Bring The Noise

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Seit der zurecht gehypten Santogold fällt der Scheinwerfer der Industrie stärker auf Künstler, die ahnungslose Musikjournalisten gerne unter dem unsäglichen Begriff “Afro-Punk” zusammenfassen. Zugegeben, The Noisettes sind eher unverdächtig, nur im Fahrwasser von Santi White nach oben gespült worden zu sein, denn dafür ist das Trio aus London schon zu lange im Geschäft unterwegs. So droppten die Noisettes bereits 2007 ein von der Kritik gefeiertes Album über Universal. Nun gibt es wieder neues Material von den Briten zu hören, und “Wild Young Hearts” (aus dem gleichnamigen Album) ist definitiv eine spaßige Nummer geworden. Ebenso wild wie der Song sind auch die Vergleiche zu The Raconteurs, die von fachkundigeren Kommentatoren als mir gezogen wurden – aber ich kann definitiv sehen, wo die herkommen. Mal sehen, was 2009 mit den Dreien so geht. Bis dahin kann man sich wunderbar die Wartezeit auf der MySpace-Page der drei Londoner vertreiben.

The Noisettes – “Wild Young Hearts” (Video)

Ebenso schwer angesagt derzeit ist Asher Roth, wobei ich den Hype um den 22-Jährigen aus Pennsylvania überhaupt nicht nachvollziehen kann. Dieses aufgesetzte College-Boy-Image sowie seine Songthemen sind vollkommen uninteressant, rappen kann er sowieso nicht und ein hässlicher Vogel ist Asher obendrein. Rapmusik für BWL-Studenten. Seine derzeitige Radio-Single “I Love College” ist daher eigentlich auch ein Fall für den Ordner mit verzichtbarem MP3-Restmüll, aber sobald Jim Jones auf den Remix hüpft, ändert sich die Lage natürlich schlagartig. Denn mit dem Harlemiten bekommt der Song plötzlich alles, was man braucht: Swagger und Punchlines. Oder genereller gesprochen: Eier. “I can’t lie, I did a semester / just to get fresh and i was gonna get sexed up.” Poppin’ Champagne kommt eben doch besser als jede Studentenparty.

Asher Roth feat. Jim Jones – “I Love College” (RMX)

Sehr beeindruckt hat mich derweil der neue MySpace-Track von Blu, gewissermaßen dem Meister für Grown-Ass Rap Music. “TilWeDie” ist ein melancholischer, wunderschöner Track, der ein an sich schon ausgelutschtes Sample intelligent zu flippen weiß. Besser kriegt man seinen BoomBap derzeit wohl kaum serviert.

Blu – “TilWeDie”

(flo)

Party Life

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Unsereins hat noch einen Brummschädel von den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel, da hat Harris schon den Soundtrack für alle Parties parat, die dieses Jahr auf die Feiermeier dieser Erde zukommen werden. Der Berliner hat sich nämlich mit den Schweizer Plattendrehern DJ Sweap und Pfund 500 zusammen getan und das “Ab In Club”-Mixtape aufgenommen, das bereits seit dem 19. Dezember erhältlich ist. Ein Video gibt’s jetzt auch, und die gleichnamige Single “Ab in Club” ist natürlich ein abartiges, wenn auch relativ konventionelles Club-Brett geworden. Harris verteilt dabei Liebe an die Ladies, den Barkeeper, den DJ und deine Mama aunomma – das heißt, wenn er nicht gerade im Dadaisten-Style unterwegs ist. Selten hat ein “Nanananana” so den Beat gekillt. Hater und sonstige hässliche Vögel mögen an dieser Stelle einwerfen, dass die ganze Angelegenheit schon arg von der anderen Seite des großen Teiches inspiriert ist, aber solche Debatten haben in Harrys Welt voller Gras, Becks und Zärtlichkeit natürlich überhaupt keinen Platz. Wir brauchen mehr Menschen mit Visionen.

DJ Sweap & Pfund 500 feat. Harris – “Ab in Club” (Video)

Pünktlich wie die Maurer liefert Skillz auch 2008 wieder seinen “Rap-Up” ab, auf dem er das vergangene Jahr nochmals in Reimform Revue passieren lässt. Die ganz offensichtlichen Themen sind diesmal unter anderem die New England Patriots, die Finanzkrise, und natürlich: Obama. First black president, please believe it / I’m just happy that my Granny got a chance to see it / [...] / Let’s act right and show these kids / We can turn ‘Yes, we can’ into ‘Yes, we did’”. Daneben gilt es natürlich wieder mehr Seitenhiebe auf das amerikanische Rapgeschäft, als ich zählen kann, unter anderem auf Young Buck, 50 Cent oder R. Kelly. Man weiß ja auch, was dieser Typ drauf hat, seit er mal den Boden mit Shaquille O’Neal aufgewischt hat.

