Rebels With A Pause

HipHop, News No Comments

Der Jahreswechsel ist rum, und irgendwie sind sie alle wieder zurück. Kanye West zum Beispiel, der nach dem Tod seiner Mutter ein paar Wochen abgetaucht ist, hat jetzt wieder ein Lebenszeichen in Form eines Blog Entries von sich gegeben. Darin berichtet der LV Don mit geradezu kindlicher Freude darüber, wie er sich auf Jay-Z’s Silvesterparty in seinem Lieblingsspiel “Vier Gewinnt” von Beyonce mal schön hat den Arsch whuppen lassen. Sehr süß. Und ich schätze, wenn ich ein millionenschwerer Rapstar wäre und Silvester mit anderen millionenschweren Rapstars in einem millionenschweren, nagelneuen Club in Las Vegas mit u.a. vergoldetem Boden, Slot Machines und den besten verdammten Truthahnsandwiches der Welt verbringen würde, dann würde ich genau dasselbe tun. “Vier Gewinnt” spielen. Aber manchmal muss man eben aus diesem verfluchten goldenen Käfig ausbrechen.

Apropos Jay-Z, apropos ausbrechen, apropos Gold. Nachdem Jigga vor kurzem seinen Job als Def Jam-Präsident hingeschmissen hat, dreht die Blogosphäre völlig ab, was Gerüchte zur Nachfolge und auch zur beruflichen Zukunft von Grey Hova anbetrifft. Der Fernsehsender CNBC zum Beispiel beruft sich auf Internet-Gerüchte, nach denen Apple mit Jay-Z als Zugpferd und Labelchef eine eigene Plattenfirma hochziehen will. Klingt wie eine superdämliche Idee in meinen Ohren, soll allerdings bald confirmed werden. Hoffentlich stellt mal jemand eine Rechnung auf, wie viele Songs Steve Jobs im iTunes-Store verticken muss, um Jiggas Fantasie-Gehalt wieder reinzuholen. Mein Lieblings-Gerücht zu diesem Thema dreht sich allerdings um den ewig unkaputtbaren Chuck D, seines Zeichens eines der wenigen Public Enemy-Mitglieder, das sich noch nicht lächerlich gemacht hat, indem es Juden disst oder mit kettenrauchenden, hysterischen Dickerchen rumturtelt, die zu allem Überfluss auch noch “New York” heissen. Genau dieser Chuck D also hat sich selbst als nächster Def Jam-Boss ins Gespräch gebracht und sogar schon einen richtigen Business Plan verfasst. Bitte lasst ihn. Ich sehe Public Enemy auf N1-Rotation, den Tod aller Plattenläden und Presswerke, weil Chuck einfach alles über mp3′s verschiebt, und ein DJ Envy-Mixtape voller Flavor Flav-Freestyles über Just Blaze-Beats. Killer. Ahja, und wenn tatsächlich Jermaine Dupri neuer Def Jam-Man (rhyme intended) werden sollte, wie geflüstert wird, verkaufe ich alle meine Rap-Platten, fang an, für die Spex zu schreiben und höre nur noch Retro-Bands, die mit “The” anfangen. Ich jedenfalls hab keinen Bock darauf, auf dem nächsten Juelz Santana-Album Auto-Tune, Balladen mit Glockensamples und/oder Janet Jackson-Features vernehmen zu müssen.

