Capone N Noreaga – The War Report 2: Report the War
Bewertung: 5 von 6
Label: Iceh2o (Soulfood Music)
Nachdem Raekwon 2009 mit Only Built for Cuban Linx 2 schon für Furore gesorgt hat und den Vibe des Vorgängers perfekt eingefangen und damit eine Art retro Sound ins Jahr 2009 transportiert hat, legte dieses Jahr schon Roc Marciano mit Marcberg ein ebenfalls sehr raw gehaltenes Album nach. Dieser Soundentwurf ist ein klarer Gegenstrom zu den so erfolgreichen Drakes, Weezys und anderen, die den Mainstream dominieren.
Eben genannter Raekwon ist auch executive Producer des kürzlich veröffentlichten War Report 2 von Capone and Noreaga. Nach Raes Erfolg waren die Erwartungen hoch, dass sich auch CNN zusammenreissen und wieder einen Kracher raushauen. Das ist gelungen, denn The War Report 2: Report the war kann über größere Strecken an den Vorgänger mit Klassikerstatus anknüpfen, was ich nach Channel 10 mit zwar einigen guten Nummern, aber auch totalen Gurken wie dem Autotunetrack Rotate, nicht mehr für möglich gehalten hätte. Vermutlich hat da der Erfolg Raekwons die Einsicht gebracht, dass man nicht immer eine kommerzielle Single braucht.
Nach der kurzen Intro Sequenz über den Krieg geht direkt der erste, von Alchemist produzierte, Banger “Pain” los. Hier kommt direkt 90er Vibe auf, denn das Instrumental wird von einem Sample, einer Snare, einer Basedrum und nicht viel mehr getragen, gewissermaßen minimalistisch. Nore und Pone schreiben sich den Schmerz von der Seele und erzählen sehr authentisch aus ihrem Leben. Für die nächsten Hoodtales werden die Experten Jada, Sheek und Styles aka. The Lox ins Boot geholt. Bodega stories ist auch von einer simplen Klaviersequenz getragen und es geht, wer hätte es erwartet, ums Dope-Biz. Klingt simpel gestrickt, ist es auch, aber funktioniert nicht zuletzt dank der Strophen von Lox.
Die weiteren Tracks stellen auch keine grosse Überraschung dar, denn es geht immer um die Hood, Verbrechen, Drogen und Selbstdarstellung. Etwas anderes erwartet man von dem Album auch nicht und dass Nore und Pone darüber etwas zu erzählen haben ist nicht erst seit War Report bekannt.
Bei der weiteren Produzentenauswahl fehlen, vielleicht mit Ausnahme von Buckshot und Green Lantern, die großen Namen. Das tut dem Vibe und der Frische des Albums aber nur gut. Gerade die Instrumentals von Neo Da Matrix (“Hood Pride” (featuring Faith Evans)) und Hazardis Soundz (“The Oath” (featuring Raekwon & Busta Rhymes)) und Buckshot(With me feat. Nas) gefallen mir besonders, wobei letzterer trotz eines verkorksten Nas Part vom Instrumental gerettet wird.
The Oath hingegen ist etwas besonderes. Er dreht sich um den Mafia Eid “The family is the family/
this oath is this oath/and I will die before I break it/and when we grow, we grow as one”, jeweils als
Chorus in verschiedenen Sprachen mit englischer Wiederholung vorgeschlagen. Wenn ihr den Track noch nicht gehört habt glaubt mir, dass das einer der atmosphärischten Tracks in letzter Zeit ist. Absoluter Knaller, der natürlich von der super Feature Auswahl noch abgerundet wird.
Abschliessend kann man sagen, dass ich das Album jedem uneingeschränkt empfehlen kann. Nore und Pone besinnen sich auf ihre Stärken und so kommt ein Album heraus, dessen Kohärenz locker mit OBCL 2, Thank me Later, Marcberg und vielen anderen großen Alben seit “The War Report” mithalten kann. Die etwas schwächeren Tracks Scarface und Favor for a favor zerstören aber nicht das Gesamtbild und man muss auch nicht unbedingt skippen.
Alles in allem eine sehr runde Sache, daher spreche ich eine klar Kaufempfehlung aus.
The Gorillaz sind Anno 2010 zurück. Nach den beiden Alben Gorillaz und Demon Days steht nun mit Plastic Beach ihr drittes Album an. Der merkwürdige Titel kam zustande als Damon Albarn, der Kopf hinter den Gorillaz, Müll am Strand liegen sah.
