Über die Autoren
Martin Lechner
“Es ist 1996/meine Freundin ist weg in der Südsee/mein Budget war klein/ja fein, willkommen im Verein”. Der Song von Fettes Brot erinnert mich immer noch an meine ersten HipHop Songs. Damals ging man noch etwas unbedarfter an die Sache und so war Deichkind – “Bitte ziehen sie durch” meine erste selbstgekaufte LP. Nummer 2 war dann “Esperanto” von Freundeskreis, die, wie mir auch damals schon bewusst wurde, einen Quantensprung voraus waren. Vom HipHop-Virus wurde ich ein paar Wochen vorher von einem Freund infiziert, der neu in meine Gegend gezogen war. Der hatte Dr. Dres “Chronic 2001″ am Start; Sommer, Sonne & “Still Dre” werden mir immer im Gedächtnis bleiben. Die meisten Sachen, die damals aber gehört wurden waren aus Deutschland, mit 13 versteht man halt doch besser Deutsch als Englisch. Mit der Zeit wurden dann aus Samy, FK und co. anno dazumal Kanye West, Common uvm. anno 2008. Mein Horizont erstreckt sich aber auf prinzipiell alle Genres der Urban Music, von Soul über Jazz bis Reggae hat mich alles ein bisschen infiziert. Etwas haben aber alle Musikrichtungen gemeinsam. Den unvergleichlichen Vibe, den Good Vibe sozusagen.
Florian Reiter
flo@thegoodvibe.de
Irgendjemand muss den Fanta 4 ja mal Props geben, also: “4:99″ war anno – unschwer zu erraten: 1999 – meine allererste Rap-Platte, die ich, von Anfang an Old-School, als Raubkopie auf MC besass. Ich war zwölf Jahre alt und kann mich noch gut erinnern, wie ein Freund mir “MfG” vorspielte und wie geflashed ich war, weil ich sowas nie zuvor gehört hatte. Scheiss auf “36 Chambers”, mein Rap kam aus Stuttgart-Sindelfingen. Wohlgemerkt war das alles, bevor der Deutschrap-Boom um die Beginner und Dynamite Deluxe so richtig über das Land fegte. Danach war sowieso alles verloren bei mir. Was links und rechts von deutschem HipHop passierte, interessierte mich nicht so sehr: HipHop aus dem Geburtsland ignorierte ich ebenso wie Soundentwürfe aus dem R&B-Bereich. Die schlimme Nu Metal-Welle rund um Limp Bizkit und die Bloodhound Gang nahm ich noch pflichtschuldigst mit, aber ansonsten konzentrierte ich mich strikt auf deutschen HipHop. Nicht mal vor den schlimmsten Auswüchsen des Deutschrap-Hypes, wie z.B. Nina oder Phillie MC, machte ich halt – das Zeug ist schliesslich da, um gehört zu werden.
Seit 1999 ist allerdings viel passiert. Zum Glück, muss ich sagen: Der Musikszene ging’s zwar schon mal besser, aber ich möchte kein Streitgespräch meines Ichs von damals (dem Deutschrap-True School-Stalinisten, falls es so etwas überhaupt gibt) mit meinem heutigen Ich erleben müssen. Heute bin ich 20 und kann mich gleichzeitig für Common wie Jay-Z, Alicia Keys wie Beyonce, Curse wie K.I.Z. begeistern – an clubtauglicher Tanzmusik kann ich ebenfalls nichts Schlimmes mehr entdecken; kein Wunder, ich leg ja selber auf. Abseits dieses ganzen Musik-Krams studiere ich noch Politik und zieh mir auch ganz gerne amerikanische Serien von vorn bis hinten rein – Chappelle, Scrubs, so Zeug eben. Hauptsache, der Vibe stimmt, sozusagen.
