OK, ich hab gerade nicht viel Zeit, aber auf die besten Songs des Wochenendes muss ich dennoch schnell hinweisen:
Allen voran ist die wunderbare Keri Hilson. Deren Debüt “In A Perfect World…” gehört zwar zu der Sorte Alben, die in Wahrheit niemals erscheinen werden, aber solange uns die 26-Jährige immer wieder neue Banger präsentiert, lässt sich die Wartezeit noch etwas zu verschmerzen. Auf dem neuesten Streich “Turnin’ Me On” lässt Polow Da Don ein ziemlich reduziertes Electro-Brett aus seinen Maschinen, während Keri und Featuregast Lil’ Wayne sich irgendwelche Schweinereien zuraunzen. Weezy darf sogar einmal “vagina” sagen. Nasty.
Keri Hilson feat. Lil’ Wayne – “Turnin’ Me On” (Video)
Als nächstes kommen die Berliner Nu-Jazz-Helden von Jazzanova, die mit ihrer neuen Single “I Can See” (aus dem Album “Of All The Things” eine Feel-Good-Nummer nach allen Regeln der Kunst rausgehauen haben. Manchmal ein wenig kitschig, bisweilen etwas unspannend, aber immer: Schön. Featuregast Ben Westbeech sorgt außerdem für eine angemessene vokalistische Untermalung. Ich hab übrigens keine Ahnung, wer das ist. Macht aber nichts.
Jazzanova feat. Ben Westbeech – “I Can See” (Video)
Last but ganz bestimmt nicht least hätten wir noch Gnarls Barkley im Angebot, die vor kurzem eine EP namens “Who’s Gonna Save My Soul” veröffentlicht haben. Darauf sind vier verschiedene Versionen des gleichnamigen Songs, eine Live-Version von “Neighbor” sowie ein brandneuer Track zu finden. Besagter Song heißt “Mystery Man” und wartet neben einem ziemlich kryptischen Video noch mit harten Drums und fast schon einer Dälek‘schen Freude am Experimentieren mit Störgeräuschen auf. Super Sache also. Dass Cee-Lo Green auf dem Track übertrieben krass abgeht, ist sowieso keine gesonderte Erwähnung mehr wert.
Also, diese Videobeschreibung auf OnSmash ist ja gleich in zweierlei Hinsicht Beschiss. “Video For Rihanna ‘Rehab’ Featuring Justin Timberlake off of ‘Good Girl Gone Bad’ In Stores Now!” ist da zum neuen Video von Rihanna zu lesen, aber da gilt es einiges gerade zu rücken. “In Stores Now” heißt in diesem Falle so viel wie “seit eineinhalb Jahren”, denn “Good Girl Gone Bad” wird eigentlich nur noch mit einem lieblosen Re-Release am Laufen gehalten. “Rehab” ist eine der neu hinzugefügten Singles der Re-Issue und läuft sogar schon seit längerem im Radio, hat aber jetzt erst ein Video erhalten. In dem auch Justin Timberlake eine tragende Nebenrolle inne hat – ohne was zum Song an sich beigetragen zu haben. Leichter hat sich JT wohl selten ein paar Dollar dazu verdient. Da der Song von Timbaland produziert wurde, hat man da vermutlich einfach einen lukrativen “Zwei für Eins!”-Deal ausgehandelt. Ansonsten ist “Rehab” ein guter, radiotauglicher Popsong geworden, der einmal mehr aufzeigt, dass bei der 20-Jährigen alles Gold ist, was nicht gerade in die Kategorie “Balladesker Schmeichel-Schmu” gehört. Damit sollten die ehrwürdigen Geschäftsmänner von Def Jam Records das Album auf jeden Fall ins Weihnachtsgeschäft retten können. Müssen ja auch alle ihre Mieten zahlen und so.
Rihanna – “Rehab” (Video)
Das Rezept, dass The Alchemist im Intro seines neuen Videos zu “Lose Your Life” (aus der kommenden EP “The Alchemist’s Cookbook”) gefunden hat, ist tatsächlich recht einfach: Eine MPC sowie ein Triumvirat aus Snoop Dogg, Jadakiss und Pusha T – mehr braucht es nicht für einen heißen Track. Auf dem böse vor sich hinrollenden Klimper-Instrumental sticht vor allem Jada wieder einmal durch seinen abgeklärten Part hervor, aber auch Pusha muss sich nicht verstecken, während Snoop den Aushilfs-Nate Dogg gibt. Superkrasser Next Level Shit? Eher nicht so. Solides iPod-Futter? Das auf alle Fälle. Auch wenn das (gelungene) Video ungefähr drei Wochen zu spät für Halloween dran ist.