Das Album selbst ist aber alles andere als Müll, für mich nicht weniger als das beste Release dieses Jahres bisher. Woran ich das festmache? Nun, das Album lief den ganzen Tag und wurde immer noch nicht langweilig. Die Soundkreationen sind sehr vielschichtig, mit Einflüssen aus allen möglichen Genres von orchestralen Stücken bis Electronica. Die Gästeliste liest sich auch recht gut, von DeLaSoul über Mos Def & Snoop bis Kano ist alles dabei, sogar eine Brass Band und ein Orchester ließen sich zu Kollaborationen überreden.
Nach einen von Streichern getragenem Intro heisst euch der gute Snoop gleich willkommen in Plastic Beach. Musikalisch wird der Track vom Hypnotic Brass Ensemble getragen. Das ganze ist tatsächlich sehr hypnotisch und eingängig. Danach kommt mit White Flag auf dem Kano, Bashy und das Lebanese National Orchestra for Oriental Arabic Music gefeatured sind und gleich einen ersten Höhepunkt des Albums markiert. Rhinestone Eyes ist dann wieder ein typischer Gorillaz Track mit Gesang und chilligem Groove. Stylo, die erste Single mit Mos Def und Bobby Womack, folgt und führt die Reihe sehr guter Tracks weiter. Bei Superfast Jellyfish mit DeLaSoul musste ich bei dem Chorus irgendwie an das Vampire Weekend Album denken, denn die Tracks klingen sehr ähnlich. Ich will euch jetzt nicht mit noch mehr Trackbeschreibungen langweilen, hört euch einfach den synthie getriebenen Sound selbst an. Für mich handelt es sich hier um ein großes Stück Musik mit Wiederhörwert, auch wenn insgesamt etwas die Kohärenz fehlt. Aber das ist sicherlich gewollt bei der verwobenen Mischung aus Stilrichtungen.
Fazit: Für den HipHop Head vermutlich nicht das richtige, aber wer nur ein bisschen was für Alternative übrig hat findet hier ein sehr cooles Album.
Ich muss zugeben, dass ich meinen ersten Kontakt mit Tua währen dem Orsons Projekt mit Maeckes & PlanB, sowie Kaas hatte. War das ganze doch eine eher fröhliche Sache, so hatte er aber immer die Rolle des Gegenspielers zu all der Heiterkeit der anderen inne.
Sein neues, komplett selbst produziertes Album Grau ist auch eher dunkler Natur. Die Instrumentalisierung ist relativ elektronisch gehalten, aber sehr eigen und das ist, was dieses Album ausmacht. Interessant sind auch die zwischendurch eingestreuten instrumental Songs, welche die einzelnen Lieder verknüpfen. Im Gegensatz zu vielen aktuelleren Releases denkt man bei keinem Track „Hey das hab ich schonma gehört“. Ein gutes Beispiel wäre der zweite Teil des Intros „Es regnet“, der komplett vom Instrumental und einer Mädchenstimme, die „Man fühlt gar nichts mehr, man wird ganz gleichgültig und grau“ wiederholt getragen.
Neben einigen gesungenen Parts, kommen natürlich die Raps nicht zu kurz. Hier überzeugt Tua mit, gewohnt solider Technik, die sich angesichts der Themen und der grandiosen Instrumentals aber nicht total in den Vordergrund drängt.
Die Storys sind erstaunlich reell, geht es mal um Einzelschicksale „Bilder“, um Gott „Kyrie Eleison“, oder um eine Abtreibung „Ohne Titel“.
Letzterer Titel ist so real, dass man danach ein wenig verstört ist, wie bei Curses „Lila“.
Features braucht Tua eigentlich nicht, es findet sich nur „Vasee“ auf Bruder und Savas auf „Kein Problem“. Diese tragen aber zur Atmospäre des Gesamtkunstwerks bei und liefern solide Ware ab.
Insgesamt kann man festhalten, dass Tua Anfang 2009 schon für einen der Höhepunkte des Jahres gesorgt hat. Den lang erwarteten Nachfolger zu „Nacht“ kann man in kein Genre einteilen, es handelt sich viel mehr um ein abstraktes Gebilde aus Klangkonstruktionen. Wird sicherlich nicht jedem Gefallen, aber ist so frei von allen Zwängen wie ein Album nur sein kann.
Ganz großes Kino
9/10
(Martin)
Ich weiß nicht ob man Kopfsport noch als Newcomer bezeichnen sollte, sind die Jungs Daster, Menace und First Strike schon seit ’98 unterwegs. Zunächst war jeder noch in unterschiedlichen lokalen Crews in Raum Augsburg/Landsberg (für die Unwissenden: ca. 80km von München entfernt) tätig. Nach der Mitarbeit Dasters auf einer Ep von Menace beginnt man zusammenzuarbeiten und sind seit 2007 unter dem Namen Kopfsport bekannt.