Skillz – “Rap Up 2008″

Zum Abschluss noch ein paar Mixtapes, in die ich noch nicht reinhören konnte, die aber sicher super sind. Sind ja auch alles gute Jungs.

DJ Whoo Kid & Lloyd Banks – “The Cold Corner” Mixtape (Download)

Termanology – “If Heaven Was A Mile Away – A Tribute To Dilla” Mixtape (Download)

DJ Kitsune – “A New Winter Affair” Mixtape (Infos + Download)

Frohes Neues!

(flo)

Crushin’ (Yeeeaah!)

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Ich weiß nicht, ob die internationalen Finanzmärkte das gebraucht haben, aber jetzt haben sie’s: Den Soundtrack zur Finanzkrise. Wenigstens stammt der nicht von irgendwelchen Heulbojen wie Enya oder so, sondern von den ehrenwerten Herren von N.E.R.D. Deren dritte Single “Sooner Or Later” war freilich nicht als Krisen-Kantate gedacht, sondern hat eher einen breiteren Ansatz und bleibt im Vagen. Aber dass Zeilen wie die folgenden nun einmal recht passend sind, ist kaum zu bestreiten: “Sooner or later it all comes crushing down / Crushing down / When everyone’s around / I bet you would’ve paid up or you’ll cash down / and not make a sound.” Der Song an sich gehörte zu den stärksten Tracks des ohnehin schon unverschämt starken “Seeing Sounds”-Albums – wie nach der Bridge plötzlich mit harten Snares der Refrain hereinprescht und Pharrell seine Coldplay-Gedächtnis-Performance hinlegt, gehört zweifelsohne zu den besten musikalischen Momenten 2008. “It’s over, leave it”? Näh, lieber nochmal Repeat gedrückt.

N.E.R.D. – “Sooner Or Later” (Video)

“All I do is party”. Wer es in diesen schwierigen Zeiten gerne etwas hedonistischer hätte, der ist wie immer beim Kollegen N.O.R.E. gut aufgehoben. Victor Santiago Jr. hat sich nämlich auf die neue Single des kanadischen Electro-Duos MSTRKRFT verirrt und gibt dort den Tanzbär. Ein 120 Kilo schwerer Reggaetone-Typ aus Queens im Video irgendwelcher Elektronik-Nerds aus Toronto – diese Mischung ist genauso grotesk, wie sie sich anhört. Gerade deswegen ist “Bounce” jedoch ein veritabler Abreißer für das Tanzlokal deiner Wahl geworden, auch weil man vermutlich ohnehin keinen besseren Hypeman gefunden hätte als Noreaga. Schon irgendwie scheiße, das alles, aber letztendlich doch super.

MSTRKRFT feat. N.O.R.E. – “Bounce” (Video)

(flo)

Roc Boys

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Schöne Menschen und Käse – eine geradezu explosive Mischung. Das hat sich wohl auch DJ Kitsune gedacht, der für die zweite Single aus seinem Debütalbum “Victory” Harris und Jonesmann zum gemeinsamen Braggen ‘n Boasten versammelt hat. Der konsequenterweise “Wer kann schöner sein” betitelte Track lässt mich verwundert über den Fakt zurück, dass Harry und SJ tatsächlich noch nie gemeinsam auf einem Song zu hören waren – denn der Vibe stimmt hier von vorne bis hinten. Auf einem böse vor sich hinrollenden Industrial-Stomper von Crada überbieten sich der Berliner und der Frankfurter gegenseitig mit über-arroganten Punchlines: “Ich bummel durch die Booth, kack rein, Kids feiern meine Moves”. Nicht zur Nachahmung empfohlen. Schön auch, dass Harry am Ende seiner Strophe Chuck Norris-Witze salonfähig macht.

DJ Kitsune feat. Harris & Jonesmann – “Wer kann schöner sein” (Video)

Super ist auch der neueste im Netz zirkulierende Jay-Z-Remix, auf dem Ex-Blink 182-Drummer und Überlebenskünstler Travis Barker “Jockin’ Jay-Z” mit seinen Drumsticks veredelt. Ich hab allerdings keine Ahnung, wo diese trashigen Gitarren herkommen, aber man gewöhnt sich ja an alles. Insgesamt eine gute Sache, das alles, vor allem, wenn man der örtlichen Dorfdisco die Originalversion nicht so recht schmackhaft machen kann. “Somebody should’ve told him I’m a fuckin’ rockstar”? In der Tat.

