der Fernseher versagt seinen Dienst, der Automotor platzt – und das ausgerechnet dann, wenn man gutaussehende Damen zu becircen hat. Kennt man ja. Ähnlich sympathisch sind auch die Lyrics: “We don’t have to worry about groceries / we can fill up on love alone / if we ain’t got enough for a movie / we can just sit at home.” Wie Hamilton jeglichen Kitsch gekonnt umschifft und dennoch zum Punkt kommt, ist nach wie vor unerreicht. Dann klappt’s auch mit den Ladies. Ahja: Einen Gastvers vom selbsternannten Landei David Banner gibt es auch, um dem corny Instrumental nochmal das extra Landluft-Feeling zu verpassen. Schön.

Anthony Hamilton feat. David Banner – “Cool” (Video)

Ziemlich groß geraten ist auch der neueste Gastbeitrag von Jay-Z, der den Remix der dritten Coldplay-Single “Lost!” aus dem aktuellen Album “Viva la Vida or Death and All His Friends” mit einer dritten Strophe veredelt. Dafür packt Grey Hova dem Anlass entsprechend mal wieder seinen “Beach Chair”-Flow aus und referiert gekonnt zum Thema “What do I think of success? / It sucks, too much stress”: “See Martin, see Malcolm / see Biggie, see Pac, see success and its outcome / see Jesus, see Judas / see Caesar, see Brutus, see success is like suicide.” Der Mann wird schon wissen, wovon er spricht. Ahja, der Song ist (wie das Album übrigens) ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Coldplay feat. Jay-Z – “Lost!” (RMX)

(flo)

Slap Boxing

Dirty South, Eastcoast, HipHop No Comments

Dass diese Nummer mit kurzen Haaren und jetzt mal ganz doll ernst sein beim Konsumenten nicht wirklich gut ankommt, musste ja schon der Kollege Busta Rhymes schmerzlich erfahren. Auch Ludacris wendet sich nach dem ungewohnt introspektiven “Release Therapy” wieder dem zu, was er am Besten kann: Dem kunstvollem Eier schaukeln nämlich. Die dritte Single aus seinem neuen Album “Theater Of The Mind” bietet daher auch Swagger Galore mit der ein oder anderen kunstvollen Punchline. “And I got da women screamin’ / and they could catch my balls on any given sunday like my name’s Willy Beaman.” Ganz recht. Garniert wird das Ganze mit einem Marvin Gaye-Sample (glaub ich zumindest), das die Basis für ein weiteres Brett aus dem Hause Don Cannon bildet. Riecht schwer nach Sureshot.

Ludacris – “Undisputed” (Video)

All den Rappern, die schon eine gefühlte Ewigkeit lang zu spät mit ihrem Album dran sind, hat Juelz Santana eines voraus: Der hat nämlich gleich zwei Alben in der Pipeline. Neben dem Soloalbum “Born To Lose, Bred To Win” (das möglicherweise zu einer Art Skull Gang-Sampler umfunktioniert wird) steht da nämlich noch das Kollabo-Album mit Lil’ Wayne an. Passenderweise gibt der 25-Jährige jetzt auch gleich zwei Lebenszeichen von sich: Während “Pick & Roll” (zusammen mit Weezy) ein bitterböse vor sich hin waberndes Synthie-Brett ist, geht es auf “Up In Harlem” vom kommenden DJ Kaylsay-Album “More Than Just A DJ” sehr viel ruhiger und souliger zu. Um eine beliebte Waschzettelphrase zu bemühen: Für jeden was dabei!

Lil’ Wayne & Juelz Santana – “Pick & Roll”

DJ Kayslay feat. Juelz Santana, Hell Rell, J.R. Writer – “Up In Harlem”

(flo)

Hate All You Want

Deutschland, Dirty South, HipHop No Comments

Schwere Zeiten für die Internet-Kids. Chamillionaire legte mit dem grandiosen “Internet Nerd’s Revenge” vor, und nun zieht der Berliner Marteria nach. Auf “Jack Hate’s Todesliste” schlüpft der 25-Jährige in die Rolle eines Internet-Nerds, der seine Idole für sein gescheitertes Leben verantwortlich macht. Denn: “Rap durchlebt Todesqualen / Rap ist Untergrund und gehört nicht in die großen Hallen.” So ziemlich jeder deutsche Rapper – inklusive Marteria selbst sowie dessen Alter Ego Marsimoto – kriegt hier sein Fett weg, was natürlich die eigentlich angesprochenen Internet-Kids sofort dazu veranlasst, den Song für einen Rundumschlag, Diss-Track, Promostunt und was weiß ich zu halten. Ganz langsam nochmal zum Mitschreiben: Nein. Ansonsten bleibt eine interessante Themenwahl, viele gute Ideen und eine hervorragend gelungene, äußerst psychotische Umsetzung. Ein bisschen beleidigt bin ich trotzdem. Ich mein, im Internet Haten ist schließlich auch mein täglich Brot.

