Independence Day

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Wow, ich hätte das nie gedacht. Aber es ist passiert: Ich mag tatsächlich die neue Ne-Yo-Single! Bisher konnte ich mich für die Heularien des 25-Jährigen nie so recht erwärmen, aber mit “Miss Independent”, der zweiten Single aus dem am zwölften September erscheinenden Album “Year of the Gentleman”, hat N zu dem O tatsächlich einen großen Wurf gelandet. Textlich gesehen ist der Song natürlich der übliche Schmeichelschmu, aber das trancige Instrumental und die interessanten Drums halten “Miss Independent” stets interessant und verhindern einen allzu balladesken Einschlag. Und singen kann dieser Ne-Yo ohnehin wie ein Mutterficker. Fairerweise muss ich allerdings dazu sagen: Das großartige Video, in dem unter anderem Keri Hilson sowie die beiden Schauspielerinnen Lauren London und Gabrielle Union mitwirken (für die Ladies: Trey Songz macht auch mit), trägt sicherlich seinen Teil dazu bei, dass ich diese ganze Sache so super finde. Wenn in einer von Frauen dominierten Berufswelt tatsächlich alle Kollegen und Vorgesetzten von heißen Fegern mit endlos langen Beinen ersetzt werden, dann brauchen wir ganz dringend neue Quotenregelungen.

Ne-Yo – “Miss Independent” (Video)

Scharfe Geschütze werden auch in Atlanta aufgefahren, wo T.I. gerade fieberhaft an der Promotion seines am 30. September erscheinenden Albums “Paper Trail” werkelt. Clifford Harris kann dabei mit einigen Pfunden wuchern: Nicht nur hat der 27-Jährige Gäste wie Justin Timberlake oder Rihanna auf dem Album, er kann auch mit einer Super-Kollabo aufwarten, die am Wochenende ins Internet durchsickerte. “Swagger Like Us” heißt der Song und featured Kanye West, Jay-Z sowie Lil’ Wayne. Oder um es mit T.I.P. persönlich zu sagen: “You go see Weezy for the wordplay / Jeezy for the birdplay / Kanyeezy for diversity and me for controversy”. Der Beat – produziert von Mr. West – enthält außerdem ein ziemlich sickes M.I.A.-Sample und interessante Military Drums. All good also? Nicht ganz, denn das Instrumental wird von ziemlich billigen MIDI-Synthies komplettiert, was den Gesamteindruck nicht unerheblich schmälert. Lyrisch liefern die vier beteiligten Interpreten jeweils eine solide, aber keine überragende Performance ab. Geht schon durch, das Ganze – aber man hätte sich schon mehr erhofft. Noch kurz eine Nachhilfestunde vom ollen Grey Hova: “But I can’t teach you my swag / you can pay for school but you can’t buy class.” So sieht’s aus.

T.I. feat. Kanye West, Jay-Z, Lil’ Wayne – “Swagger Like Us”

Mir ist aufgefallen: Anstatt immer wieder Kollegah‘s herausragende Punchlines zu loben, könnte ich sie auch einfach für sich selbst sprechen lassen. Hier also ein Best-Of seines neuen Freetracks auf dem Beat von Nas“Hero”: “An jedem x-beliebigen Tag trinkt er drei Coffee 2 Go / und treibt vier Mütter deutscher Rapper in die Prostitution.” – “Und die Außentasche meiner La-Martina-Daunenjacke / enthält eine Walther wie der Frauenknast / dein Leben hängt am seidenen Faden wie der halbkanadische Deutsche / beim allabendlichen Säubern seiner Zahnzwischenräume.” – “Kid, mein Rap hat keine Botschaft wie die Nordkoreaner.” – “Anderes Thema: Neulich bekam ich mehrere Sozialstunden. / Und, um ehrlich zu sein: ein rundum angebrachtes Urteil / wie meine Rolexlünette: Ein rundum angebrachtes Uhrteil”. Was soll man da noch sagen. Grandios, anhören.