Jay-Z – “Jockin’ Jay-Z (Travis Barker RMX)”

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Der Fotograf Vasily Konstantin hat ein kostenloses Online-Magazin im Flash-Format namens “HHNoise” gestartet. In der “Ausgabe Null” gibt es interessante Interviews und Fotostrecken mit unter anderem Kool Savas, T.I. und Curse. Viel Spaß!

HHNoise Mag, Ausgabe Null

(flo)

Hello Brooklyn

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Keiner an der Ecke hat so viel Swagger wie er. Als wäre das nicht schon jedem klar, hat Jay-Z nun ein weiteres Manifest seiner Ausnahmestellung im Spiel vom Stapel gelassen. Der neu im Netz zirkulierende Song namens “Go Hard” featured Santogold am Refrain sowie Kanye West am Beat, und ist eine verdammt monströse Hymne über den New Yorker Stadtteil Brooklyn, in dem Jigga den Großteil seines Lebens verbracht hat. Während Shawn Carter in der ersten Strophe noch Ansage nach Ansage dropped und grob geschätzt drei neue Flows erfindet, wird es im zweiten Verse eher introspektiv und selbstreferentiell: “Mama never had an abortion / Papa sorta did / still I managed to live / I go hard / I owe it all to the crib / now tell me: What the fuck’s harder than this?” Da geraten der Gastbeitrag von Santi White sowie Yeezy’s hymnisches Beatgerüst fast schon zur Nebensache. Der Track wird übrigens nicht auf Jigga’s nächstem Soloalbum, sondern auf dem Soundtrack zum kommenden Notorious B.I.G.-Biopic “Notorious” enthalten sein. Der hatte zum Thema “Swagger” ja auch einiges zu sagen…

Jay-Z feat. Santogold – “Brooklyn Go Hard”

Mein Posteingang quillt mal wieder über vor neuen Mixtapes. Doch die Perlen waren diesmal schnell gefunden: Da hätten wir zum einen Clipse, die uns als Vorgeschmack auf das neue, ungeduldig erwartete Album “Till The Casket Drops” ein neues Mixtape vorlegen. “Road To Till The Casket Drops” ist in Zusammenarbeit mit dem Complex Magazine sowie der Urban-Wear-Linie Play Clothes entstanden und featured insgesamt neun Mal Malice und Pusha T, wie sie sich ein paar der heißesten Beats der letzten Monate annehmen. So etwas ist in der Regel bestenfalls unspektakulär, aber wie die beiden Thornton-Brüder Instrumentals wie “Pop Champagne”, “Feds Takin’ Pictures” oder sogar “Addiction” von Ryan Leslie pulverisieren, ist einmal mehr ein verdammt großer Spaß. Alleine schon die Clipse-Version von “Big Dreams” ist den Download wert – hoffentlich hat The Game gut hingehört und sich Notizen gemacht. Damit er das nächste Mal weiß, wie man so einen Beat zerlegt.

Etwas ruhiger ließ es da der Kollege Colin Munroe angehen. Nach seinem gelungenen “Flashing Lights”-Cover ist es etwas ruhiger um den talentierten Kanadier geworden, doch nun legt uns Colin ein Mixtape namens “Colin Munroe Is The Unsung Hero” vor, auf dem sich prominente Featuregäste wie Black Milk, Joell Ortiz und sogar Mims die Klinke in die Hand drücken. Dass Colins eigenwilliger Stil den großen Soul-Helden der 1960er und ’70er genauso viel schuldet wie irgendwelchen wilden Stadionrock-Eskapaden, macht dieses relativ aufwendig produzierte Tape nur umso interessanter. Da folgt dann schon mal eine astreine PowerPop-Nummer wie “Last Cause” auf ein Bob Dylan-Cover (“Who Killed Davey Moore”). Am besten fahren mir jedoch das rockige “Brick In The Wall” ein, auf dem sich Skyzoo austoben darf, sowie der wilde Genre-Mix namens “Cannon Ball” mit dem mir bislang unbekannten Drake am Gastreim. Eigenständiger Sound, Gespür für große Melodien, geschmackssichere Featuregäste: Da geht was. Von dem Jungen hören wir noch.

Complex & Play Cloths Present Clipse: “Road To Till The Casket Drops” Mixtape (Download)

Colin Munroe – “Colin Munroe Is The Unsung Hero” Mixtape (Download)

(flo)

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