Marteria – “Jack Hate’s Todesliste” (Video)

“Sommerfeeling pur” versprechen uns die geschätzten Kollegen von hiphop.de bei Young Jeezy‘s neuem Video “Vacation”. Irgendjemand muss da mit kaputter Soundkarte arbeiten. Klar, bei der visuellen Umsetzung ging man streng nach Protokoll vor und arbeitete akribisch die Checkliste ab, was ein sommerliches HipHop-Video so braucht: Kühle Getränke. Titten. Sonne. Titten. Europäische Sportwägen. Titten. Strand. Ahja, und Titten wären auch nicht verkehrt. Aber abgesehen von diesen niedlichen Piano-Licks ist das Instrumental der Inkredibles ungefähr so sommerlich wie ein T-Shirt vom Snowman. Die Synthies wirken wie aus der Mottenkiste der Runners geklaut und überhaupt ziemlich beliebig. Ansonsten ist nicht viel los in dem Song. Am Besten ist natürlich wieder Jeezy, ganz der Lyricist: “See me standin here / like a chandelier / gangsta of da year / sippin’ Belvedere”. Darauf einen Wodka O. Oder was auch immer die jungen Leute heutzutage so trinken.

Young Jeezy – “Vacation” (Video)

(flo)

South Side Story

Clubsounds, Deutschland, Dirty South, HipHop, Sonstiges No Comments

Die “We The Best”-Blase aus Miami rund um den unermüdlichen DJ Khaled spuckt ja momentan im Minutentakt neue Künstler aus. Der frischeste Hype hört auf den Namen Ace Hood und konnte bereits eine Menge Buzz in den USA generieren. Das Debütalbum “Gutta” wird am 23. September erscheinen, bis wohin man sich die Zeit wunderbar mit der mittlerweile dritten Single “Get ‘Em” vertreiben kann, zu der es seit kurzem auch ein Video gibt. Der Track verschafft einen guten Eindruck darüber, wo denn Aces Stärken auszumachen sind: In der hungrigen Performance, in der generellen Angrifflust, in der technischen Versiertheit. Währenddessen muss man natürlich aufpassen, nicht vom gewohnt überbordenden Instrumental überfahren zu werden. Aber wen wundert’s? Immerhin steckt Khaled dahinter! Eine unterhaltsame Angelegenheit ist das Ganze trotzdem.

Ace Hood – “Get ‘Em” (Video)

Es ist gar nicht so lange her, da hat man in Berlin auf die Frage nach künstlerischen Inspirationsquellen immer nur streng auf das eigene Camp verwiesen. Nun, Tony D. war in dieser Hinsicht schon immer ein wenig die vielzitierte Ausnahme von der Regel, aber mit seiner neuen Single geht auch der Aggroberliner noch einen Schritt weiter. “Der Mann mit dem Klang” (jep) ist nämlich eine astreine Hommage an die lebendige Berliner House-Szene und gleichzeitig verdammt lustig. Denn lyrische Perlen aus der Schreibfeder von Tony Disko gibt’s auch zur Genüge: “Du brauchst diesen Bass / und ich brauch diesen Bass”. Um es mit dem Video zu sagen: “Nix für Hurensöhne!”

Noch trashiger ist da nur das neue Video von Frauenarzt & Manny Marc. Die beiden Berliner haben sich nämlich mit dem berüchtigten House-Schrägstrich-Volksmusiksänger Alexander Marcus zusammen getan, und das Ergebnis klingt genauso, wie man es erwartet. “Florida Lady” heißt dieser Trash-HipHop-Electro-Bastard, und ich kann mir gut vorstellen, dass der Song in den einschlägigen Sündenpfuhlen rund um den Münchner Hauptbahnhof eifrig gefeiert werden wird. Hat schon eine klein wenig eklige Ästhetik, das Ganze. Kenner halten übrigens Ausschau nach der Ab 18-Version des Videos, die in den nächsten Tagen auf YouTube auftauchen soll. Drei Tage wach!

Tony D. – “Der Mann mit dem Klang” (Video)

Frauenarzt & Manny Marc feat. Alexander Marcus – “Florida Lady”

(flo)

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