Kollegah – “Hero”

(flo)

Too Many Felonies

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Zuvor “Fremd im eigenen Land”, und nun “Südberlin Maskulin”. Schon bei seinem letzten Solo-Album ist Fler mit der Wahl seines Albumtitels auf herbe Kritik gestoßen, nachdem er ihn ausgerechnet von Advanced Chemistry ausborgte und den Kontext auch noch um 180 Grad wendete. Für sein nächstes, im August anstehendes Projekt hat Fler nun auch seinen eigenen Namen geändert, denn für sein neues Kollabo-Projekt zusammen mit Godsilla wird der 26-Jährige wieder als Frank White firmieren – ein Pseudonym, dass er als letztes auf “Carlo, Cokxxx, Nutten” mit Bushido verwendete (und ebenso geklaut ist, diesmal von Notorious B.I.G.). Verwirrend? Stimmt, aber es wird noch besser: “Südberlin Maskulin” ist nämlich eine Anlehnung an Westberlin Maskulin, die legendäre Berliner Rap-Formation, die aus Kool Savas und Taktlo$$ bestand und die um die Jahrtausendwende den Grundstein für das Genre des Berliner Battle-Rap legte. Nun weckt ein solcher Titel natürlich unweigerlich Erwartungshaltungen, die Fler und Silla kaum erfüllen können – auch, weil die beiden aus der mittlerweile recht ausgelutschten Straßenrap-Kiste weder ausbrechen können noch wollen. Die erste Single “Wenn der Beat nicht mehr läuft” zeigt dieses Dilemma deutlich auf: Aus diesem gewohnt böse rollenden Instrumental mit Walküren-Sample könnten Erstliga-Rapper garantiert einiges machen, aber die beiden Protagonisten kommen leider nicht über die Aneinanderreihung bloßer Plattitüden hinaus. “Ich bin wie ich bin und verstell mich nicht / Deutschrap ist eine Nutte und ich schell die Bitch”. Äh ja, super. Speziell Fler hat ja seit einiger Zeit das Problem, nur noch krampfhaft in Doppelreimen zu flexen, im Versuch, somit aufzuzeigen, dass er technisch nicht so sehr limitiert ist, wie es ihm immer wieder vorgeworfen wird. Doch leider werden dadurch viele Zeilen einfach nur holprig und konfus: “Ich hab so oft einfach sinnlos gedisst / und wenn ich nicht mehr disse, merkst du dann wie sinnlos du bist.” Genau fünf Jahre nach “Vom Bordstein bis zur Skyline” scheint deutscher Straßenrap in einer Sackgasse angekommen zu sein. Und Fler und Godsilla sind leider nicht diejenigen, die ihn in eine neue Richtung führen können. Ihr dürft mich jetzt hassen.

Frank White & Godsilla – “Wenn der Beat nicht mehr läuft”

Dann doch lieber Mariah Carey, die bei jedem neuen Video vor dem Problem steht, ein noch kürzeres Outfit auftreiben zu müssen. Nun, für die neue Single “I’ll Be Lovin’ U Long Time” hat das ja gerade nochmal geklappt, aber langsam wird es wirklich eng. Die Outfits sind es schon längst. Die Musik? Äh ja, der Song ist eine nette sommerliche Feel-Good-Nummer, die vor allem durch die für DJ Toomp so typischen Synthie-Flächen und harten Snares hervorsticht. Wo sich der Tomper herumtreibt, da ist T.I. natürlich nicht weit – so ein bisschen Promo kann im Angesicht des kommenden “Paper Trail”-Releases auch nicht schaden. Im Video wirkt der Trapmuziker zwar etwas verloren zwischen all dem Dschungel-Gewächs, aber Clifford Harris ist gewohnt souverän, wenn es darum geht, eine Portion Asphaltgeruch in eine R&B-Nummer einzubringen. Natürlich ist das kein Vergleich zu seinem letzten großen Genre-Ausflug namens “My Love” – aber der Song ist auch nicht zu toppen.

Mariah Carey feat. T.I. – “I’ll Be Lovin’ U Long Time” (Video)

(flo)

One In A Milli

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Der Typ ist und bleibt ein Phänomen. In Zeiten, in denen die meisten Bediensteten in der Musikindustrie nicht mehr wissen, wie eine siebenstellige Zahl überhaupt aussieht, setzt Lil’ Wayne mal eben über eine Million Kopien von “Tha Carter III” ab – alleine in den USA und alleine in der ersten Woche. Interessant dabei ist, dass Dwayne Carter sich weiterhin eine gesunde No-Bullshit-Attitüde bewahrt hat. Denn wie sonst ist zu erklären, dass die nächste Single ausgerechnet “A Milli” ist, seines Zeichens der interessanteste, aber am wenigsten massenkompatible Song des Albums? Nun muss man zu dem Track leider wissen, dass die Album-Version nichts ist im Vergleich zum Original, das auf dem grandiosen “Da Drought Is Over”-Mixtape kursierte – ein wenig Enttäuschung ist also vorprogrammiert. Denn während Weezy sich auf der Mixtape-Version noch wie vom Affen gebissen von Zeile zu Zeile hangelte und generell wie ein komplett Wahnsinniger klang, wirkt das hier alles ein wenig müde und uninspiriert. Lobend hervorzuheben ist allerdings das interessante Konzept des Videos, in dem Wayne einfach in der Drehpause eines anderen Videoshoots zu sehen ist. Auch wenn diese rote Hose natürlich überhaupt nicht geht.