Apropos Auto-Tune. In Zeiten wie diesen muss man ja schon froh sein, wenn Gangsta-Rapper von der Westcoast darauf verzichten, ihre Stimme freiwillig zu kastrieren (der Song und vor allem das Video sind natürlich trotzdem super). Ice Cube ist zum Glück immer noch nothing to fuck with und hält es auf seiner neuen Single “Gangsta Rap Made Me Do It” (Lench Mob) betont Gutta, wie auf seiner MySpace-Seite zu sehen ist. Irgendjemand muss ja einen klaren Kopf unterm LA Raiders-Käppi bewahren, wenn der Rest der Welt plötzlich nur noch Seidenhemden mit V-Ausschnitt anzieht. Überhaupt passiert auf der Vorab-Single zum neuen Album “Raw Footage” erfreulich viel, legt Cube doch auf einem im besten Sinne klassischen Westcoast-Beat von Maestro seine Sicht der Dinge zum Kampf der Politik gegen Gangsta-Rap dar und stellt angesichts von Contra-Affäre, 9/11 und Abu Ghraib die vollkommen berechtigte Frage, auf welcher Seite denn jetzt die wahren Gangster sitzen. Viele Leute vergessen das ja gerne mal. Der Flow ist zwar – euphemistisch ausgedrückt – retro wie sonst was, aber wer für Hollywood den tollpatschigen Familienvater oder den Blaxploitation-Vin Diesel gibt, hat eben nicht mehr so viel Zeit, an den Skills zu feilen. Verziehen, solange das Album besser als “Laugh Now, Cry Later” wird. Ahja, das Video ist natürlich eine verdammte Sensation. “But wasn’t Compton dangerous before Gangsta Rap? – Wrong! Compton was a nature preserve for bunny rabbits!” Hilarious.

Gangsta Rap Made Me Do It

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(flo)

Diplomats – Disney Remixed

Eastcoast, HipHop, News No Comments

Die Diplomats haben in einer größeren Guerilla-Marketing Aktion eine Disney Channel Remixed CD veröffentlicht. Einige Leute in den USA haben nicht schlecht geschaut, als sie für ihre Kinder eine Disney CD gekauft haben, dann aber auf einmal Diplomats Sounds zu hören waren. Das erinnert doch ein bisschen an die legendäre Aktion von Banksy, der gefakte Britney Spears CDs im Virgin Store untergebracht hat. Ein Bild des ganzen will ich euch auch nicht vorenthalten:

Diplomats Disney CD

Als Goodie bekommt ihr noch einen Track aus dem neuen CNN Album.
On our grind
(Martin)

Die Bunkertür geht zu

Deutschland, HipHop, News No Comments

Das sind ja mal beschissene Weihnachten für Deutschrap-Fans - nachdem Eko Fresh und Separate das Mikro an den Nagel gehängt haben, weil sie keine Möglichkeit mehr sehen, mit Musik ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schliesst nun auch das legendäre Berliner Raplabel Royalbunker seine Pforten. Das verkündete zumindest Labelchef und -gründer Marcus Staiger in der Radioshow “Soundgarden” auf dem Berliner Sender Radio Fritz, welche ebenfalls zum letzten Mal über den Äther lief. Mittlerweile ist auf der Website des Bunkers eine offizielle Bestätigung der Schließung zu finden, die viele zuerst für einen schlechten Witz hielten. Demnach sollen 2008 noch ein neues K.I.Z.-Album und ein Best-Of-Sampler erscheinen, und das war’s dann. Im Gegensatz zu Eko und Seppo hat der Rückzug von Marcus Staiger aber vermutlich keinen finanziellen Hintergrund: Zumindest wäre es doch gelacht gewesen, wenn vom K.I.Z.-Hype des Spätsommers nicht wenigstens ein bisschen Hartgeld hängen geblieben wäre. Vielmehr seien zehn Jahre Labelbusiness “einfach genug”, und, wie Staiger gewohnt elaboriert weiter ausführt: “Ich habe keine Lust mehr. Es war schön. Es war großartig. Es war richtig klazze. Jetzt reichts.”

Was aus den auf Royalbunker gesignten Artists wird, ist momentan noch ungewiss. Die einzige Ausnahme stellt der Reutlinger Doubletime-Reimer Tua dar, dessen Signing bereits seit Längerem stolz auf der Website von Deluxe Records vermeldet wird.

Während man sich also im laut.de-Forum gewohnt grenzdebil vor Freude über den Tod eines weiteren “HipHop-Gangsta-Labels” bepisst, bedauern wir die Schließung eine der einflussreichsten Institutionen der Deutschrapgeschichte, durch die so unterschiedliche Künstler wie Kool Savas, Prinz Pi oder K.I.Z. groß wurden. Wir hoffen auf eine Abschiedsparty.

(flo) 

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