Liberty City

Deutschland, HipHop, Soul & Funk No Comments

Curse ist zurück! Und zwar mit einem Song, der vermutlich wieder äußerst kontrovers aufgenommen werden wird. “Freiheit” heißt die erste Single aus dem am 26. September erscheinenden Album gleichen Namens, und sie featured niemand geringeren als den großen Marius Müller-Westernhagen. Wie unschwer zu erkennen, baut der Track auch stark auf einem gleichnamigen Song Westernhagens aus dem Jahr 1989 auf. Nun gibt es zu dieser ganzen Causa natürlich zweierlei zu sagen: Zum einen ist das Original nur so lange ein wirklich großartiger Song, wie man den zeitgeschichtlichen Kontext mit in Betrachtung zieht. Und zum anderen hat Produzent Claud zwar das Sample gut eingebaut, aber leider klappt der Transfer der Stadion-Atmosphäre des Originals nicht wirklich; genauso wenig passen diese plötzlichen Rock-Passagen in das Bild. Abgesehen davon ist Freiheit ein guter Song, vor allem natürlich, weil Curse gewohnt kluge Sachen sagt: “Freiheit kann man nicht eingrenzen, Freiheit muss man ausatmen”. Dieser Typ ist weiterhin ein dringend nötiger Kontrapunkt im deutschen Rapgeschehen.

Curse feat. Marius Müller-Westernhagen – “Freiheit” (Video)

Auch Estelle geht in ihrem neuen Video “way back, back into time”, wenn man so will. Die Britin lud sich für “Pretty Please” nämlich einen bezaubernden Sixties-Flair sowie einen gewissen Cee-Lo Green (of Gnarls Barkley-Fame) ins Studio, und diese Mixtur geht voll auf. Diesen Song nicht mögen ist wie kleine Hunde treten. Cee-Lo taucht im Video übrigens nicht auf, aber macht ja nichts. Fest steht auf jeden Fall eines: Diese Frau braucht ganz dringend viel mehr Fame.

Estelle feat. Cee-Lo Green – “Pretty Please” (Video)

(flo)

The End Theme

HipHop, Mixtapes, Review, Soul & Funk 1 Comment

Es ist ja nicht nur deswegen, weil Isaac Hayes erwiesenermaßen ein Genie war: Man muss auch einfach mal einem Mann Respekt zollen, der das Wort “dick” ungefähr zwanzig Jahre, bevor es cool war, bereits mit Freuden in seinen Songs verwendete. Am zehnten August starb der neben James Brown vielleicht einflußreichste schwarze Musiker des 20. Jahrhunderts, und die zahlreichen Trauerbekundungen werden langsam durch hörenswerte Tribute-Projekte abgelöst. Am meisten beeindruckt hat mich dabei “SAMPLOLOGY – The Isaac Hayes Chapter” von DJ Parler aus New York City, hauptberuflich ziemlich hohes Tier bei Koch Records. Der reiht in diesem Mixtape Rap-Klassiker, die sich in Form von Samples an Hayes bedient haben, an die Originalquellen und zeigt damit die enorme Wirkung auf, die vom Schaffen des Stax Records-Musikers auf die HipHop-Kultur ausging. Da Songs wie Jay-Z‘s “Can I Live”, “My Mind Playing Tricks On Me” der Geto Boys oder Public Enemy‘s “Black Steel In The Hour Of Chaos” auch für sich genommen absolute Classics sind, ergibt das Ganze nicht nur einen äußerst aufschlussreichen, sondern auch vergnüglichen Ritt durch beinahe 50 Jahre Musikgeschichte. Parler hält sich außerdem vornehm mit Scratches sowie Name-Drops zurück und lässt einzig und allein die Artists scheinen. (On that note: Wenn DJ Premier ein ähnliches Projekt plant, will ich es gar nicht wissen.) Kurz zusammengefasst: Ein großer Musiker hat hier einen würdigen Tribut erhalten, und sobald die ersten Takte von “Theme From Shaft” erklingen, ist alles super. Black Moses, rest in peace.

DJ Parler – “SAMPLOLOGY – The Isaac Hayes Chapter” Mixtape (Infos & Download)

(flo)

1970 Something

Soul & Funk No Comments

Der Soul ist ja wieder schwer im Kommen neuerdings. Das lässt sich nicht nur an den Charterfolgen der Winehouse ablesen, man erkennt es auch an der verblüffend hohen Anzahl qualitativ hochwertiger Alben, die dieses Jahr bereits von so verschiedenen Künstlern wie Erykah Badu, Al Green oder Gnarls Barkley released wurden. Ja, sogar Veteranen wie Usher sind in letzter Zeit immer öfter dabei gesehen worden, wie sie die glitzernde Welt des Plastik-R&B zugunsten eines erwachseneren, erdigeren, aber nichtsdestotrotz immer noch urbanen Sound verließen. Einer, der dem Soul immer die Stange gehalten hat wie ein Curtis Mayfield-Groupie, ist Raphael Saadiq. Der 42-Jährige hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen des Geschäfts durchgemacht, seit er 1995 mit “Ask Of You” seinen ersten (und bis dato größten) Hit hatte. In diesem Jahrzehnt folgten verschiedene Ritterschläge wie fünf Grammy-Nominierungen für “Instant Vintage” von 2002 und Kollaborationen mit Künstlern wie Whitney Houston, Mary J. Blige, Earth, Wind & Fire oder Ludacris. Für den 16. September steht nun das insgesamt vierte Soloalbum des Kaliforniers namens “The Way I See It” an. Die vier bislang aus dem Projekt geleakten Songs zeigen bereits ganz deutlich an, in welche Richtung die Platte gehen wird: Während “Oh Girl” ein wenig lahm und cheesy klingt, sind “100 Yard Dash”, “Big Easy” und “Staying In Love” absolute Sureshots. Alle vier Songs sind retro, aber nicht rückwärtsgewandt, und erwachsen, aber nicht verkniffen ernst. Denn für eine kleine Prise Ironie ganz im Sinne der neuen Schule hat auch Raphael einiges übrig: “I feel your love / like a monkey on my back.” Gut auf den Punkt gebracht.