Lil’ Wayne – “A Milli” (Video)

Geschätzte drei Milliarden Mixtapes sind mir heute in den Posteingang gespült worden, von denen ich die besten natürlich umgehend weiterreichen will. Da hätten wir zum einen The Kid Daytona, der ein äußerst ambitioniertes Projekt für alle Freunde der alten Schule auf die Beine gestellt hat. Auf “A Tribe Called Fresh” interpretiert der New Yorker mit der Hilfe einiger prominenter Freunde die größten Hits von – richtig geraten, A Tribe Called Quest. Wer sich einen Eindruck davon verschaffen möchte, mit wie viel Respekt und Liebe zum Detail hier vorgegangen wurde, dem sei das Video zu “Stressed Out ’08″ empfohlen, auf dem nicht nur Exilbritin Estelle beeindruckend souverän den Part von Faith Evans übernimmt, sondern auch die frisch wiedervereinigten Capone-N-Noreaga ein paar Zeilen droppen.

In Frankfurt hat derweil der stets spendable DJ Kitsune eine wahre Mixtape-Offensive begonnen. Auf djkitsune.com hat der Shadyville-DJ bereits zwei absolut hörenswerte Mixtapes mit Sommerhits aus den ’80ern bzw. ’90ern online gestellt, ein weiteres soll folgen. Worum es in dem dann geht? Schwer zu erraten…

Last but auf keinen Fall least wäre hier noch DJ Drama zu nennen, dem in Sachen Gemischtkassetten ja auch Geben oftmals seliger denn Nehmen ist. Für die neueste Ausgabe seiner “Gangsta Grillz”-Serie namens “The City Is In Good Hands” hat sich der DJ aus Atlanta die Hilfe von niemand geringerem als Vocoderpromoter-Countrysänger-Monknebendarsteller-und-ja-manchmal-auch-noch-Rapper Snoop Dogg gesichert. Raw Shit!

The Kid Daytona – “A Tribe Called Fresh” (Download)

DJ Kitsune – “An 80′s Summer Affair” & “A 90′s Summer Affair” (Download)

Snoop Dogg & DJ Drama – “The City Is In Good Hands” (Download)

The Kid Daytona feat. Capone-N-Noreaga & Estelle – “Stressed Out ’08″ (Video)

(flo)

My Swag

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“I did a song / to make it known that the king lives on.” Nein, keine Sorge, T.I. ist nicht plötzlich unter die Minnesänger gegangen. Vielmehr behandelt Clifford Harris in “No Matter What”, der ersten Single aus dem am neunten September erscheinenden Album “Paper Trail” seine Vergangenheit von den Trapper-Tagen bis hin zum millionenschweren MC, lässt dabei auch tief in sein Innerstes blicken und kommt dabei natürlich nicht ohne Seitenhiebe auf gewisse Hater aus, die im Nebenberuf prominente Rapper sind. Produziert ist der Song von Timbalands Assistenten Danja, auch bekannt als bestbezahlter Studiogehilfe der Welt, der T.I.P. einen langsamen Orgel-Schmeichler mit Synthie-Einschlag spendiert hat. Auffällig dabei ist, wie sehr sich die Stimme des Trapmuzikanten von den vorherigen Releases unterscheidet – im Gegensatz zum samtweichen Bariton von Songs wie “What You Know” klingt er plötzlich wie eine Mischung aus DJ Quik und Franky Kubrick. Mit Erkältung. Nichtsdestotrotz natürlich Bombe, das alles. Das Video ist zweckmäßig, aber unterstreicht den Vibe des Songs sehr gut. Ob dieser Aufzug-Schrägstrich-Käfig, in dem T.I. die Hälfte des Clips verbringt, irgendetwas mit seinem Hausarrest zu tun hat, sei dabei einmal dahingestellt.

