Big Dreams Poppin’

Dirty South, HipHop, Westcoast No Comments

Wie sich diese Sache mit the The Game und seinen Knastgeschichten der letzten Wochen wirklich verhielt, gehört wohl zu den größten Mysterien der jüngeren Zeitgeschichte. Überaus sicher ist jedoch, dass Jayceon Taylor es immer wieder schaffte, seinen Alben Killersingles vorauszuschicken – “How We Do” und “It’s OK (One Blood)” waren beide dreckige Hits, die ihrer Zeit weit voraus waren. Nun ist vor kurzem ein Track namens “Big Dreams” aufgetaucht, von dem kolportiert wird, er wäre die erste Single aus dem kommenden Album “L.A.X.”, und nach erstem Hineinhören bleibt alten Fanboys wie mir nur ein Fazit übrig: Bitte nicht. Der Song ist nicht viel mehr als eine Anbiederung an den Dirty South-Hype, der seit mindestens zwei Jahren keiner mehr ist, und fährt auch ansonsten circa null Ideen auf. “Big cars, big wheels, big chains, yeaaaaah, big pimpin’, big money, big dreams, yeaaaah.” Das ist übrigens der Refrain. Auch in den Strophen kann Game mit seiner verkniffen ernsten Selbstbeweihräucherung und den mittlerweile komplett überflüssigen Jigga- und Fifty-Disses geschickt verbergen, was für ein grandioser Lyricist er eigentlich ist. Der Beat stammt von jedermann’s Lieblingsbeatbastlern aus dem Sunshine State, Cool & Dre, ist aber auch nicht mehr als ein so halb interessanter Bastard aus “Chevy Ridin’ High” und “Flashing Lights”. Ja, ich weiß, wahrscheinlich bin ich unfair. Aber von meinem erklärten Westcoast-Lieblingsrapper erwarte ich nun mal mehr als von Your Favorite Weedcarrier aus Oakland. Bleibt zu hoffen, dass “Big Dreams” nur irgendein Cut von einem Mixtape zur Promotion von “L.A.X.” ist und nicht vom Album selbst – damit könnte ich noch gut leben.

The Game – “Big Dreams”

Die erste, echte Single von Lil’ Wayne aus “Tha Carter III”fährt mir da schon viel besser ein. Dass Weezy schon längst nicht mehr in weltlichen Maßstäben denkt, wurde spätestens bei der Streetsingle “The Only Reason” deutlich, als Weezy einfach seine komplett eigene Sprache erfand. “Lollipop” befindet sich in der Wahnsinns-Skala auf einem ähnlichen Level: Bereits das Video fährt mit überdimensionalen Hummer-Limousinen samt futuristischer Innenausstattung, Trips nach Las Vegas, Armeen schöner Frauen und, ähm, Lollipops all das auf, womit ich mir auch gerne das Wochenende vertreibe. Dazu gibt der selbst ernannte “Best Rapper Alive” den Blues-Sänger in Anzug und schief hängender Krawatte und garniert das Ganze mit Vocoder-Spielereien sowie einer kitschigen E-Gitarre im Refrain, die gerade aufgrund ihrer Deplatziertheit im sonst so technoid wabernden Instrumental irgendwie schlüssig und logisch wirkt. Wahnsinn mit Methode sozusagen. Und der Track mit preußischem Akzent kommt schon noch.

Lil’ Wayne – “Lollipop” (Video)

(flo)

The Next Episode

HipHop, Westcoast No Comments

 Ich kenne ja ernsthaft Leute, die nach dieser “Sensual Seduction”-Sache wirklich befürchtet haben, Snoop Dogg würde sein kommendes Album nur noch mit Hilfe von Vocodern und Plateauschuhen mit lebenden Fischen drin (Disco Stu-Style!) bestreiten. Ganz ehrlich, ich hätte das geil gefunden. Aber wer ein echter O.G. von der Westküste ist, vergisst natürlich seine Wurzeln so schnell nicht. Manifest dessen ist der heute geleakte Track “Neva Hafta Wurry”, der die zweite Single aus dem im März erscheinenden Album “Ego Trippin” sein wird. Die hübsche Piano-Line mit den zurückhaltenden Drums und dem pointierten Bläser-Einsatz nutzt der Doggfather zu einer kleinen Bestandsaufnahme seines Weges von ’92 bis hierher. Und wer von G-Thangs und Gin & Juice über den langsamen Fall in die Bedeutungslosigkeit bis hin zur Resurrection dank DJ Whoo Kid alles erlebt hat, darf sich das auch mal erlauben. Mich erinnert das Ganze ein wenig an “Imagine” vom letzten Album, aber das war ja auch ein guter Song. Ansonsten weiß man über “Neva Hafta Wurry” nicht allzu viel, weder Produzent noch Sangesknabe im Refrain sind bekannt. Während ersterer DJ Quik sein dürfte – die Drums klingen für einen Dr. Dre-Beat einfach zu dünn -, hört die stark an John Legend erinnernde Stimme in der Hook laut eines Comments auf allhiphop.com auf den Namen “Uncle Chukkie” (sic). Alles klar. Ich schätze, bis zum März müssen wir noch in Ungeduld verharren.

Snoop Dogg – “Neva Hafta Worry”

(flo)

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