Raphael Saadiq@MySpace

Raphael Saadiq – “100 Yard Dash”

Raphael Saadiq – “Big Easy”

Raphael Saadiq – “Oh Girl”

Raphael Saadiq – “Staying In Love”

(flo)

Tapemasters Inc. (3)

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Kennt noch jemand das White Grey Album”? Dieses Mixtape mit Jay-Z-Vocals über Instrumentals der Beatles? Für alle, die es nicht kennen, hier eine Kurzrezension: Das Teil ist richtig, richtig scheiße. Dementsprechend niedrig war meine Aufregung, als ich erstmals vom “Green Album” von Omer Saar hörte. Aber nachdem ich eigentlich nur pflichtschuldig reinhören und durchskippen wollte, war ich eines Besseren belehrt, denn hier wurde eine gute Idee professionell umgesetzt. Omer hat sich nämlich eine Best-Of von Al Green geschnappt, sich einen Wolf gesampled und seine Lieblings-Rap-Strophen aus den goldenen ’90ern darüber gejagt. So spuckt Big L über einen Piano-Schmeichler (“MVP Interlude”), die legendäre “Affirmative Action”-Kollabo von Nas und Supreme NTM wird mit einem frühlinghaften Streicher-Beat unterlegt und der ganz frühe Common tobt sich auf “Communism” aus (siehe unten). Eine ganz und gar vergnügliche Veranstaltung für Freunde der alten Schule also, und auch super Futter für den iPod im langsam kommenden Sommer. Kurze Werbe-Einblendung: Das neue Al Green-Album ist übrigens auch Bombe.

Omer Saar – “The Green Album” (Infos + Download)

Common – “Communism”

(flo)

Follow My Lead

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Hach, dieser verführerische Blick! Dieses smarte Lächeln! Und erst diese blauen Augen! Zugegeben, Robin Thicke ist ganz klar einer für die Damen. Dem gemeinen, männlichen HipHop-Hörer dürfte der 31-Jährige Songwriter und Produzent spätestens seit den Kollaborationen mit Pharrell und 50 Cent positiv in Erinnerung sein. Für sein am ersten Juli erscheinendes drittes Album “Something Else” hat Thicke jedoch die vollkommene Absenz von Gästen angekündigt – das Ding will er anscheinend alleine durchziehen. Nach der ersten Single zu urteilen, hat er auch gar keine fremde Hilfe nötig, denn “Magic” ist bereits jetzt einer der heißesten Kandidaten für meinen Sommerhit des Jahres. Auf einem jazzigen Uptempo-Instrumental mit Live-Feeling legt der Frauenschwarm eine mehr als smoothe Performance hin, die nicht nur einmal an Marvin Gaye erinnert. Und das ist als Kompliment gemeint. Trotzdem gilt: Finger weg, Ladies! Der Mann ist verheiratet.

Robin Thicke – “Magic”

Wo wir gerade beim weiblichen Geschlecht sind: Oberarm-Tätowierungen und weiße Muscle-Shirts sind Dinge, die an Männern meistens schon reichlich dämlich aussehen, an Frauen aber erst recht nicht klar gehen. Warum Keyshia Cole trotzdem super ist? So ganz zufriedenstellend kann ich die Frage auch nicht beantworten. Ich mein, die hat nicht mal ein gutes Album unter ihrem (knackigen) Hintern! Womöglich liegt es an der Stimme der 26-Jährigen, die zwar nicht immer gerade Töne produziert, aber auch deswegen immer wieder interessante, frische Momente erzeugt. Nun hat sich die Sängerin aus Oakland daran gemacht, die neue Single von The Game zu veredeln, der mit dem voran gegangenen “Big Dreams” einen mehr als mißglückten Comeback-Versuch hingelegt (siehe hier) und daher auch einiges wieder gut zu machen hat. “Pain” ist lyrisch gesehen wieder um ein Vielfaches unsubtiler geraten, als man es von Jayceon Taylor gewohnt ist: Hat Game in der Vergangenheit seine OldSchool-Referenzen nur als sympathisches Gimmick benutzt, strickt er nun einfach einen kompletten Song daraus. “Public Enemy and NWA / is all my boombox had to say”. In Kombination mit Keyshia’s emotionalem Refrain, Game’s atemlosem Flow und dem melancholischen Instrumental ergibt das aber tatsächlich einen guten Song – ich bin mir nur noch nicht sicher, ob das nun für oder gegen den Mann von der Westküste spricht.

The Game feat. Keyshia Cole – “Pain” (Video)

(flo)

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