T.I. – “No Matter What” (Video)

Währenddessen nutzt The Game die kurzen Wege in der Promimetropole Los Angeles, indem er für seine neue Single “Dope Boys” kurzerhand Travis Barker verpflichtet, dem ja durchaus eine gewisse Rap-Affinität nachgesagt wird. Tatsächlich schafft es der Ex-Blink 182-Drummer, das schwere Instrumental (mit Beatles-Sample!) angemessen zu veredeln, während Game wieder seine patentierte Mischung aus Selbstbeweihräucherung und OldSchool-Referenzen bemüht. Unter’m Strich ist “Dope Boyz” also eigentlich nur ein in jeder Hinsicht schlechteres “99 Problems” – aber das ergibt eben immer noch einen guten Track. Besonders lustig ist auch das “Video”, in dem sich Travis einen Wolf drummt und Game nur stoisch daneben steht und zu allem Überfluß auch noch sein Gesicht mit einem Bandana verhüllt. Wird der Typ etwa schon wieder von der Polizei gesucht?

The Game feat. Travis Barker – “Dope Boys” (Video)

Apropos “99 Problems”: Selbstverständlich wäre dieser Eintrag nicht komplett, wenn er nicht Footage von Jay-Z‘s Auftritt auf dem Glastonbury Festival enthalten würde, auf dem der God MC mit einem Cover von Oasis“Wonderwall” Noel Gallagher ein metaphorisches “Fuck You” entgegenbringt. Classic.

Jay-Z – “Wonderwall / 99 Problems” (Live @ Glastonbury Festival)

(flo)

Acceptable In The 80′s

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Ein Gutes hat es ja, dass die Absätze auf dem Musikmarkt kontinuierlich einbrechen: Mehr und mehr Künstler schielen nicht mehr auf die Verkaufszahlen (weil sich ohnehin nichts mehr verkauft, egal, was man tut) und machen einfach das, worauf sie Bock haben. So zum Beispiel Phonte von jedermanns Lieblings-Backpacker-Gruppe Little Brother, der sich mit dem Detroiter Producer Zo! zusammen getan hat, um ein Kollabo-Projekt der besonderen Art aufzunehmen. Zo! & Tigallo Love The 80′s lautet der offizielle Titel, unter dem dieses Duo firmiert, und der Name ist Programm: Mit Akribie, Ernst und erstaunlich wenig Ironie covern die beiden nämlich die größten Hits der ’80er (ihr wisst schon, diese Epoche, in der MTV noch Videos gespielt hat). Nun kann man von A-Ha‘s “Take On Me” und ganz speziell von Toto‘s “Africa” ja halten, was man will – aber diese Cover-Versionen muss man einfach mögen. Mein Favorit der bislang nur drei auf der MySpace-Page des Duos verlinkten Songs ist allerdings die Interpretation von “Steppin’ Out” des früh wieder vergessenen Joe Jackson. Aber da war ja bereits das Original eine Bombe. Wer was anderes behauptet, der lügt oder hat keine Ahnung. Word.

Zo! & Tigallo Love The 80′s @ MySpace

Ansonsten bleibt halt noch T.I., der ja bekanntlich ganz eigene Probleme mit seiner Vergangenheitsbewältigung hat. Nachdem Clifford Harris mit einem Waffenarsenal erwischt wurde, das wohl für mittelgroße kolumbianische Drogenkartelle ausgereicht hätte, konnte er mit Hilfe eines ebenso großen Teams aus Anwälten gerade noch so einer drohenden Gefängnisstrafe entgehen, muss nun aber nicht wenige Sozialstunden ableisten. Das heißt, wenn er nicht gerade unter Hausarrest steht. Zeit zum Aufnehmen findet der selbst ernannte König des Südens aber dennoch, immerhin steht für den zweiten September auch der Release seines sechsten Studio-Albums “Paper Trail” an, mit dem der Trap-Muziker vor der schwierigen Aufgabe steht, die beiden letzten Blockbuster-Alben “King” und “T.I. vs. T.I.P.” zu toppen. Der neueste geleakte Track heißt “A Better Day” und featured einen T.I. von seiner nachdenklicheren Seite sowie einen Scott Storch, den man zur Abwechslung mal nicht dafür dissen muss, was für einen Müll er da schon wieder fabriziert hat. Dazu gibt es noch ein Glockenspiel im Hintergrund, eine gewohnt überbordende (aber nichtsdestotrotz sehr gute) Hook und… naja, das war’s eigentlich schon. Trotzdem: Rundes Ding.

T.I. – “A Better Day”

(flo)

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