Letztes Jahr waren sie unter anderem am genreübergreifenden Augsburger Stadtsampler “11-Tausend – Deine Stadt Dein Ding“ beteiligt. Außerdem gab es Auftritte im BR und auf lokalen Festivals.
So weit zur Geschichte, hier liegt nun das Debütalbum „Hart aber Herzlich“ vor mir, es finden sich 10 Tracks und 3 Remixe auf der Scheibe.
Was einem beim ersten Durchhören sofort auffällt ist, dass die Beats sehr melodisch sind und die Texte sehr lyrisch und inhaltvoll. Mir gefallen auch die zahlreichen Cuts von First Strike, man fühlt sich wieder so ans Ende der 90er Jahre zurückversetzt.
Mit „Heiliger Rasen“ beginnt das Album gleich mit einem netten Burner konstruiert aus einem straight nach vorne gehenden Beat garniert mit Fußballmetaphern. Nach „Hart aber Herzlich“ ist das Album benannt. Zwar hat man das Sample schon das ein oder andere Mal gehört, aber es ist trotzdem ein ganz netter Representer herausgekommen. „Schiffschaukel“ ist dann wieder ein eher nachdenklicher Track und genau dieser Typ von Song gefällt mir bei Kopfsport. Lyrisch ausgefeilte Texte mit Niveau auf samplebasiertem Boom-Bap. Das ganze Album ist sehr kohärent, es macht daher wenig Sinn auf weitere Tracks einzugehen, dennoch hat jeder Song ein eigenes Konzept und transportiert einen eigenen Vibe.
Der einzige Kritikpunkt ist, dass der Flow gelegentlich etwas holprig ist („Mamacita“) und man die Remixe nicht unbedingt gebraucht hätte.
Meine Empfehlung ist aber dennoch: Supportet den Nachwuchsact und kauft euch die Scheibe, hier steckt echt Herzblut drin, ihr werdets nicht bereuen. Man kann das ganze direkt auf www.kopfsport.com bestellen, der Preis von 10 Euro ist sehr fair, zudem gibt’s dort auch den Free Track „Mamacita“. Demnächst gibts das ganze auch auf ITunes, sowie in eurem Plattenladen.
Freiheit ist in der Juice zum Album des Monats gekürt worden. Man sollte jedoch immer mit etwas Skepsis an Reviews rangehen, aber die Platte musste trotzdem her. Ich habe den Kauf nicht bereut, denn Curse stellt irgendwie den Gegenstrom zu großen Teilen der Szene da, die inhaltlich nichts zu sagen haben, bzw. deren Inhalte mich nicht ansprechen. Zudem ist zumindest abseits der MZEE Edition kein Rapfeature auf dem Album zu finden, dafür illustre Größen wie Marius Müller Westernhagen, Silbermond, Xavier Naidoo oder Clueso.
Gerade bei dem Silbermond Feature war ich anfangs sehr skeptisch, aber nach mehrmaligem Höhren geht die Nummer immer noch gut ins Ohr und ist für mich eines der Highlights der Platte, obwohl es sich eher um eine Popbalade als um straighten Rap handelt. Allgemein fällt auf, dass das Album sehr poppig gehalten ist. Angefangen bei den sehr pianolastigen Instrumentals setzt sich das ganze durch die oben erwähnten Features fort. Curse spricht hier ganz klar nicht den 13 jährigen Aggro Berlin Fan an, sondern bewusst eine ältere Zielgruppe, die sich über die Songs gedanken machen. Einige der Inhalte wird ersterer auch gar nicht nachvollziehen können, grade die Songs über Beziehungen gehen sehr tief. Die Texte sind zum teil sehr schockierend gehalten, so erzählt Lila die Geschichte eines im Teenageralter schwanger gewordenen Mädchens, dessen Weg in der Psychatrie endet. Insgesamt lässt sich feststellen, dass alle Texte( vielleicht mit Ausnahme des ironischen Gold) sehr tief gehen und einen auch zum Nachdenken anregen.
Alles in allem kommt ein sehr gutes Album heraus, auch wenn sehr poppig gebe ich hier eine ganz klare Kaufempfehlung.
9/10
Goodvibes: Lila ft. Jaguar Wright, Bis zum Schluss ft SIlbermond, Gold