The Alchemist feat. Snoop Dogg, Jadakiss, Pusha T – “Lose Your Life” (Video)
Wir kategorisierungswütigen Musikschreiberlinge müssen ja alles sofort in Schubladen stopfen. Was die Mädels von Electrik Red, der neuen Girlgroup von Def Jam Records, so machen, lässt sich wohl am besten folgendermaßen umschreiben: So klingen die Pussycat Dolls, wenn sie sich während eines New-Orleans-Aufenthalts zu viel lila Hustensaft hinter die Binde geschüttet haben. Die Story hinter der eifrig gepushten ersten Single “Drink In My Cup” ist schnell erzählt: Lesley, Sarah, Naomi und Binkie kommen in deinen Club und demolieren sturzbesoffen das Mobiliar. Außerdem führen die vier Mädels gerne gewagte Tänze auf der Damentoilette auf und es ist ihnen scheißegal, dass sie den Mitarbeiter-Bereich nicht bereten dürfen. Das verrät zumindest das Video. Dazu gibt es in auf Krawall gebürstetes Instrumental ganz nach der Machart das dreckigen Südens, in dem sich bei genauem Hinhören auch viele Zitate aus der jüngeren Popgeschichte ausmachen lassen. Mir schleierhaft, wie ich das alles nicht gut finden soll. Die ganze Nummer ist eigentlich auch ziemlich feministisch, wenn man mal genauer darüber nachdenkt. Aber irgendjemand wird sich schon finden, der den Song in den falschen Hals kriegt.
Electrik Red – “Drink In My Cup” (Video)
Eigentlich ist die zweite DJ Khaled-Single aus seinem neuen Album “We Global” ziemlich unerwähnenswert. Denn eigentlich ist es bei diesem Typen ja auch immer das Gleiche: The Runners produzieren, einer oder mehrere Gastrapper machen das, wofür sie bezahlt werden, T-Pain singt den Refrain und Khaled selbst hat nichts zu alldem beigetragen, außer “Im Video ein paar Mal grimmig in die Kamera kucken” zählt plötzlich als künstlerischer Beitrag. Das alles gilt auch für “Go Hard”, so dass wir den Song getrost ignorieren könnten; wenn, ja wenn da nicht Kanye West wäre. Der hat nämlich zwei Killer-Strophen rausgelassen, die er sich mal besser für sein eigenes Album aufgehoben hätte. Uns soll’s recht sein. “I’ma tell you like George Bush told me / fuck y’all niggers, I’m outta here”. Ansage.
DJ Khaled feat. Kanye West & T-Pain – “Go Hard” (Video)
Bushido. Karel Gott. Alphaville. Was zunächst wie die fürchterliche Idee eines verpickelten Mash-Up-Sesselpupsers klingt, ist nun tatsächlich die zweite Single aus Bushidos Album “Heavy Metal Payback” geworden. “Für immer jung” covert (zumindest im Refrain) den 80′er-Klassiker “Forever Young” der Münsteraner Synthpop-Typen von Alphaville, und Karel Gott (of Biene Maja-Fame) liefert den Chorus. Diese Mischung gestaltet sich dank einer erfreulich kitschfreien Umsetzung und der starken Delivery Bushidos überraschend schmerzfrei. Der 30-Jährige schlüpft hier in die Rolle eines Familienvaters und beleuchtet dessen Probleme: Aufmüpfige Kinder, unterkühltes Verhältnis zur Frau, kranke Eltern. Besonders Letzteres bringt Bushido authentisch und eindringlich herüber – hier gibt es auch die größten Überschneidungen mit der eigenen Biographie: “Genieß den Augenblick, wenn du mit deinen Freunden bist / diesen Moment mit deiner Mutter, denn dann freut sie sich / irgendwann wird sie gehen / genieß den Augenblick, den du gerade mit ihr teilst, alles andere braucht sie nicht”. File under: Gute, eigenständige deutsche Popmusik. Und Karel Gott ist auch ein echt guter Sänger. Da, jetzt hab ichs gesagt.
Bushido feat. Karel Gott – “Für immer jung” (Video)
Ich hab nicht mehr viel Zeit, daher hier nur ein kurzer Verweis auf das neue Lil’ Wayne-Video zusammen mit Bobby Valentino. File under: Irgendwie dämlich, aber auch irgendwie großartig.
Lil’ Wayne feat. Bobby Valentino – “Mrs. Officer / Comfortable” (Video)