Review: Erykah Badu – “New Amerykah – Part One (4th World War)”
März 11, 2008 Review, Soul & Funk No Comments
“I don’t know what to do about the recession and the inflation and about the crime in the streets, all I know is that you’ve got to get mad!”, raunzt einem eine männliche Stimme in der Mitte des Albums entgegen. Erykah Badu selbst sprach im Vorfeld von “New Amerykah” davon, “für ihre Rasse und ihren Planeten” sprechen zu wollen und unterlegt dies mit dem Cover der Platte, auf dem ihre Afro-Frisur gleichzeitig eine Collage aus Dollar-Zeichen, Militärfahrzeugen und Handschellen ist. Doch wie aufrührerisch und politisch ist das Album wirklich? Und was geht überhaupt mit der Musik?
Tatsächlich hat Badu auf “New Amerykah” eine Menge zu sagen, begeht aber mitnichten den Fehler, den viele andere Kollegen aus der Indie-Szene immer wieder begehen: Der musikalische Part wird nicht zugunsten des lyrischen vernachlässigt, was die Platte vielschichtiger macht und sie somit tatsächlich mehr als einmal gehört werden muss, um sie in ihrer ganzen Dimension begreifen zu können; beim groben Hinhören nimmt man ansonsten nämlich höchstens die vereinzelt auftretenden Shoutouts an Louis Farrakhan wahr. Alleine der Intro-Track “Amerykahn Promise” – ein Roy Ayers-Cover – ist eine beispielhaft exerzierte Verneigung vor dem Blaxploitation-Kino der Siebziger, ähnlich wie das an sich stark afrozentrische “Master Teacher” mit der großen NeoSoul-Hoffnung Georgia Anne Muldrow, das auch losgelöst von den Lyrics einen großen Song abgäbe. Erykah ist – wie jeher – nicht zu stolz, ihre Message(s) in einen groovenden, aber dennoch eigenständigen Sound zu verpacken, der dem Jazz mindestens so viel schuldet wie dem Funk und somit wieder ins Gedächtnis ruft, woher diese Vergleiche mit Billie Holiday gleich nochmal stammen.
Interessant ist auch, wie viel die Texanerin von ihrer Persönlichkeit und ihrem Leben preisgibt. Mit dem von Madlib produzierten und an dieser Stelle bereits ausgiebig gefeierten “The Healer” setzt sie sich nicht nur als “Priestess of HipHop” ein spirituelles Denkmal, sondern fasst auch ihren Abschiedsschmerz vom großen J Dilla in gebührende Worte. Im darauf folgenden, programmatisch betitelten “Me” geht Erykah in schonungsloser Ehrlichkeit in medias res: “This year i turned 36 / damn it seems it came so quick / my ass and legs have gotten thick / it’s all me”. “New Amerykah” funktioniert für die Protagonistin somit nicht nur als Denkansatz über die Welt und die sie bewohnende Gesellschaft, sondern auch über deren kleinsten Teil: Das Individuum.
Angesichts dessen ist es schon ziemlich kurios, dass “Honey” die erste Single des Albums ist – zweifelsohne ein toller Song, aber zusammen mit “That Hump” der am wenigsten ambitionierteste. Dabei dürften wohl auch kommerzielle Erwägungen eine Rolle gespielt haben. Dennoch ist “New Amerykah” ein bemerkenswertes Album, das aufgrund seiner Komplexität zwar zunächst schwer zu verdauen ist, dann aber mit einer Reihe großer Songs belohnt.
09/10
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Erykah Badu: “New Amerykah Part One (4th World War)”
Single: “Honey”
(flo)




